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Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose wird primär klinisch gestellt und durch diabetesspezifische Autoantikörper gesichert.
  • Allen Patienten sollte eine kontinuierliche Glukosemessung (rtCGM oder isCGM) angeboten werden.
  • Der HbA1c-Zielwert liegt bei ≤ 48 mmol/mol (6,5 %), sofern dies ohne problematische Hypoglykämien erreichbar ist.
  • Standardtherapie ist ein intensiviertes Basal-Bolus-Regime mit multiplen täglichen Injektionen.
  • Das kardiovaskuläre Risiko sowie Komplikationen (z. B. Parodontitis, Nephropathie) müssen jährlich evaluiert werden.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG17) fasst die evidenzbasierten Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung des Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen zusammen. Ziel ist es, durch eine optimale Blutzuckereinstellung akute und chronische Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der Patienten zu erhalten.

Diagnostik

Die Erstdiagnose eines Typ-1-Diabetes wird primär klinisch bei Erwachsenen mit Hyperglykämie gestellt. Alter oder BMI allein dürfen nicht als Ausschlusskriterium herangezogen werden.

KriteriumAusprägung / Bemerkung
KetoseTypischerweise vorhanden
GewichtsverlustRasch fortschreitend
ErkrankungsalterUnter 50 Jahren
BMIUnter 25 kg/m²
AnamnesePersönliche/familiäre Autoimmunerkrankungen

Zur Sicherung der Diagnose sollten diabetesspezifische Autoantikörper bestimmt werden. Die Falsch-negativ-Rate ist zum Zeitpunkt der Diagnose am geringsten.

C-Peptid-Bestimmung:

  • Nicht routinemäßig zur Bestätigung der Erstdiagnose verwenden.
  • Erwägen bei negativen Autoantikörpern und unklarer Klassifikation (nicht-nüchternes Serum-C-Peptid mit gepaartem Blutzucker).
  • Im Verlauf zur Überprüfung der Diagnose sinnvoll, da die Aussagekraft mit zunehmendem Abstand zur Erstdiagnose steigt.

Blutzuckermanagement und Monitoring

HbA1c-Ziele

  • Zielwert: ≤ 48 mmol/mol (6,5 %), um das Risiko vaskulärer Komplikationen zu minimieren.
  • Das Ziel muss individuell vereinbart werden und darf nicht mit problematischen Hypoglykämien einhergehen.
  • Messung alle 3 bis 6 Monate.

Glukosemonitoring (CGM vs. kapillär)

Allen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes sollte eine Wahlmöglichkeit zwischen Real-Time-CGM (rtCGM) und Intermittently Scanned CGM (isCGM/Flash) angeboten werden.

Patienten müssen darüber aufgeklärt werden, dass weiterhin kapilläre Messungen als Backup (z. B. bei raschen Blutzuckeränderungen oder Geräteausfall) erforderlich sind. Falls CGM abgelehnt wird oder nicht nutzbar ist, erfolgt die kapilläre Messung (mindestens 4-mal täglich).

ZeitpunktZielwert (Kapilläre Plasmaglukose)
Nüchtern (nach dem Aufwachen)5 bis 7 mmol/l
Vor den Mahlzeiten4 bis 7 mmol/l
Mindestens 90 Min. nach Mahlzeiten5 bis 9 mmol/l

Insulintherapie

Das Standardregime für alle Erwachsenen ist die Basal-Bolus-Therapie mit multiplen täglichen Injektionen. Nicht-Basal-Bolus-Regime (z. B. nur Basal, nur Bolus, Mischinsuline) sollen bei Neudiagnose nicht routinemäßig angeboten werden.

Basalinsulin

Situation / PräferenzEmpfohlenes Basalinsulin
1. Wahl (Standard)Zweimal täglich Insulin detemir
Unverträglichkeit / Wunsch nach 1x tägl.Einmal täglich Insulin glargin (100 E/ml)
Sorge vor nächtlichen HypoglykämienEinmal täglich Insulin degludec (100 E/ml)
Hilfe durch Pflegekräfte nötigEinmal täglich ultra-langwirkendes Insulin (z. B. Degludec)

Hinweis: Bei Verfügbarkeit von Biosimilars sollte das Produkt mit den geringsten Anschaffungskosten gewählt werden.

Mahlzeiteninsulin

  • Schnellwirkende Insulinanaloga vor den Mahlzeiten werden gegenüber löslichen Human- oder Tierinsulinen bevorzugt.
  • Eine routinemäßige Injektion erst nach der Mahlzeit wird nicht empfohlen.

Management von Komplikationen

Hypoglykämie

Die Hypoglykämie-Wahrnehmung muss jährlich (z. B. mittels Gold- oder Clarke-Score) überprüft werden. Bei verminderter Wahrnehmung und rezidivierenden schweren Hypoglykämien trotz strukturierter Schulung und CGM sollte eine Überweisung in ein spezialisiertes Zentrum (ggf. zur Evaluation einer Inselzell- oder Pankreastransplantation) erwogen werden.

Diabetische Ketoazidose (DKA)

  • Flüssigkeit: Isotonische Kochsalzlösung zur primären Volumensubstitution.
  • Insulin: Intravenöse Insulininfusion.
  • Kalium: Frühzeitiger Ersatz unter engmaschiger Kontrolle.
  • Bikarbonat/Phosphat: Generell nicht empfohlen.

Kardiovaskuläres Risiko und Blutdruck

Das kardiovaskuläre Risiko ist jährlich zu evaluieren. Aspirin zur Primärprävention wird nicht empfohlen.

Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR)Blutdruck-Zielwert (Klinikmessung)
< 70 mg/mmol< 140/90 mmHg (Zielbereich systolisch 120-139)
≥ 70 mg/mmol< 130/80 mmHg (Zielbereich systolisch 120-129)
Alter ≥ 80 Jahre (unabhängig von ACR)< 150/90 mmHg

Mittel der 1. Wahl bei Hypertonie ist ein Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems.

Weitere Komplikationen

  • Parodontitis: Jährliche Aufklärung über das erhöhte Risiko und Empfehlung regelmäßiger zahnärztlicher Kontrollen.
  • Gastroparese: Bei Erbrechen durch Gastroparese eine passierte/pürierte Diät empfehlen. Medikamentös kann ein Wechsel zwischen Erythromycin und Metoclopramid erwogen werden (Domperidon nur in Ausnahmefällen).

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei der Erstdiagnose immer diabetesspezifische Autoantikörper, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Nutzen Sie C-Peptid nicht routinemäßig zur Erstdiagnose, sondern nur bei unklaren Fällen im Verlauf.

Häufig gestellte Fragen

Es wird ein Zielwert von 48 mmol/mol (6,5 %) oder niedriger empfohlen, sofern dies ohne problematische Hypoglykämien erreicht werden kann.
Die Basal-Bolus-Therapie mit multiplen täglichen Injektionen ist das Regime der Wahl. Als Basalinsulin wird standardmäßig zweimal täglich Insulin detemir empfohlen.
C-Peptid sollte nicht routinemäßig zur Erstdiagnose bestimmt werden. Es ist sinnvoll bei negativen Autoantikörpern und unklarer Klassifikation oder zur Überprüfung der Diagnose im späteren Verlauf.
Nüchtern nach dem Aufwachen 5 bis 7 mmol/l, vor den Mahlzeiten 4 bis 7 mmol/l und mindestens 90 Minuten nach dem Essen 5 bis 9 mmol/l.
Nein, die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, Aspirin nicht zur primären Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes anzubieten.

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