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Gelenkersatz (Hüfte, Knie, Schulter): NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Tranexamsäure (i.v. und topisch) wird zur Blutungsreduktion bei Hüft- und Knie-TEP empfohlen (max. 3 g Gesamtdosis).
  • Bei isolierter medialer Gonarthrose soll die Wahl zwischen unikondylärem und totalem Kniegelenkersatz angeboten werden.
  • Die postoperative Rehabilitation sollte idealerweise am Tag der Operation, spätestens jedoch innerhalb von 24 Stunden beginnen.
  • Zur Vermeidung von Implantatfehlern sind zwingend zwei intraoperative 'Stop-Momente' durchzuführen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG157) fasst evidenzbasierte Empfehlungen für den primären elektiven Gelenkersatz von Hüfte, Knie und Schulter zusammen. Im Fokus stehen die gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making), perioperative Optimierung, Blutungsmanagement und standardisierte Rehabilitationskonzepte.

Präoperative Maßnahmen und Aufklärung

Shared Decision Making ist essenziell. Patienten müssen über Alternativen, Risiken und den zu erwartenden Verlauf (Schmerzmanagement, Rückkehr in den Alltag, Beruf, Sport und sexuelle Aktivität) aufgeklärt werden. Für Patienten vor einem Hüft- oder Kniegelenkersatz wird eine präoperative Rehabilitation empfohlen. Diese umfasst Übungen, Gewichtsmanagement, Ernährungsberatung und Raucherentwöhnung.

Anästhesie und Analgesie

GelenkAnästhesieverfahrenAnalgesie-ZusatzBemerkung
Hüfte & KnieRegional- ODER Allgemeinanästhesie (Auswahl anbieten)Lokale Infiltrationsanalgesie (LIA)Nervenblockade als Alternative/Zusatz erwägen (darf Motorik nicht beeinträchtigen oder OP signifikant verzögern)
SchulterAllgemein-, Regionalanästhesie, LIA oder NervenblockadenIndividuellOptionen müssen mit dem Patienten diskutiert werden

Blutungsmanagement: Tranexamsäure

Zur Minimierung des Blutverlustes wird der Einsatz von Tranexamsäure empfohlen. Die Gesamtdosis darf 3 g nicht überschreiten.

GelenkNierenfunktion normalNierenfunktion eingeschränkt (leicht bis mittel)
Hüfte & Kniei.v. Gabe + 1-2 g topisch (intraartikulär in Kochsalzlösung) vor WundverschlussNur reduzierte i.v. Gabe
Schulteri.v. Gabe erwägen + 1-2 g topisch erwägenNur reduzierte i.v. Gabe (falls verwendet)

Chirurgisches Vorgehen und Implantatwahl

GelenkEmpfehlung zum Vorgehen
KnieBei isolierter medialer Arthrose: Wahl zwischen Teil- oder Totalersatz anbieten. Bei Totalersatz: Patellarückflächenersatz anbieten.
HüftePosteriorer oder anterolateraler Zugang. Implantate mit Revisionsrate ≤ 5 % nach 10 Jahren nutzen.
SchulterBei intakter Rotatorenmanschette und ausreichendem Glenoidknochen: Konventionelle Totalendoprothese anbieten.

Infektionsprävention und Sicherheit

  • Lüftung: In den Operationssälen sind Ultra-Reinluft-Lüftungssysteme (ultra-clean air ventilation) zu verwenden.
  • Implantatsicherheit: Zur Vermeidung von Implantatverwechslungen müssen zwei intraoperative "Stop-Momente" durchgeführt werden (einmal vor der Implantation und einmal vor dem Wundverschluss). Eine Echtzeit-Dateneingabe (z.B. in Register) zur Warnung vor nicht passenden Komponenten sollte erwogen werden.

Postoperative Rehabilitation

  • Stationär: Der Beginn durch Physiotherapie oder Ergotherapie sollte am Tag der OP, spätestens jedoch nach 24 Stunden erfolgen. Dies umfasst die Mobilisation (Hüfte/Knie) bzw. das Umhergehen (Schulter).
  • Ambulant: Vor der Entlassung ist eine Beratung zur selbstgesteuerten Rehabilitation durchzuführen. Supervidierte Rehabilitation (Einzel oder Gruppe) wird für Patienten empfohlen, die Schwierigkeiten im Alltag haben, ihre Ziele nicht erreichen oder kognitive Einschränkungen aufweisen.
  • Langzeit-Follow-up: Hausärzte sollen Patienten bei neuen oder zunehmenden Schmerzen, Hinken oder Funktionsverlust an die orthopädische Chirurgie überweisen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie konsequent zwei intraoperative 'Stop-Momente' (vor Implantation und vor Wundverschluss) durch, um Implantatverwechslungen zu vermeiden. Beginnen Sie die Mobilisation bei Hüft- und Knie-TEPs idealerweise noch am Operationstag.

Häufig gestellte Fragen

Sowohl Regional- als auch Allgemeinanästhesie sind gleichwertig; dem Patienten sollte eine Wahl angeboten werden. Beide Verfahren sollten in Kombination mit einer lokalen Infiltrationsanalgesie (LIA) durchgeführt werden.
Bei normaler Nierenfunktion wird eine Kombination aus i.v.-Gabe und 1-2 g topischer (intraartikulärer) Applikation empfohlen. Die Gesamtdosis darf 3 g nicht überschreiten. Bei Niereninsuffizienz darf nur intravenös in reduzierter Dosis appliziert werden.
Die Leitlinie empfiehlt primär den posterioren oder anterolateralen Zugang.
Ja, bei einem primären totalen Kniegelenkersatz sollte den Patienten ein Patellarückflächenersatz angeboten werden.
Die Rehabilitation und Mobilisation sollte durch Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten wenn möglich noch am Tag der Operation, spätestens jedoch innerhalb von 24 Stunden nach dem Eingriff starten.

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