ClariMedClariMed
NICE2026Psychiatrie

Leitlinie Selbstverletzung: Assessment & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Risiko-Assessment-Tools und -Skalen duerfen nicht zur Vorhersage von Suizid oder zur Steuerung der Behandlung eingesetzt werden.
  • Ein psychosoziales Assessment durch eine psychiatrische Fachkraft soll schnellstmoeglich erfolgen und nicht durch medizinische Behandlungen verzoegert werden.
  • Erwachsenen soll eine strukturierte, CBT-basierte psychologische Intervention (4-10 Sitzungen) angeboten werden.
  • Fuer Jugendliche mit haeufiger Selbstverletzung und emotionaler Dysregulation wird die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT-A) empfohlen.
  • Medikamente duerfen nicht als spezifische Intervention zur Reduktion von Selbstverletzung verschrieben werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie behandelt das Assessment und die Therapie von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nach intentionaler Selbstvergiftung oder Selbstverletzung, unabhaengig vom offensichtlichen Zweck. Repetitives, stereotypes selbstverletzendes Verhalten (z. B. Kopfschlagen) ist von dieser Leitlinie ausgeschlossen.

Psychosoziales Assessment

Ein psychosoziales Assessment durch eine psychiatrische Fachkraft muss zum fruehestmoeglichen Zeitpunkt erfolgen. Es dient dazu, ein gemeinsames Verstaendnis fuer die Gruende der Selbstverletzung zu entwickeln und einen Care Plan (Behandlungsplan) zu erstellen.

  • Keine Verzoegerung: Das Assessment darf nicht verzoegert werden, bis die medizinische Behandlung abgeschlossen ist.
  • Keine Alkoholtests als Barriere: Atem- oder Blutalkoholspiegel duerfen nicht genutzt werden, um das Assessment zu verzoegern.
  • Privatsphaere: Das Gespraech muss in einem privaten, ausgewiesenen Bereich stattfinden, in dem vertraulich gesprochen werden kann.

Risikobewertung (Paradigmawechsel)

Die Leitlinie spricht sich strikt gegen die Verwendung von standardisierten Risikoskalen aus:

MassnahmeEmpfehlungBegruendung
Risiko-Assessment-ToolsNicht anwendenDuerfen nicht zur Vorhersage von Suizid oder wiederholter Selbstverletzung genutzt werden.
Globale RisikostratifizierungNicht anwendenEinteilung in "niedriges, mittleres, hohes Risiko" darf nicht ueber Therapie oder Entlassung entscheiden.
Risk FormulationEmpfohlenPsychiatrisches Fachpersonal soll in jedem Assessment eine individuelle Risikoeinschaetzung (Risk Formulation) vornehmen.

Der Fokus des Assessments muss auf den individuellen Beduerfnissen und der unmittelbaren sowie langfristigen psychologischen und physischen Sicherheit des Patienten liegen.

Interventionen und Therapie

Die Behandlung muss individuell angepasst werden. Medikamente duerfen nicht als spezifische Intervention zur Reduktion von Selbstverletzung angeboten werden.

ZielgruppeEmpfohlene TherapieDetails
ErwachseneCBT-basierte InterventionStrukturierte, personenzentrierte psychologische Intervention (z. B. kognitive Verhaltenstherapie oder Problemloesetherapie), typischerweise 4-10 Sitzungen.
JugendlicheDBT-ADialektisch-behaviorale Therapie fuer Adoleszente bei signifikanter emotionaler Dysregulation und haeufiger Selbstverletzung.

Safety Plan

Mit jedem Patienten sollte partnerschaftlich ein Safety Plan (Sicherheitsplan) entwickelt werden. Dieser beinhaltet:

  • Erkennen von Triggern und Warnzeichen fuer Krisen
  • Individuelle Bewaeltigungsstrategien (Coping)
  • Soziale Kontakte und Settings zur Ablenkung
  • Einbezug von Familie/Freunden zur Unterstuetzung
  • Notfallkontakte (inkl. ausserhalb der Dienstzeiten)
  • Massnahmen zur Entfernung oder Einschraenkung toedlicher Mittel

Sichere Verschreibung (Safer Prescribing)

Bei der Verschreibung von Medikamenten an Personen mit stattgehabter Selbstverletzung muessen Aerzte besondere Vorsicht walten lassen:

  • Toxizitaet beachten: Besondere Vorsicht bei Medikamenten, die bei Ueberdosierung toxisch sind (z. B. opiatbasierte Schmerzmittel, trizyklische Antidepressiva).
  • Mengenbegrenzung: Im Rahmen der partizipativen Entscheidungsfindung sollte eine Limitierung der Medikamentenmenge (z. B. Wochenrezepte) diskutiert werden.
  • Rueckgabe: Patienten sollten gebeten werden, nicht benoetigte Medikamente zur sicheren Entsorgung zurueckzugeben.
  • Medicines Review: Nach einer Selbstverletzung sollte eine Medikamentenueberpruefung durchgefuehrt werden.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie keine Risiko-Scores (wie 'niedriges/hohes Risiko'), um ueber Entlassung oder Therapie zu entscheiden. Fokussieren Sie sich stattdessen auf die individuellen Beduerfnisse und erstellen Sie gemeinsam mit dem Patienten einen konkreten Safety Plan.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Weder medizinische Behandlungen noch Atem- oder Blutalkoholtests duerfen genutzt werden, um das psychosoziale Assessment zu verzoegern.
Es wird eine strukturierte, CBT-basierte psychologische Intervention (z. B. kognitive Verhaltenstherapie oder Problemloesetherapie) mit typischerweise 4 bis 10 Sitzungen empfohlen.
Nein. Die Leitlinie stellt klar, dass Medikamente nicht als spezifische Intervention zur Reduktion von Selbstverletzung angeboten werden duerfen.
Nein. Die Leitlinie raet explizit davon ab, Risikoskalen oder globale Risikostratifizierungen (niedrig/mittel/hoch) zu verwenden, um Suizide vorherzusagen oder ueber Behandlungen zu entscheiden.

Verwandte Leitlinien