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Arthrose-Leitlinie: Diagnose & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer Arthrose erfolgt klinisch ohne Bildgebung bei Patienten ab 45 Jahren mit belastungsabhängigen Schmerzen und einer Morgensteifigkeit von unter 30 Minuten.
  • Die Basistherapie besteht aus individueller Bewegungstherapie und Gewichtsmanagement.
  • Topische NSAR sind das Mittel der ersten Wahl bei Kniegelenksarthrose.
  • Paracetamol, schwache und starke Opioide sowie Glucosamin werden nicht routinemäßig empfohlen.
  • Die Indikation zum Gelenkersatz wird klinisch gestellt; ein hoher BMI, Alter oder Komorbiditäten sind keine absoluten Ausschlusskriterien.
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Hintergrund

Arthrose ist die häufigste Form der Gelenkerkrankung. Die Symptome wie Schmerz und Steifigkeit fluktuieren häufig, wobei akute Schübe (Flares) typisch sind. Die aktuelle NICE-Leitlinie fokussiert sich auf eine klinische Diagnosestellung und stellt konservative Maßnahmen wie Bewegung und Gewichtsmanagement in den Vordergrund.

Diagnostik

Die Diagnose einer Arthrose soll klinisch und ohne Bildgebung gestellt werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.

KriteriumBedingung für klinische Diagnose
Alter≥ 45 Jahre
SchmerzBelastungsabhängiger Gelenkschmerz
MorgensteifigkeitKeine oder Dauer ≤ 30 Minuten

Eine routinemäßige Bildgebung (z. B. Röntgen) wird nicht empfohlen, es sei denn, es liegen atypische Merkmale vor, die auf eine alternative Diagnose hindeuten (z. B. Trauma, verlängerte Morgensteifigkeit, rasche Verschlechterung, heißes/geschwollenes Gelenk, Verdacht auf Infektion oder Malignität).

Nicht-medikamentöse Therapie

Die Basistherapie der Arthrose besteht aus Information, Bewegung und Gewichtsmanagement.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
BewegungstherapieEmpfohlenAn individuelle Bedürfnisse anpassen. Patienten aufklären, dass initiale Schmerzzunahme normal ist.
GewichtsmanagementEmpfohlenJede Abnahme ist nützlich; >10 % Körpergewichtsverlust ist besser als 5 %.
Manuelle TherapieErwägenNur bei Hüft- oder Kniearthrose und nur in Kombination mit Bewegungstherapie.
GehhilfenErwägenZur Entlastung der unteren Extremitäten.
Akupunktur / Dry NeedlingNicht empfohlenKeine ausreichende Evidenz für einen Nutzen.
ElektrotherapieNicht empfohlenTENS, Ultraschall, Laser- oder Interferenztherapie sollen nicht angeboten werden.

Hinweis zu Hilfsmitteln: Einlagen, Bandagen, Tapes oder Schienen sollen nicht routinemäßig angeboten werden, außer bei Gelenkinstabilität und wenn Bewegungstherapie allein ineffektiv ist.

Medikamentöse Therapie

Medikamente sollen immer nur ergänzend zu nicht-medikamentösen Maßnahmen und zur Unterstützung der Bewegungstherapie eingesetzt werden. Es gilt: Niedrigste effektive Dosis für die kürzestmögliche Zeit.

WirkstoffklasseIndikationEvidenz / Empfehlung
Topische NSARKniearthrose (1. Wahl)Empfohlen für Knie; bei anderen Gelenken erwägen.
Orale NSARWenn topische NSAR ineffektivErwägen. Toxizität beachten. Immer mit Magenschutz (PPI) kombinieren.
ParacetamolAusnahmefälleNicht routinemäßig anbieten. Nur kurzzeitig, wenn andere Optionen kontraindiziert sind.
Schwache OpioideAusnahmefälleNicht routinemäßig anbieten. Nur für seltene, kurzzeitige Schmerzlinderung.
Starke OpioideKeineNicht anbieten. Risiken überwiegen den Nutzen.
GlucosaminKeineNicht anbieten. Keine starke Evidenz für Nutzen.

Interventionell und Operativ

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Kortikosteroid-InjektionenErwägenNur bei Versagen anderer Therapien. Bietet nur kurzzeitige Linderung (2-10 Wochen).
Hyaluronsäure-InjektionenNicht empfohlenSollen nicht zur Arthrose-Behandlung angeboten werden.
Arthroskopische LavageNicht empfohlenArthroskopische Lavage oder Debridement sollen nicht angeboten werden.

Gelenkersatz (Endoprothetik)

Eine Überweisung zum Gelenkersatz (Hüfte, Knie, Schulter) sollte erwogen werden, wenn:

  • Gelenksymptome (Schmerz, Steifigkeit, Funktionsverlust) die Lebensqualität erheblich einschränken.
  • Konservative Maßnahmen (Bewegung, Gewichtsverlust, Schmerzmittel) ineffektiv oder ungeeignet sind.

Wichtige Grundsätze für die Überweisung:

  • Die Entscheidung basiert auf der klinischen Beurteilung, nicht auf numerischen Scoring-Systemen.
  • Patienten dürfen nicht aufgrund von Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Komorbiditäten oder Übergewicht/Adipositas (BMI) von einer Überweisung ausgeschlossen werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei typischer Arthrose-Anamnese (Alter ≥ 45, belastungsabhängiger Schmerz, Morgensteifigkeit < 30 Min) auf ein routinemäßiges Röntgenbild. Klären Sie Patienten darüber auf, dass anfängliche Schmerzen bei neuer Bewegungstherapie normal sind und langfristig zu einer Besserung führen.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei atypischen Symptomen wie vorangegangenem Trauma, langer Morgensteifigkeit, rascher Verschlechterung oder Verdacht auf Infektion bzw. Malignität.
Nein, Paracetamol wird nicht routinemäßig empfohlen, da keine starke Evidenz für einen Nutzen vorliegt. Es sollte nur in Ausnahmefällen kurzzeitig genutzt werden.
Die Leitlinie empfiehlt intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen aufgrund fehlender Evidenz für eine klinische Verbesserung nicht.
Nein, Patienten dürfen nicht allein aufgrund ihres BMI, ihres Alters oder von Komorbiditäten von einer Überweisung zum Gelenkersatz ausgeschlossen werden.

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