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ME/CFS: Diagnose und Management Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • ME/CFS wird klinisch diagnostiziert, wenn Kernsymptome wie Post-Exertional Malaise (PEM) und kognitive Störungen über 3 Monate bestehen.
  • Es gibt aktuell keine kurative medikamentöse oder nicht-medikamentöse Therapie für ME/CFS.
  • Energy Management (Pacing) ist die zentrale Strategie zur Symptomkontrolle und Vermeidung von Rückfällen.
  • Graded Exercise Therapy (GET) und das Lightning Process-Verfahren werden ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) dient der Krankheitsbewältigung und Symptomkontrolle, nicht der Heilung.
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Hintergrund

Die Myalgische Enzephalomyelitis bzw. das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) ist eine komplexe, chronische Erkrankung, die mehrere Organsysteme betrifft. Die Pathophysiologie wird weiterhin erforscht. Die Erkrankung verläuft fluktuierend, wobei sich die Art und Schwere der Symptome unvorhersehbar ändern können. Die Auswirkungen auf den Alltag, das Berufsleben und die soziale Teilhabe variieren stark.

Schweregrade der ME/CFS

Die Leitlinie teilt die Erkrankung anhand der Einschränkungen im Alltag in vier Schweregrade ein:

SchweregradKlinisches Bild & Alltagsfunktion
MildSelbstversorgung möglich, leichte Hausarbeit. Oft noch in Arbeit/Ausbildung, aber Verzicht auf Freizeitaktivitäten. Benötigen oft das Wochenende zur Erholung.
ModeratEingeschränkte Mobilität, Einschränkungen bei allen Alltagsaktivitäten. Meist Aufgabe von Arbeit/Ausbildung. Benötigen Ruhepausen (oft 1-2h am Nachmittag). Schlaf meist gestört.
SchwerMinimale Alltagsaufgaben (z.B. Zähneputzen) möglich. Oft rollstuhlabhängig oder hausgebunden. Starke kognitive Einschränkungen, oft extrem licht- und geräuschempfindlich.
Sehr schwerGanztägig bettlägerig, vollständig pflegebedürftig (Körperpflege, Essen). Extreme sensorische Empfindlichkeit. Teils Unfähigkeit zu schlucken (Sondenernährung nötig).

Diagnosekriterien

Es gibt keinen spezifischen diagnostischen Test für ME/CFS. Die Diagnose wird rein klinisch gestellt. Der Verdacht sollte geäußert werden, wenn die Symptome bei Erwachsenen seit mindestens 6 Wochen (bei Kindern 4 Wochen) bestehen. Die endgültige Diagnose wird nach 3 Monaten persistierender Symptome gestellt.

Folgende vier Kernsymptome müssen für eine Diagnose vorliegen:

KernsymptomBeschreibung
Debilitierende FatigueVerschlechterung durch Aktivität, nicht durch Überanstrengung bedingt, durch Ruhe nicht signifikant gelindert.
Post-Exertional Malaise (PEM)Unverhältnismäßige Symptomverschlechterung nach Aktivität. Oft um Stunden oder Tage verzögert, mit stark verlängerter Erholungszeit.
SchlafstörungenNichterholsamer Schlaf, veränderte Schlafmuster, Hypersomnie oder Gefühl von Erschöpfung/Steifigkeit beim Aufwachen.
Kognitive StörungenOft als "Brain Fog" beschrieben. Wortfindungsstörungen, verlangsamte Reaktion, Konzentrations- und Kurzzeitgedächtnisprobleme.

Zusätzlich müssen andere Erkrankungen durch eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung und Labordiagnostik (z.B. Blutbild, Schilddrüsenwerte, CRP, Zöliakie-Screening, HbA1c) ausgeschlossen werden.

Therapie und Management

Aktuell gibt es keine Heilung für ME/CFS. Das Management konzentriert sich auf die Symptomlinderung und den Erhalt der Funktion durch ein multidisziplinäres Team.

  • Energy Management: Kernstrategie ist das Erlernen der eigenen Energiegrenzen, um PEM zu vermeiden. Aktivitäten (kognitiv, physisch, emotional) müssen an das individuelle Limit angepasst werden. Es gilt das Prinzip, nicht über die eigenen Grenzen hinauszugehen ("push through").
  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Dient nicht der Heilung, sondern der Unterstützung bei der Symptombewältigung und Reduktion von chronischem Stress. Sie darf nicht davon ausgehen, dass abnormale Krankheitsüberzeugungen die Ursache der ME/CFS sind.
  • Symptomatische Therapie: Gezielte Behandlung von Begleitsymptomen wie Schmerzen, orthostatischer Intoleranz (z.B. POTS) oder Schlafstörungen. Bei Medikamenten sollte oft mit einer niedrigeren Dosis als üblich begonnen werden, da Patienten empfindlicher reagieren können.

Kontraindizierte Maßnahmen

Die Leitlinie spricht sich ausdrücklich gegen folgende Therapien aus:

TherapieBegründung laut Leitlinie
Graded Exercise Therapy (GET)Fixe, inkrementelle Steigerungen der körperlichen Aktivität können die Symptome verschlechtern und PEM auslösen.
Lightning ProcessDarf nicht angeboten werden.
Unspezifische SportprogrammeAllgemeine Fitnessprogramme für Gesunde oder andere Erkrankungen sind ungeeignet und potenziell schädlich.

💡Praxis-Tipp

Raten Sie Patienten mit Verdacht auf ME/CFS niemals dazu, 'über ihre Grenzen hinauszugehen' oder mehr Sport zu treiben. Dies kann eine schwere Post-Exertional Malaise (PEM) auslösen und den Zustand dauerhaft verschlechtern.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose kann klinisch gestellt werden, wenn die vier Kernsymptome (Fatigue, PEM, Schlafstörungen, kognitive Störungen) seit mindestens 3 Monaten bestehen und andere Ursachen ausgeschlossen wurden.
Nein. Die NICE-Leitlinie rät ausdrücklich von GET ab, da fixe Steigerungen der Aktivität die Symptome verschlechtern können.
Es gibt keinen spezifischen Biomarker oder Labortest für ME/CFS. Die Labordiagnostik dient ausschließlich dem Ausschluss anderer Erkrankungen.
Nein. CBT wird nicht als Heilmittel angesehen, sondern hilft Patienten lediglich dabei, mit der chronischen Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
PEM ist eine unverhältnismäßige Verschlechterung der Symptome nach körperlicher, kognitiver oder emotionaler Anstrengung, die oft um Stunden oder Tage verzögert auftritt und eine lange Erholungszeit erfordert.

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