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Arthrose-Leitlinie (NICE): Diagnose & Therapie ab 16 Jahren

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer Arthrose wird bei Patienten ab 45 Jahren mit typischer Anamnese klinisch und ohne routinemäßige Bildgebung gestellt.
  • Die Basistherapie besteht aus therapeutischem Training, Gewichtsmanagement und Aufklärung.
  • Topische NSAR sind das medikamentöse Mittel der ersten Wahl, insbesondere bei Kniegelenksarthrose.
  • Paracetamol, starke Opioide, Glucosamin und intraartikuläre Hyaluronsäure werden nicht zur Behandlung empfohlen.
  • Ein hoher BMI, das Alter oder Komorbiditäten sind keine Ausschlusskriterien für eine Überweisung zum Gelenkersatz.
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Hintergrund

Die Arthrose ist eine häufige Gelenkerkrankung, die mit Schmerzen, Steifigkeit und Funktionseinschränkungen einhergeht. Die aktuelle NICE-Leitlinie (NG226) fokussiert sich auf die Diagnostik und das Management bei Patienten ab 16 Jahren. Die Basis der Behandlung bilden Aufklärung, Bewegungstherapie und Gewichtsmanagement.

Diagnostik

Die Diagnose einer Arthrose wird klinisch gestellt. Eine routinemäßige Bildgebung (z. B. Röntgen) wird nicht empfohlen, es sei denn, es liegen atypische Merkmale vor, die auf eine andere Diagnose hindeuten.

KriteriumBedingung für klinische Diagnose
Alter≥ 45 Jahre
SchmerzBelastungsabhängiger Gelenkschmerz
MorgensteifigkeitKeine oder maximal 30 Minuten andauernd

Nicht-medikamentöse Therapie

Die nicht-medikamentöse Therapie bildet das Fundament der Arthrose-Behandlung.

  • Therapeutisches Training: Sollte an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden (z. B. lokaler Muskelaufbau, allgemeine aerobe Fitness). Angeleitete Sitzungen können erwogen werden.
  • Gewichtsmanagement: Bei Übergewicht oder Adipositas führt jeder Gewichtsverlust zu einer Verbesserung. Ein Verlust von 10 % des Körpergewichts ist vorteilhafter als 5 %.
  • Manuelle Therapie: Nur bei Hüft- oder Kniearthrose und ausschließlich in Kombination mit therapeutischem Training erwägen.

Hilfsmittel und physikalische Therapien

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Gehhilfen (z. B. Gehstock)EmpfohlenZur Entlastung bei Arthrose der unteren Extremitäten
Einlagen, Bandagen, TapesNicht routinemäßigNur bei Gelenkinstabilität und wenn Training allein nicht ausreicht
Akupunktur / Dry NeedlingNicht empfohlenKeine ausreichende Evidenz
Elektrotherapie (TENS, Ultraschall etc.)Nicht empfohlenKeine ausreichende Evidenz für klinischen Nutzen

Medikamentöse Therapie

Medikamente sollten immer nur begleitend zu nicht-medikamentösen Maßnahmen eingesetzt werden. Es gilt der Grundsatz: Niedrigste wirksame Dosis für die kürzestmögliche Zeit.

StufeTherapieIndikation / Bemerkung
1Topische NSARMittel der Wahl bei Kniearthrose; bei anderen Gelenken erwägen.
2Orale NSARWenn topische Therapie unzureichend. Immer mit Magenschutz (PPI) kombinieren. Toxizität beachten!
3Intraartikuläre KortikosteroideWenn andere Therapien versagen oder um Bewegungstherapie zu ermöglichen (Wirkdauer nur 2-10 Wochen).

Nicht empfohlene Medikamente:

  • Paracetamol & schwache Opioide: Nicht routinemäßig anbieten. Nur bei Kontraindikationen gegen andere Mittel für seltene, kurzzeitige Schmerzlinderung.
  • Starke Opioide: Nicht anbieten (Risiken überwiegen Nutzen).
  • Glucosamin: Nicht anbieten (keine starke Evidenz).
  • Hyaluronsäure (intraartikulär): Nicht anbieten.

Nachsorge (Follow-up)

Für die meisten Patienten wird eine patienteninitiierte Nachsorge empfohlen. Geplante Kontrolltermine sollten nur bei speziellem Bedarf (z. B. Überwachung bestimmter Therapien oder starker Einschränkung) vereinbart werden. Bildgebung soll nicht routinemäßig zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden.

Überweisung zum Gelenkersatz

Eine Überweisung zum Gelenkersatz (Hüfte, Knie, Schulter) sollte erwogen werden, wenn die Gelenksymptome die Lebensqualität erheblich einschränken und nicht-operative Maßnahmen unwirksam oder ungeeignet sind.

  • Die Entscheidung basiert auf der klinischen Beurteilung, nicht auf numerischen Scoring-Systemen.
  • Patienten dürfen nicht aufgrund von Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Komorbiditäten oder BMI (Übergewicht/Adipositas) von einer Überweisung ausgeschlossen werden.
  • Arthroskopische Lavagen oder Debridements werden bei Arthrose nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf routinemäßige Röntgenbilder zur Diagnosestellung bei typischer Anamnese (Alter ≥45, belastungsabhängiger Schmerz, Morgensteifigkeit ≤30 Min). Klären Sie Patienten auf, dass anfängliche Schmerzen bei Beginn einer Bewegungstherapie normal sind und langfristig abnehmen.

Häufig gestellte Fragen

Eine Bildgebung ist nur erforderlich, wenn atypische Symptome vorliegen, die auf eine andere oder zusätzliche Diagnose (z. B. Infektion, Malignom, entzündliches Rheuma) hindeuten.
Topische NSAR sind das Mittel der ersten Wahl, insbesondere bei Kniearthrose. Orale NSAR sollten nur erwogen werden, wenn topische Mittel nicht wirken, und müssen mit einem Protonenpumpeninhibitor (PPI) kombiniert werden.
Nein, Paracetamol wird nicht zur routinemäßigen Behandlung empfohlen, da es keine starke Evidenz für einen Nutzen gibt. Es sollte nur in Ausnahmefällen kurzzeitig genutzt werden, wenn alle anderen Optionen kontraindiziert sind.
Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich von intraartikulären Hyaluronsäure-Injektionen zur Behandlung der Arthrose ab.
Nein. Ein hoher BMI (Übergewicht oder Adipositas) darf kein Grund sein, Patienten von einer Überweisung zum Gelenkersatz auszuschließen.

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