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National Institute for Health and Care Excellence (NICE)A2022PsychiatrieNotfallmedizinAllgemeinmedizin

Selbstverletzung: Leitlinie zu Assessment & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein psychosoziales Assessment durch Fachpersonal sollte schnellstmöglich erfolgen und nicht durch medizinische Behandlungen verzögert werden.
  • Risiko-Assessment-Tools und globale Risikostratifizierungen dürfen nicht zur Vorhersage von Suiziden oder zur Therapieentscheidung genutzt werden.
  • Als psychologische Intervention wird eine strukturierte, CBT-basierte Therapie (4-10 Sitzungen) für Erwachsene empfohlen.
  • Medikamente sollen nicht spezifisch zur Reduktion von selbstverletzendem Verhalten verschrieben werden.
  • Die Erstellung eines individuellen Safety Plans in Zusammenarbeit mit dem Patienten ist ein zentraler Bestandteil der Therapie.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG225 behandelt das Assessment, die Therapie und die Prävention von Rezidiven bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nach Selbstverletzung (Self-harm). Selbstverletzung wird definiert als absichtliche Selbstvergiftung oder -verletzung, unabhängig vom offensichtlichen Zweck.

Psychosoziales Assessment

Ein psychosoziales Assessment durch eine psychiatrische Fachkraft sollte zum frühestmöglichen Zeitpunkt erfolgen.

  • Keine Verzögerung: Das Assessment darf nicht bis zum Abschluss der medizinischen Behandlung aufgeschoben werden.
  • Intoxikation: Atem- oder Blutalkoholspiegel dürfen nicht genutzt werden, um das Assessment zu verzögern.
  • Inhalte: Exploration der Funktionen der Selbstverletzung, Berücksichtigung von Komorbiditäten (z.B. Neurodiversität, Lernbehinderungen) und Einbezug von Angehörigen (sofern Zustimmung vorliegt).

Risikobewertung und Skalen

Die Leitlinie spricht sich strikt gegen die Verwendung von standardisierten Risikoskalen zur Vorhersage von Suiziden aus.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Risikoskalen & ToolsNicht empfohlenNicht zur Vorhersage von Suizid oder Wiederholung nutzen
Globale RisikostratifizierungNicht empfohlenEinteilung in "niedrig/mittel/hoch" darf nicht über Therapie oder Entlassung bestimmen
Risikoeinschätzung (Risk formulation)EmpfohlenAls integraler Bestandteil jedes psychosozialen Assessments
Fokus der BeurteilungEmpfohlenFokus auf individuelle Bedürfnisse und physische/psychische Sicherheit

Interventionen und Therapie

Die Behandlung sollte individuell angepasst werden und sich auf die zugrunde liegenden Ursachen konzentrieren.

ZielgruppeTherapieBemerkung
ErwachseneCBT-basierte Intervention4-10 Sitzungen, zeitnah nach dem Ereignis beginnen
JugendlicheDBT-A (Dialektisch-Behaviorale Therapie)Bei starker emotionaler Dysregulation und häufiger Selbstverletzung
Alle PatientenSafety PlanGemeinsame Erarbeitung von Warnzeichen, Coping-Strategien und Notfallkontakten
Alle PatientenMedikamentöse TherapieKeine spezifischen Medikamente zur Reduktion von Selbstverletzung anbieten

Safety Plan

Ein Safety Plan sollte kollaborativ erstellt werden und folgende Elemente enthalten:

  • Erkennen von Triggern und Warnzeichen
  • Individuelle Coping-Strategien
  • Soziale Kontakte zur Ablenkung
  • Notfallkontakte (inkl. Krisendienste)
  • Maßnahmen zur Einschränkung des Zugangs zu letalen Mitteln

Stationäre Aufnahme und Entlassung

Eine Aufnahme in ein Allgemeinkrankenhaus sollte erwogen werden, wenn:

  • Sicherheitsbedenken bestehen (z.B. Risiko für Gewalt oder Missbrauch) und eine psychiatrische Aufnahme nicht indiziert ist.
  • Safeguarding-Maßnahmen (Schutzmaßnahmen) geplant werden müssen.
  • Der Patient nicht in der Lage ist, an einem psychosozialen Assessment teilzunehmen (z.B. aufgrund von starkem Distress oder Intoxikation).

Vor der Entlassung aus dem Allgemeinkrankenhaus muss ein psychosoziales Assessment stattgefunden haben und ein klarer Nachsorgeplan (Initial Aftercare) innerhalb von 48 Stunden vereinbart sein. In Notaufnahmen dürfen keine mechanischen Fixierungen angewendet werden, um Selbstverletzungen oder das Verlassen der Klinik zu verhindern.

Medikamentensicherheit (Safer Prescribing)

Bei der Verschreibung von Medikamenten an Personen mit stattgehabter Selbstverletzung ist besondere Vorsicht geboten:

  • Toxizität beachten: Besondere Vorsicht bei opiat-haltigen Schmerzmitteln und trizyklischen Antidepressiva.
  • Mengenbegrenzung: Nutzung von Shared Decision Making zur Begrenzung der Abgabemenge (z.B. wöchentliche Rezepte).
  • Medikamenten-Review: Nach einer Episode von Selbstverletzung sollte ein Review der Medikation erfolgen (Beachtung von Halbwertszeiten und Toxizitätsrisiken).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf standardisierte Risikoskalen (niedrig/mittel/hoch) zur Vorhersage von Suiziden. Fokussieren Sie sich stattdessen auf ein individuelles psychosoziales Assessment und erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Patienten einen konkreten Safety Plan.

Häufig gestellte Fragen

Nein, Atem- oder Blutalkoholtests dürfen nicht genutzt werden, um das psychosoziale Assessment zu verzögern.
Eine strukturierte, CBT-basierte psychologische Intervention, die typischerweise 4 bis 10 Sitzungen umfasst und zeitnah beginnen sollte.
Nein, die Leitlinie rät explizit davon ab, Medikamente als spezifische Intervention zur Reduktion von Selbstverletzung anzubieten.
Nein, globale Risikostratifizierungen und Tools dürfen nicht zur Vorhersage von Suiziden oder zur Entscheidung über Therapie und Entlassung verwendet werden.
Unter anderem bei akuten Sicherheitsbedenken (z.B. Missbrauchsrisiko), notwendigen Schutzmaßnahmen (Safeguarding) oder wenn der Patient zu distressiert für ein Assessment ist.

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