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Rehabilitation nach Trauma: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Schwere einer traumatischen Verletzung korreliert nicht zwingend mit der Komplexität des Rehabilitationsbedarfs.
  • Ein ganzheitliches, multidisziplinäres Assessment (physisch, kognitiv, psychologisch) sollte so früh wie möglich nach der Aufnahme erfolgen.
  • Die Rehabilitation muss individuell geplant werden und idealerweise bereits am Tag nach einer Operation beginnen.
  • Bei Rückenmarksverletzungen ist eine Beurteilung mittels ASIA-Klassifikation und die Überweisung an ein Spezialzentrum innerhalb von 24 Stunden obligatorisch.
  • Psychologische Unterstützung und adäquates Schmerzmanagement sind Grundvoraussetzungen für die physische Mobilisation.
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Hintergrund

Die Rehabilitation nach traumatischen Verletzungen ist ein kontinuierlicher Prozess, der bereits am Tag der Krankenhausaufnahme beginnen sollte. Die vorliegende NICE-Leitlinie betont, dass die Schwere der Verletzung nicht zwangsläufig mit der Komplexität des Rehabilitationsbedarfs korreliert. Daher ist ein personenzentrierter, ganzheitlicher Ansatz in allen Phasen des Behandlungspfads erforderlich. Verzögerungen in der Akutbehandlung sollten vermieden werden, damit die Rehabilitation so schnell wie möglich starten kann.

Multidisziplinäres Assessment

Das multidisziplinäre Team (MDT) muss eine personalisierte Beurteilung der Rehabilitationsbedürfnisse vornehmen. Diese umfasst drei Hauptbereiche:

Assessment-BereichFokus der Beurteilung
PhysischSchmerzmanagement, Gelenkbeweglichkeit, Muskelkraft, Sturzrisiko, Schluckbeschwerden, Ernährungszustand
KognitivOrientierung, Gedächtnis, Kommunikationsfähigkeit, Verwirrtheit (auch ohne Schädel-Hirn-Trauma möglich)
PsychologischAngst, Depression, PTBS, soziales Umfeld, Substanzmissbrauch, akute Belastungsreaktion

Zur Bestimmung, ob eine frühzeitige Überweisung in eine spezialisierte Rehabilitationseinrichtung notwendig ist, sollten validierte Tools verwendet werden:

Tool / ScoreIndikation
RCS, PCAT, CNC, PICUPSBestimmung des Bedarfs an spezialisierter Rehabilitation
STAMPBeurteilung des Mangelernährungsrisikos bei Kindern (<16 Jahre)
MUSTBeurteilung des Mangelernährungsrisikos bei Erwachsenen

Rehabilitationsplan und Zielsetzung

Basierend auf dem Assessment wird ein individueller Rehabilitationsplan (z.B. als "Rehabilitation Prescription") erstellt.

  • Ziele: Es müssen kurz- und langfristige Ziele vereinbart werden, die für den Patienten bedeutsam sind (z.B. Rückkehr zur Arbeit oder Schule).
  • Koordination: Innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme sollte ein namentlich benannter Rehabilitationskoordinator oder Key Worker zugewiesen werden.
  • Entlassung: Die Entlassungsplanung muss frühzeitig und multidisziplinär erfolgen. Bei erheblichem Unterstützungsbedarf sind gemeinsame Hausbesuche von Klinik- und Gemeindeteams vor der Entlassung zu erwägen.

Physische Rehabilitation

Die physische Rehabilitation zielt darauf ab, Muskelfunktion, Kraft und Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. Ein adäquates Schmerzmanagement ist essenziell, damit der Patient an den Therapien teilnehmen kann.

  • Frühe Gewichtsbelastung: Das chirurgische Team muss den Status der Gewichtsbelastung frühestmöglich definieren. Belastungsübungen sollten so bald wie möglich beginnen.
  • Aerobes Training: Ein maßgeschneidertes Übungsprogramm (inkl. Widerstandstraining und Rumpfstärkung) sollte unabhängig von Alter oder Verletzungskombination gestartet werden. Dies darf auch älteren Menschen nicht vorenthalten werden.
  • Schwellungen und Narben: Zur Reduktion von Ödemen werden Hochlagerung und Zirkulationsübungen empfohlen. Bei der Narbenbehandlung ist eine Desensibilisierung (z.B. durch sanfte Berührung) wichtig.

Kognitive und Psychologische Rehabilitation

Patienten müssen darüber aufgeklärt werden, dass kurzzeitige psychologische Probleme in Form einer akuten Belastungsreaktion (4 bis 6 Wochen) häufig sind. Symptome können Schlafstörungen, Albträume, Flashbacks und Angstzustände umfassen. Wenn psychologische Probleme die Rehabilitation beeinträchtigen, muss eine dringende Überweisung an psychologische Dienste erfolgen.

Spezifische Verletzungen

Für bestimmte Verletzungsmuster gelten besondere Empfehlungen, die zusätzlich zu den allgemeinen Maßnahmen angewendet werden müssen:

VerletzungsartSpezifische MaßnahmeBemerkung
Amputation / GliedmaßenverlustSpiegeltherapie (Mirror Therapy)Zur Behandlung von Phantomschmerzen erwägen
Amputation / GliedmaßenverlustFrühe RollstuhlversorgungNicht auf die Prothesenanpassung warten; Rollstuhl mit Stumpfauflage ausstatten
RückenmarksverletzungASIA-KlassifikationAssessment durch geschultes Personal so schnell wie möglich
RückenmarksverletzungÜberweisung SpezialzentrumZwingend innerhalb von 24 Stunden nach Diagnosestellung
Frakturen der unteren ExtremitätOrthesen (z.B. Knöchel-Fuß-Orthese)Bei Risiko des Verlusts der Sprunggelenksbeweglichkeit

💡Praxis-Tipp

Warten Sie nach einer Amputation nicht auf die Anpassung der Prothese, um mit der Rehabilitation zu beginnen. Stellen Sie frühzeitig einen angepassten Rollstuhl (inkl. Stumpfauflage) zur Verfügung und beginnen Sie sofort mit dem Erhalt der Gelenkbeweglichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Die Beurteilung des Rehabilitationsbedarfs sollte bereits bei der Aufnahme erfolgen. Mit der physischen Therapie sollte so früh wie möglich, idealerweise spätestens am Tag nach einer Operation, begonnen werden.
Die Leitlinie empfiehlt den STAMP-Score für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sowie den MUST-Score für Erwachsene.
Eine akute Belastungsreaktion mit Symptomen wie Schlafstörungen, Flashbacks oder Angst ist häufig und kann typischerweise 4 bis 6 Wochen andauern.
Es muss schnellstmöglich ein Assessment mittels ASIA-Klassifikation erfolgen und der Patient muss innerhalb von 24 Stunden an ein regionales Spezialzentrum für Rückenmarksverletzungen gemeldet werden.
Ja, die Leitlinie betont ausdrücklich, dass aerobes Training älteren Menschen nach einem Trauma nicht vorenthalten werden darf.

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