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Diabetes in der Schwangerschaft: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose des Gestationsdiabetes (GDM) erfolgt per 75-g-oGTT bei Nüchternblutzucker ≥ 5,6 mmol/l oder 2-h-Wert ≥ 7,8 mmol/l.
  • Strenge Blutzuckerziele in der Schwangerschaft: Nüchtern < 5,3 mmol/l, 1 Stunde postprandial < 7,8 mmol/l.
  • Allen Schwangeren mit Typ-1-Diabetes soll ein Real-Time-CGM (rtCGM) angeboten werden.
  • Die Entbindung wird bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes zwischen 37+0 und 38+6 SSW empfohlen, bei GDM spätestens bei 40+6 SSW.
  • Postpartal wird die antidiabetische Therapie bei GDM sofort abgesetzt, bei präexistentem Diabetes muss die Insulindosis umgehend reduziert werden.
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Hintergrund

Diabetes in der Schwangerschaft umfasst sowohl den präexistenten Typ-1- und Typ-2-Diabetes als auch den Gestationsdiabetes (GDM). Eine optimale Blutzuckereinstellung ist essenziell, um Risiken für Mutter und Kind wie Makrosomie, Präeklampsie, kongenitale Fehlbildungen und perinatale Mortalität zu minimieren.

Präkonzeptionelle Beratung

Frauen mit präexistentem Diabetes sollten ihre Schwangerschaft sorgfältig planen.

  • HbA1c-Ziel: < 48 mmol/mol (6,5 %), sofern dies ohne problematische Hypoglykämien erreichbar ist.
  • Schwangerschaftsverhütung: Dringend empfohlen bei einem HbA1c > 86 mmol/mol (10 %), bis die Werte gesenkt wurden.
  • Folsäure: 5 mg/Tag bis zur 12. Schwangerschaftswoche zur Prävention von Neuralrohrdefekten.
  • Medikamente: ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker und Statine müssen vor der Konzeption oder bei Feststellung der Schwangerschaft abgesetzt werden. Orale Antidiabetika (außer Metformin) sind abzusetzen und durch Insulin zu ersetzen.

Gestationsdiabetes (GDM): Diagnostik

Bei Vorliegen von Risikofaktoren (z. B. BMI ≥ 30 kg/m², vorheriges makrosomes Kind ≥ 4,5 kg, GDM in der Anamnese, familiäre Vorbelastung) wird ein 75-g-oGTT (oraler Glukosetoleranztest) durchgeführt.

ParameterDiagnostischer Grenzwert
Nüchternplasma-Glukose≥ 5,6 mmol/l
2-Stunden-Wert≥ 7,8 mmol/l

Zielwerte und Blutzuckermessung

Schwangere mit Diabetes sollten folgende kapilläre Plasmaglukose-Zielwerte anstreben, sofern keine problematischen Hypoglykämien auftreten:

ZeitpunktZielwert
Nüchtern< 5,3 mmol/l
1 Stunde nach dem Essen< 7,8 mmol/l
2 Stunden nach dem Essen< 6,4 mmol/l
  • Typ-1-Diabetes: Allen Schwangeren soll ein Real-Time-CGM (rtCGM) angeboten werden, um die Zielwerte besser zu erreichen und neonatale Outcomes zu verbessern.
  • Insulintherapie: Der Blutzucker sollte stets > 4,0 mmol/l gehalten werden.

Therapiestufen bei Gestationsdiabetes

Die Therapie des GDM richtet sich nach dem Nüchternblutzucker bei Diagnosestellung und dem Vorhandensein von Komplikationen (z. B. Makrosomie oder Hydramnion).

Nüchtern-Glukose bei Diagnose1. Schritt2. Schritt3. Schritt
< 7,0 mmol/lDiät & Bewegung (1-2 Wochen)MetforminInsulin
6,0 - 6,9 mmol/l + KomplikationenInsulin (+/- Metformin)--
≥ 7,0 mmol/lInsulin (+/- Metformin)--

Antenatale Überwachung

  • Retina-Screening: Bei Erstvorstellung, ggf. in der 16.-20. SSW (bei vorbestehender Retinopathie) und in der 28. SSW.
  • Ultraschall: In der 20. SSW (inklusive fetales Herz), ab der 28. SSW alle 4 Wochen zur Kontrolle von Wachstum und Fruchtwassermenge.

Geburt und peripartales Management

Während der Geburt sollte der Blutzucker engmaschig kontrolliert und zwischen 4 und 7 mmol/l gehalten werden.

DiabetestypEmpfohlener Entbindungszeitraum
Typ-1- oder Typ-2-Diabetes37+0 bis 38+6 SSW
Gestationsdiabetes (GDM)Spätestens 40+6 SSW

Postpartale Betreuung und Neugeborene

  • Mutter (GDM): Die blutzuckersenkende Therapie wird sofort nach der Geburt abgesetzt. Ein Nüchternblutzucker-Test sollte 6 bis 13 Wochen postpartal erfolgen, um einen manifesten Typ-2-Diabetes auszuschließen.
  • Mutter (Typ 1/2): Die Insulindosis muss sofort nach der Geburt reduziert werden, da ein erhöhtes Hypoglykämierisiko besteht.
  • Neugeborenes: Das Baby sollte innerhalb von 30 Minuten nach der Geburt gefüttert werden, danach alle 2-3 Stunden. Der präprandiale Blutzucker des Neugeborenen sollte bei mindestens 2,0 mmol/l liegen.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie bei Schwangeren mit Gestationsdiabetes die blutzuckersenkende Therapie unmittelbar nach der Geburt ab. Bei präexistentem insulinpflichtigem Diabetes muss die Insulindosis sofort postpartal drastisch reduziert werden, um schwere mütterliche Hypoglykämien zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose erfolgt mittels 75-g-oGTT. Sie wird gestellt bei einer Nüchtern-Plasmaglukose ≥ 5,6 mmol/l oder einem 2-Stunden-Wert ≥ 7,8 mmol/l.
Die Zielwerte sind: Nüchtern < 5,3 mmol/l, 1 Stunde nach dem Essen < 7,8 mmol/l und 2 Stunden nach dem Essen < 6,4 mmol/l.
Bei unkompliziertem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes wird eine Entbindung zwischen 37+0 und 38+6 SSW empfohlen. Bei Gestationsdiabetes sollte spätestens bei 40+6 SSW entbunden werden.
ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker und Statine müssen vor der Konzeption oder sobald die Schwangerschaft festgestellt wird, abgesetzt werden.
Frauen mit Diabetes sollten bis zur 12. Schwangerschaftswoche 5 mg Folsäure pro Tag einnehmen, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen.

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