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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2021InfektiologieInnere Medizin

Long COVID & Post-COVID: SIGN Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Leitlinie unterscheidet 'Ongoing symptomatic COVID-19' (4-12 Wochen) und das 'Post-COVID-19-Syndrom' (>12 Wochen).
  • Ein negativer SARS-CoV-2-Test schließt ein Post-COVID-Syndrom nicht aus.
  • Die Basisdiagnostik umfasst Blutuntersuchungen, EKG, Röntgenthorax und einen 1-Minuten-Sit-to-Stand-Test zur SpO2-Messung.
  • Kognitive Einschränkungen ('Brain Fog') nach milden Verläufen sind meist funktioneller Natur und keine degenerative Hirnerkrankung.
  • Bei Fatigue wird von starrer Graded Exercise Therapy (GET) abgeraten; stattdessen wird 'Pacing' (Energiemanagement) empfohlen.
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Hintergrund

Die Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion ("Long COVID") können jedes Organsystem betreffen und in ihrer Intensität fluktuieren. Ein fehlender positiver PCR- oder Antikörpertest schließt die Diagnose nicht aus, da Antikörperspiegel über die Zeit abfallen können. Die Leitlinie definiert folgende Phasen:

PhaseZeitraumDefinition
Akute COVID-19-Infektion< 4 WochenInitiale Krankheitsphase
Ongoing symptomatic COVID-194 - 12 WochenAnhaltende symptomatische Phase
Post-COVID-19-Syndrom> 12 WochenSymptome, die nicht durch andere Diagnosen erklärbar sind

Red Flags für eine sofortige Überweisung

Bei folgenden Warnzeichen ist eine dringliche fachärztliche oder stationäre Einweisung erforderlich:

  • Schwere Hypoxämie: SpO2 < 94 % oder Sauerstoffentsättigung unter Belastung
  • Kardiale Symptome: Typischer Brustschmerz oder pathologisches EKG
  • Pulmonale Zeichen: Hinweise auf schwere Lungenerkrankungen
  • Psychiatrie: Schwere psychiatrische Symptome oder akute Suizidalität
  • Pädiatrie: Verdacht auf Multisystemisches Entzündungssyndrom (PIMS/MIS-C) bei Kindern

Basisdiagnostik in der Primärversorgung

Die Diagnostik richtet sich nach der individuellen Symptomatik. Eine umfassende Anamnese (inkl. psychosozialer Faktoren) steht im Vordergrund.

UntersuchungIndikation / ZielBemerkung
LaborBasis-CheckBlutbild, Nierenwerte, Leberwerte, CRP, Ferritin, HbA1c, Schilddrüsenwerte
1-Minuten-Sit-to-Stand-TestDyspnoe, BelastungsintoleranzMessung von Herzfrequenz, Atemfrequenz und SpO2
Schellong-Test / StehtestSchwindel, Palpitationen3 Min. für orthostatische Hypotonie, 10 Min. für PoTS-Verdacht
EKG & RöntgenthoraxKardiopulmonale SymptomeAusschluss struktureller Ursachen

Organspezifisches Management

Kardiologische Symptome

Klinisch signifikante kardiale Langzeitschäden nach COVID-19 sind selten. Die Abklärung dient primär dem Ausschluss akuter Pathologien.

BiomarkerGrenzwertKlinische Konsequenz
NT-pro-BNP< 400 ng/LHerzinsuffizienz sehr unwahrscheinlich
NT-pro-BNP> 2000 ng/LÜberweisung zur Kardiologie
hs-Troponin I< 4 ng/LSchließt aktive Myokarditis aus

Neurologische und kognitive Symptome

"Brain Fog" (Konzentrations- und Gedächtnisstörungen) ist bei milden initialen Verläufen meist Ausdruck einer funktionellen kognitiven Störung und keine degenerative Hirnerkrankung. Bei älteren oder hospitalisierten Patienten (insb. mit stattgehabtem Delir) steigt das Demenz- und Schlaganfallrisiko.

Unterscheidung: Funktionelle vs. degenerative kognitive Störung

MerkmalFunktionelle kognitive Störung ("Brain Fog")Degenerative Hirnerkrankung
BegleitungKommt oft allein zur KonsultationWird oft von Angehörigen begleitet
WahrnehmungPatient bemerkt Defizite stärker als das UmfeldUmfeld bemerkt Defizite stärker als der Patient
Symptom-SchilderungSehr detailliert, oft mit schriftlichen NotizenDetailarm, kurze Antworten
VerlaufFluktuierend, präziser Beginn angebbarProgredient, Beginn schwer datierbar

Respiratorische Symptome

Husten und Dyspnoe können Wochen bis Monate anhalten. Bei unauffälligem Röntgenthorax und persistierenden Atemwegssymptomen (z. B. Giemen) kann ein therapeutischer Versuch mit inhalativen Kortikosteroiden (ICS) erwogen werden.

Anosmie (Geruchsverlust)

Tritt bei bis zu 50 % der Patienten auf. Die Prognose ist besser als bei anderen post-viralen Anosmien. Es gibt keine medikamentöse Therapie, jedoch wird ein frühzeitiges Riechtraining (Smell Training) empfohlen.

Therapie und Rehabilitation

Die Therapie erfolgt primär symptomorientiert und konservativ.

  • Fatigue: Fokus auf "Pacing" (Energiemanagement). Von starrer Graded Exercise Therapy (GET) wird abgeraten.
  • Dysautonomie/PoTS: Konservative Maßnahmen wie ausreichende Hydratation (3 L/Tag), erhöhte Salzzufuhr und angepasstes Training.
  • Urtikaria: Behandlung mit Antihistaminika, ggf. bis zur 4-fachen Standarddosis hochtitrieren.

Kinder und Jugendliche

Kinder haben seltener respiratorische oder kardiale Symptome als Erwachsene. Häufiger sind extreme Erschöpfung, Schwindel, Hautausschläge, Bauchschmerzen und Stimmungsschwankungen. Bei unklaren chronischen Erschöpfungszuständen sollte eine Überweisung in die allgemeine Pädiatrie erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Patienten mit Dyspnoe einen 1-Minuten-Sit-to-Stand-Test durch, um eine Belastungshypoxie zu demaskieren. Bei Verdacht auf PoTS ist eine 10-minütige Herzfrequenzmessung im Stehen und Liegen indiziert.

Häufig gestellte Fragen

'Ongoing symptomatic COVID-19' betrifft die Wochen 4 bis 12, das 'Post-COVID-19-Syndrom' besteht bei Symptomen über 12 Wochen hinaus.
EKG und NT-pro-BNP (bei Dyspnoe) sowie hs-Troponin I (bei Brustschmerz). Ein NT-pro-BNP <400 ng/L macht eine Herzinsuffizienz sehr unwahrscheinlich.
Bei Patienten ohne schweren initialen Verlauf handelt es sich meist um eine funktionelle kognitive Störung und nicht um eine degenerative Hirnerkrankung.
Nein, bei Post-viraler Fatigue oder ME/CFS-Symptomatik wird von starrer Graded Exercise Therapy abgeraten. Stattdessen wird 'Pacing' (Energiemanagement) empfohlen.

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