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NICE2025Psychiatrie

Spielsucht & glücksspielbezogene Schäden: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Glücksspielbezogene Schäden sind ein dominanter Risikofaktor für Suizidgedanken und -versuche.
  • Bei Routineuntersuchungen oder Vorliegen von Risikofaktoren (z.B. psychische Erkrankungen, Substanzkonsum) sollte aktiv nach Glücksspiel gefragt werden.
  • Als psychologische Erstlinientherapie wird kognitive Verhaltenstherapie (CBT), bevorzugt im Gruppensetting, empfohlen.
  • Naltrexon kann als medikamentöse Off-Label-Therapie bei Therapieversagen oder rezidivierenden Rückfällen erwogen werden.
  • Angehörige leiden ebenfalls unter den Folgen und benötigen eigene Unterstützungsangebote.
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Hintergrund

Glücksspielbezogene Schäden umfassen weitreichende negative Auswirkungen auf die Gesundheit, die Finanzen und die sozialen Beziehungen von Betroffenen und deren Angehörigen. Die NICE-Leitlinie (2025) betont, dass Stigmatisierung, Scham und die Angst vor Offenlegung wesentliche Barrieren darstellen, die Menschen davon abhalten, Hilfe zu suchen.

Risikofaktoren und Identifikation

Ärzte und medizinisches Personal sollten Patienten bei Routineuntersuchungen (ähnlich wie bei der Frage nach Alkohol oder Rauchen) auf Glücksspiel ansprechen. Bei bestimmten Risikofaktoren ist eine gezielte Anamnese zwingend erforderlich:

KategorieSpezifische Risikofaktoren
PsychiatrischDepression, Angststörungen, Psychosen, bipolare Störungen, PTBS, ADHS, Suizidgedanken
MedikamentösDopaminagonisten (z.B. bei Parkinson), Aripiprazol
SubstanzkonsumAlkohol- oder Substanzabhängigkeit (insbesondere Kokain)
Sozial / FinanziellObdachlosigkeit, finanzielle Sorgen, familiäre Vorbelastung, häusliche Gewalt
Beruf / LebensphaseMilitärangehörige, Sportprofis, junges Erwachsenenalter (erster Auszug von zu Hause)
  • Beachte: Das Vorliegen mehrerer Risikofaktoren hat einen kumulativen Effekt.

Diagnostik und Assessment

Für die Beurteilung des Schweregrads sollten validierte Instrumente genutzt werden. Die Leitlinie nennt hier beispielhaft den Problem Gambling Severity Index (PGSI) oder den South Oaks Gambling Screen.

Das klinische Assessment muss folgende Punkte umfassen:

  • Glücksspielhistorie (Art, Frequenz, Auslöser)
  • Finanzielle Auswirkungen (Schulden, Beschaffungskriminalität)
  • Auswirkungen auf soziale Funktionen und Beruf
  • Überprüfung der aktuellen Medikation (ggf. Dosisreduktion von Aripiprazol oder Dopaminagonisten in Rücksprache mit Spezialisten)

Initiale Maßnahmen und Suizidrisiko

Glücksspiel ist ein dominanter Risikofaktor für Suizid, auch in Abwesenheit anderer Risikofaktoren. Das Risiko kann unmittelbar nach einer Glücksspiel-Episode am höchsten sein.

  • Patienten müssen direkt nach Suizidgedanken und -absichten gefragt werden.
  • Bei akuter Gefährdung ist eine sofortige Überweisung an psychiatrische Krisendienste erforderlich.
  • Praktische Selbstsperren sollten diskutiert werden (z.B. Software-Blocker, Sperrung von Bankzahlungen, Selbstausschluss aus Casinos).

Psychologische Therapie

Die Behandlung zielt in der Regel auf Abstinenz ab. Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist die evidenzbasierte Grundlage der Behandlung.

TherapieformSettingEmpfehlung
Gruppen-CBT8-10 SitzungenErste Wahl zur Reduktion von Schweregrad und Frequenz.
Einzel-CBT6-8 SitzungenAlternative, falls Gruppentherapie nicht möglich oder vom Patienten abgelehnt wird.
Motivational InterviewingIndividuellZur Steigerung der Therapiemotivation bei Unsicherheit oder Vorbehalten.
  • Wichtig: Die Therapie muss eine Komponente zur Rückfallprävention enthalten (Umgang mit Triggern).

Medikamentöse Therapie

Eine pharmakologische Behandlung ist keine Erstlinientherapie, kann aber in bestimmten Fällen indiziert sein.

WirkstoffIndikationDosierung & Monitoring
Naltrexon (Off-Label)Therapieversagen der CBT oder wiederholte Rückfälle trotz CBTInitial 25 mg/d für 3 Tage, dann 50 mg/d für 4-6 Monate.

Voraussetzungen für Naltrexon:

  • Start nur durch erfahrene Spezialisten.
  • Leber- und Nierenfunktion müssen im Normbereich liegen.
  • Patienten dürfen keine Opioide einnehmen.
  • Die psychologische Therapie sollte idealerweise parallel fortgeführt werden.

Angehörige (Affected Others)

Familienmitglieder und nahestehende Personen leiden massiv unter den Folgen der Glücksspielsucht. Behandler sollten Angehörigen eigene Unterstützungsangebote machen. Dies umfasst Techniken zur Bewältigung der eigenen Belastung sowie Hilfestellungen für eine nicht-wertende Kommunikation mit dem Betroffenen.

💡Praxis-Tipp

Fragen Sie bei Patienten mit Depressionen, Suizidgedanken oder Kokainabusus aktiv nach dem Thema Glücksspiel. Prüfen Sie zudem die Medikation auf Dopaminagonisten oder Aripiprazol, da diese die Impulskontrolle stören und Spielsucht triggern können.

Häufig gestellte Fragen

Bei Routine-Gesundheitschecks (ähnlich wie bei Alkohol oder Rauchen) und gezielt bei Risikofaktoren wie psychischen Erkrankungen, Substanzabhängigkeit (besonders Kokain) oder finanziellen Problemen.
Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist die Therapie der Wahl, idealerweise als Gruppentherapie über 8 bis 10 Sitzungen.
Ja, Naltrexon kann als Off-Label-Therapie (50 mg/Tag) eingesetzt werden, wenn psychologische Therapien nicht ausreichend wirken oder es zu wiederholten Rückfällen kommt.
Glücksspiel ist ein dominanter Risikofaktor für Suizid. Das Risiko ist unmittelbar nach einer Glücksspiel-Episode am höchsten. Eine direkte Abklärung von Suizidgedanken ist obligatorisch.

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