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Gicht: Diagnostik und Therapie (NICE-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose wird klinisch und durch Harnsäuremessung (≥ 360 µmol/l) gesichert; bei normalen Werten im Anfall nach 2 Wochen wiederholen.
  • Akuttherapie der 1. Wahl umfasst NSAR, Colchicin oder einen kurzen Kurs oraler Glukokortikoide.
  • Eine harnsäuresenkende Therapie (ULT) sollte als Treat-to-Target-Strategie mit einem Zielwert < 360 µmol/l erfolgen.
  • Allopurinol und Febuxostat sind Erstlinienpräparate der ULT; bei schweren kardiovaskulären Erkrankungen wird Allopurinol bevorzugt.
  • Zur Anfallsprophylaxe bei ULT-Start wird primär Colchicin empfohlen.
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Hintergrund

Gicht ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die durch die Ablagerung von Mononatriumurat-Kristallen verursacht wird. Ohne adäquate harnsäuresenkende Therapie (ULT) schreitet die Erkrankung fort und kann zu dauerhaften Gelenkschäden führen.

Diagnostik

Die Diagnose sollte bei rasch einsetzenden (oft über Nacht), starken Schmerzen mit Rötung und Schwellung im Großzehengrundgelenk (MTP-1) oder bei Vorhandensein von Tophi gestellt werden. Auch andere Gelenke können betroffen sein.

  • Harnsäurespiegel: Zur Bestätigung messen (Zielwert zur Diagnose: ≥ 360 µmol/l bzw. 6 mg/dl).
  • Wiederholung: Bei starkem Verdacht, aber Werten < 360 µmol/l während eines Anfalls, Messung frühestens 2 Wochen nach Abklingen wiederholen.
  • Gelenkpunktion: Bei unklarer Diagnose zur Synovialanalyse erwägen.
  • Bildgebung: Röntgen, Ultraschall oder Dual-Energy-CT (DECT), falls Punktion nicht möglich oder Diagnose weiterhin unklar.

Akuttherapie des Gichtanfalls

Die Therapie sollte unter Berücksichtigung von Komorbiditäten und Begleitmedikation erfolgen. Lokale Kältetherapie (Eispacks) kann zusätzlich zur Schmerzlinderung angewendet werden.

WirkstoffklasseIndikationBemerkung
NSAR1. WahlGgf. mit Protonenpumpeninhibitor (PPI) kombinieren
Colchicin1. Wahl-
Orale Glukokortikoide1. WahlKurzer Kurs
Intraartikuläre / intramuskuläre Glukokortikoide2. WahlWenn 1. Wahl kontraindiziert, nicht toleriert oder ineffektiv
IL-1-InhibitorenReserveNur nach Überweisung in die Rheumatologie

Langzeittherapie (Urate-Lowering Therapy, ULT)

Eine ULT ist in der Regel eine lebenslange Therapie. Der Start erfolgt idealerweise 2 bis 4 Wochen nach Abklingen eines Anfalls (bei sehr häufigen Anfällen auch währenddessen möglich). Es wird eine Treat-to-Target-Strategie empfohlen: Start mit niedriger Dosis und monatliche Anpassung bis zum Zielwert.

Indikationen für eine ULT

PatientengruppeEmpfehlung
Multiple oder belastende AnfälleSoll angeboten werden
Chronische Nierenerkrankung (CKD 3-5)Soll angeboten werden
DiuretikatherapieSoll angeboten werden
Tophi oder chronische GichtarthritisSoll angeboten werden
Nach dem 1. oder weiteren Anfall (ohne obige Kriterien)Soll diskutiert/erwogen werden

Zielwerte der Harnsäure

  • Standard-Zielwert: < 360 µmol/l (6 mg/dl)
  • Strengerer Zielwert: < 300 µmol/l (5 mg/dl) erwägen bei Tophi, chronischer Gichtarthritis oder anhaltenden Anfällen trotz Standard-Zielwert.

Medikamentöse Auswahl

WirkstoffLinieBemerkung
Allopurinol1. WahlBevorzugt bei schweren kardiovaskulären Erkrankungen
Febuxostat1. WahlAlternative zu Allopurinol
Wechsel auf das jeweils andere Präparat2. WahlBei Ineffektivität oder Unverträglichkeit

Anfallsprophylaxe bei ULT-Start

Beim Start oder der Titration einer ULT besteht ein erhöhtes Risiko für Gichtanfälle.

  • 1. Wahl: Colchicin
  • Alternativen: Niedrig dosierte NSAR oder niedrig dosierte orale Glukokortikoide (ggf. plus PPI), falls Colchicin kontraindiziert oder ineffektiv ist.
  • IL-1-Inhibitoren: Nur nach rheumatologischer Überweisung.

Lebensstil und Ernährung

Es gibt keine ausreichende Evidenz für eine spezifische Gicht-Diät. Patienten sollten eine gesunde, ausgewogene Ernährung einhalten. Übergewicht, Adipositas und exzessiver Alkoholkonsum können Gichtanfälle triggern und sollten vermieden werden.

Überweisung zum Spezialisten

Eine Überweisung in die Rheumatologie sollte erwogen werden bei:

  • Unklarer Diagnose
  • Kontraindikation, Unverträglichkeit oder Ineffektivität der Therapie
  • Chronischer Nierenerkrankung (CKD Stadium 3b bis 5)
  • Zustand nach Organtransplantation

Monitoring: Nach Erreichen des Zielwerts sollte die Harnsäure jährlich kontrolliert werden.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie die Harnsäure bei starkem klinischem Verdacht und normalen Werten während eines akuten Anfalls frühestens 2 Wochen nach Abklingen erneut, da die Werte im akuten Schub falsch-niedrig sein können.

Häufig gestellte Fragen

Idealerweise 2 bis 4 Wochen nach Abklingen eines Gichtanfalls. Bei sehr häufigen Anfällen kann auch während eines Anfalls gestartet werden.
Der Standard-Zielwert liegt bei < 360 µmol/l (6 mg/dl). Bei Tophi, chronischer Gichtarthritis oder anhaltenden Anfällen sollte ein Wert < 300 µmol/l (5 mg/dl) erwogen werden.
Als 1. Wahl gelten NSAR (ggf. mit PPI), Colchicin oder kurzzeitige orale Glukokortikoide. Eispacks können unterstützend wirken.
Nein, es gibt keine ausreichende Evidenz für eine spezifische Diät. Empfohlen wird eine gesunde, ausgewogene Ernährung sowie die Vermeidung von Übergewicht und exzessivem Alkoholkonsum.

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