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Trauma-Rehabilitation: Aktuelle NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich beginnen, idealerweise spätestens am Tag nach einer Operation.
  • Ein multidisziplinäres Team muss eine ganzheitliche Beurteilung der physischen, kognitiven und psychologischen Bedürfnisse durchführen.
  • Innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme ist ein fester Rehabilitationskoordinator oder Key Worker zu benennen.
  • Die Therapieziele müssen individuell, patientenzentriert und an den Lebensumständen ausgerichtet sein.
  • Bei der Entlassung ist ein strukturierter Übergang mit einem festen Ansprechpartner für die ersten Monate essenziell.
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Hintergrund

Die Rehabilitation nach traumatischen Verletzungen erfordert einen ganzheitlichen, patientenzentrierten Ansatz. Die Schwere der Verletzung korreliert nicht zwingend mit der Komplexität des Rehabilitationsbedarfs. Daher ist eine frühzeitige und kontinuierliche Beurteilung durch ein multidisziplinäres Team (MDT) essenziell, um die bestmögliche Rückkehr in den Alltag zu gewährleisten.

Initiales Assessment und Frühintervention

Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich beginnen, um Verzögerungen zu vermeiden und Funktionen zu erhalten.

  • Vor Operationen: Atemfunktion und funktionelle Fähigkeiten erhalten (falls sich die OP verzögert).
  • Nach Operationen: Schnellstmöglich beginnen, idealerweise spätestens am Folgetag.
  • Ernährung: Risiko für Mangelernährung frühzeitig screenen (z. B. MUST-Score bei Erwachsenen, STAMP-Score bei Kindern).
  • Psychologische Unterstützung: Sofortige emotionale Unterstützung bei mentaler Belastung oder kognitiver Beeinträchtigung anbieten.

Multidisziplinäres Assessment

Das MDT sollte eine umfassende Bedarfsermittlung durchführen. Dabei muss immer der Unfallmechanismus berücksichtigt werden (Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma).

Assessment-BereichFokus der UntersuchungBemerkung
PhysischSchmerzmanagement, Gelenkbeweglichkeit, Muskelkraft, Schwindel/Gleichgewicht, Seh-/HörvermögenBei Bedarf Überweisung an Spezialisten (z. B. für Orthesen oder Nervenverletzungen).
KognitivVerwirrtheit, verlangsamtes Denken, Gedächtnisprobleme, AgitationAndere Ursachen (Delir, Demenz, Hypoxie) müssen ausgeschlossen werden.
PsychologischVorbestehende psychische Erkrankungen, Suchtmittelkonsum, soziale Isolation, Trauma-UmständeBei Bedarf Überweisung an Psychologen oder Konsiliarpsychiatrie.

Rehabilitationsplan und Zielsetzung

Die Rehabilitationsziele müssen kurz- und langfristig definiert und regelmäßig überprüft werden. Sie basieren auf den Werten, Hobbys und beruflichen Zielen des Patienten.

Der Rehabilitationsplan sollte als zentrales Dokument geführt und mit dem Patienten, Angehörigen und weiterbehandelnden Ärzten geteilt werden. Er umfasst:

  • Verletzungsinformationen und Therapieziele
  • Geplantes Therapieprogramm
  • Informationen zur Rückkehr in Beruf/Schule und Fahreignung
  • Kontaktdaten des Rehabilitationskoordinators

Physische Rehabilitation

Die physische Therapie muss individuell angepasst werden. Eine adäquate Analgesie ist Voraussetzung für die Teilnahme.

MaßnahmeZeitpunktZiel / Evidenz
Frühe GewichtsbelastungSobald klinisch möglichErhalt von Muskelmasse, Kraft und Haltungsreflexen.
Aerobes & KrafttrainingSchnellstmöglichVerbesserung von Kondition, Rumpfstabilität und Gleichgewicht. Auch bei Immobilität (z. B. Sitzgymnastik).
GangschulungSobald Gewichtsbelastung erlaubtWiederherstellung des Gangbildes, Reduktion der Folgen von Nichtbelastung.
Manuelle TherapieKontinuierlichErhalt der Gelenkbeweglichkeit (passiv, assistiv oder aktiv).

Koordination und Entlassungsmanagement

Eine lückenlose Koordination ist für den Rehabilitationserfolg entscheidend.

  • Innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme muss ein benannter Rehabilitationskoordinator oder Key Worker zugewiesen werden.
  • Bei Verlegungen: Detaillierte mündliche und schriftliche Übergabe (inkl. Verletzungen, Ziele, psychologischer Ansätze und Plänen für Alltag/Beruf).
  • Entlassung: Frühzeitige MDT-Planung. Bei komplexen Bedürfnissen sollte eine stufenweise Rückkehr in die Gemeinschaft (z. B. Wochenendbesuche zu Hause) erwogen werden.
  • Nachsorge: Bereitstellung eines zentralen Ansprechpartners im Krankenhaus für eine begrenzte Zeit (z. B. 3 Monate) nach der Entlassung.

💡Praxis-Tipp

Benennen Sie für jeden Traumapatienten innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme einen festen Rehabilitationskoordinator. Beginnen Sie mit der Rehabilitation (z. B. passive Bewegungsübungen) idealerweise schon am Tag nach der Operation, sofern eine adäquate Schmerztherapie sichergestellt ist.

Häufig gestellte Fragen

So früh wie möglich, idealerweise spätestens am Tag nach einer Operation, um Beweglichkeit und Atemfunktion zu erhalten.
Durch ein multidisziplinäres Team, das physische, kognitive und psychologische Aspekte ganzheitlich bewertet.
Zunächst müssen akute Ursachen wie Delir, Infektionen, Hypoxie oder Medikamentennebenwirkungen ausgeschlossen werden. Zudem ist an ein unentdecktes Schädel-Hirn-Trauma zu denken.
Durch frühzeitige multidisziplinäre Planung, detaillierte Übergaben und die Benennung eines festen Ansprechpartners im Krankenhaus für die ersten Monate nach der Entlassung.

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