Infiziertes Ekzem: Leitlinie zur Antibiose (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Die Basistherapie mit Emollientien und topischen Kortikosteroiden muss auch bei einer bakteriellen Sekundärinfektion fortgeführt werden.
- •Bei systemisch gesunden Patienten sollen nicht routinemäßig Antibiotika verschrieben werden.
- •Systemisch kranke Patienten erhalten primär eine orale Antibiose (1. Wahl: Flucloxacillin).
- •Topische Antibiotika (1. Wahl: Fusidinsäure) sollten nur bei lokalisierten Infektionen und zeitlich begrenzt eingesetzt werden.
- •Routinemäßige Hautabstriche bei Erstvorstellung werden nicht empfohlen.
Hintergrund
Ekzeme sind häufig mit Bakterien (meist Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes) besiedelt, ohne dass eine klinische Infektion vorliegt. Eine bakterielle Sekundärinfektion kann sich durch Nässen, Pusteln, Krusten, fehlendes Ansprechen auf die Therapie, rasche Verschlechterung, Fieber und Krankheitsgefühl äußern.
Wichtig: Nicht jeder Ekzemschub wird durch Bakterien verursacht. Auch virale Infektionen (z. B. Eczema herpeticum) sind möglich.
Diagnostik
- Keine routinemäßigen Hautabstriche bei der Erstvorstellung durchführen, da die Haut bei Ekzemen ohnehin oft bakteriell besiedelt ist.
- Ein Abstrich für mikrobiologische Tests sollte erwogen werden, wenn sich die Symptome verschlechtern oder nicht wie erwartet auf eine Antibiose ansprechen.
- Bei häufig rezidivierenden Infektionen: Hautabstrich senden und zusätzlich einen Nasenabstrich zur Prüfung einer Dekolonisierung erwägen.
Therapieentscheidung
Die Behandlung des zugrundeliegenden Ekzems mit Emollientien und topischen Kortikosteroiden muss fortgeführt werden, unabhängig davon, ob Antibiotika verabreicht werden oder nicht.
| Klinischer Zustand | Therapieempfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Systemisch gesund | Keine routinemäßige Antibiose | Evidenz zeigt begrenzten Nutzen von Antibiotika zusätzlich zu topischen Steroiden. |
| Systemisch gesund (lokalisierte Infektion) | Topisches Antibiotikum erwägen | Risiko der Resistenzentwicklung beachten. Keine wiederholten/verlängerten Kurse. |
| Systemisch krank (z. B. Fieber, Unwohlsein) | Orales Antibiotikum | Topische Antibiotika sind hier nicht ausreichend. |
Medikamentöse Therapie (Erwachsene ab 18 Jahren)
Die Therapiedauer beträgt in der Regel 5 bis 7 Tage. Lokale Resistenzdaten sollten, falls verfügbar, berücksichtigt werden.
| Wirkstoff | Dosis | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Fusidinsäure 2% (topisch) | 3x täglich | 1. Wahl bei lokalisierten Infektionen. |
| Flucloxacillin (oral) | 500 mg 4x täglich | 1. Wahl bei oraler Indikation. |
| Clarithromycin (oral) | 250 mg 2x täglich | Alternative bei Penicillinallergie. Bei schweren Infektionen auf 500 mg 2x täglich erhöhbar. |
| Erythromycin (oral) | 250-500 mg 4x täglich | Alternative bei Penicillinallergie in der Schwangerschaft. |
Hinweis: Bei Verdacht auf oder Bestätigung von MRSA ist ein Mikrobiologe zu konsultieren.
Medikamentöse Therapie (Kinder 1 Monat bis <18 Jahre)
Auch bei Kindern beträgt die empfohlene Therapiedauer 5 bis 7 Tage.
| Wirkstoff | Dosis | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Fusidinsäure 2% (topisch) | 3x täglich | 1. Wahl bei lokalisierten Infektionen. |
| Flucloxacillin (oral) | 1 Mo-1 J: 62,5-125 mg 4x/d<br>2-9 J: 125-250 mg 4x/d<br>10-17 J: 250-500 mg 4x/d | 1. Wahl bei oraler Indikation. |
| Clarithromycin (oral) | Gewichts- und altersadaptiert (z. B. <8 kg: 7,5 mg/kg 2x/d) | Alternative bei Penicillinallergie. |
| Erythromycin (oral) | 8-17 J: 250-500 mg 4x/d | Alternative bei Penicillinallergie in der Schwangerschaft. |
Reevaluation und Überweisung
Patienten müssen re-evaluiert werden, wenn:
- sie systemisch krank werden oder unverhältnismäßig starke Schmerzen entwickeln.
- sich die Symptome rasch oder signifikant verschlechtern.
- nach Abschluss der Antibiose keine Besserung eintritt.
Eine Krankenhauseinweisung ist indiziert bei Symptomen, die auf eine schwerwiegendere Erkrankung wie nekrotisierende Fasziitis oder Sepsis hindeuten. Eine fachärztliche Vorstellung sollte bei sich ausbreitenden, therapieresistenten Infektionen oder hohem Komplikationsrisiko erwogen werden.
Andere Hauterkrankungen
Für die Behandlung bakterieller Sekundärinfektionen bei Psoriasis, Windpocken, Gürtelrose und Krätze liegt keine ausreichende Evidenz vor. Hier sollte bei Bedarf fachärztlicher Rat eingeholt werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei der Erstvorstellung eines infizierten Ekzems auf einen Hautabstrich, da die Haut ohnehin meist mit Bakterien besiedelt ist. Fokussieren Sie sich stattdessen auf die konsequente Weiterführung der topischen Steroidtherapie.