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NICE

Wirbelsäulentrauma: Leitlinie zur Erstversorgung (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die klinische Beurteilung der Halswirbelsäule erfolgt primär nach der Canadian C-Spine Rule.
  • Zur Immobilisation werden Zervikalstütze, Schaufeltrage und Vakuummatratze empfohlen; Spineboards dienen nur der Rettung, nicht dem Transport.
  • Bei Verdacht auf eine Rückenmarksverletzung ist der direkte Transport in ein überregionales Traumazentrum indiziert.
  • Steroide (wie Methylprednisolon) zur Neuroprotektion in der Akutphase werden ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Bei Erwachsenen mit neurologischen Ausfällen ist nach dem CT zwingend ein MRT durchzuführen, auch wenn das CT unauffällig ist.
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Hintergrund

Die Erstversorgung von Patienten mit einem potenziellen Wirbelsäulentrauma erfordert ein strukturiertes Vorgehen, um sekundäre neurologische Schäden zu vermeiden. Die Beurteilung beginnt bereits präklinisch nach dem <C>ABCDE-Schema (Catastrophic haemorrhage, Airway mit In-line-Immobilisation, Breathing, Circulation, Disability, Exposure).

Klinische Beurteilung und Canadian C-Spine Rule

Die Indikation zur Immobilisation und Bildgebung der Halswirbelsäule (HWS) wird bei wachen Patienten anhand der Canadian C-Spine Rule gestellt:

RisikokategorieKriterien
High-RiskAlter ≥ 65 Jahre, gefährlicher Unfallmechanismus (z. B. Sturz > 1m, Axialstauchung, Hochgeschwindigkeitsunfall), Parästhesien an den Extremitäten
Low-RiskLeichter Auffahrunfall, sitzende Position, gehfähig, kein mittiger Druckschmerz, verzögerter Nackenschmerz
No-RiskLow-Risk-Faktor vorhanden UND aktive Rotation des Halses um 45° nach links und rechts schmerzfrei möglich

Bei Verdacht auf Verletzungen der Brust- oder Lendenwirbelsäule (BWS/LWS) gelten ähnliche Risikofaktoren (Alter ≥ 65, gefährlicher Mechanismus, Osteoporose, neurologische Ausfälle, lokaler Druckschmerz).

Immobilisation und Rettung

Die vollständige In-line-Immobilisation ist indiziert, wenn High-Risk-Faktoren vorliegen, die HWS-Rotation nicht möglich ist oder BWS/LWS-Kriterien zutreffen.

  • Schrittweises Vorgehen bei Erwachsenen:
    • Manuelle In-line-Stabilisierung des Kopfes.
    • Anlage einer passenden Zervikalstütze (Ausnahme: kompromittierter Atemweg oder bekannte Deformitäten wie Morbus Bechterew).
    • Umlagerung mittels Schaufeltrage.
    • Fixierung mit Kopffixierset und Klebeband, idealerweise in einer Vakuummatratze.

Wichtig zur Rettung (Extrikation): Ein Spineboard (Longboard) darf nur zur Rettung verwendet werden. Patienten dürfen nicht auf einem Spineboard transportiert werden.

Schmerztherapie

Die Schmerzerfassung muss regelmäßig mit alters- und kognitionsentsprechenden Skalen erfolgen.

WirkstoffIndikation / StufeBemerkung
Morphin i.v.1. WahlDosis nach Wirkung titrieren
Diamorphin / Ketamin intranasalFehlender i.v.-ZugangOff-Label-Use beachten
Ketamin i.v.2. WahlIn analgetischer Dosierung

Bildgebung

Die Bildgebung muss notfallmäßig erfolgen und sofort von fachkundigem Personal befundet werden.

PatientengruppeVerdachtsdiagnose1. Wahl BildgebungBemerkung
ErwachseneHWS-Verletzung (nach C-Spine Rule)CTBei neurologischen Ausfällen zwingend MRT im Anschluss (auch bei unauffälligem CT)
ErwachseneBWS/LWS (ohne Neuro-Defizit)RöntgenCT bei Auffälligkeiten oder klinischen Zeichen
ErwachseneStumpfes PolytraumaGanzkörper-CTKeine Umlagerung während des Scans
Kinder (<16 J.)RückenmarksverletzungMRTRöntgen erwägen, falls MRT-Kriterien nicht erfüllt

Medikamentöse Therapie und Neuroprotektion

Die Leitlinie spricht sich strikt gegen den Einsatz folgender Medikamente zur Neuroprotektion oder Prävention einer sekundären Verschlechterung in der Akutphase aus:

  • Methylprednisolon
  • Nimodipin
  • Naloxon

Ebenso sollen in der Akutphase keine Medikamente zur Vorbeugung chronischer neuropathischer Schmerzen verabreicht werden.

Zielklinik und Dokumentation

  • Patienten mit Verdacht auf eine Rückenmarksverletzung müssen direkt in ein überregionales Traumazentrum (Major Trauma Centre) transportiert werden.
  • Bei Verdacht auf eine isolierte Wirbelsäulenverletzung ohne Rückenmarksbeteiligung reicht bei Erwachsenen die nächste geeignete Traumaklinik.
  • Bei Patienten über 4 Jahren mit Verdacht auf Rückenmarksverletzung muss in der Notaufnahme schnellstmöglich ein ASIA-Score (American Spinal Injury Association) erhoben werden.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie das Spineboard (Longboard) ausschließlich zur schnellen Rettung aus Gefahrensituationen. Für den Transport in die Klinik muss der Patient zwingend auf eine Vakuummatratze umgelagert werden.

Häufig gestellte Fragen

Die Indikation richtet sich bei wachen Patienten nach der Canadian C-Spine Rule (z. B. Alter ≥ 65, gefährlicher Mechanismus, Parästhesien oder fehlende Rotationsmöglichkeit des Halses).
Nein. Die Leitlinie rät ausdrücklich vom Einsatz von Methylprednisolon zur Neuroprotektion in der Akutphase ab.
Mittels manueller In-line-Stabilisierung, Anlage einer Zervikalstütze, Umlagerung per Schaufeltrage und anschließender Fixierung in einer Vakuummatratze mit Kopffixierset.
Morphin i.v. ist das Analgetikum der ersten Wahl. Bei fehlendem Zugang kann intranasales Ketamin oder Diamorphin erwogen werden.
Bei Erwachsenen muss nach dem initialen CT zwingend ein MRT durchgeführt werden, auch wenn das CT keine Auffälligkeiten zeigt.

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