Unterstützung pflegender Angehöriger: NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Pflegende Angehörige müssen proaktiv identifiziert und über ihre Rechte auf Unterstützung informiert werden.
- •Angehörige sind als kompetente Partner in das Behandlungsteam zu integrieren.
- •Die Beurteilung der Bedürfnisse (Carer's Assessment) muss flexibel sein und Aspekte wie Arbeit und Bildung umfassen.
- •Spezifische Schulungen, psychologische Unterstützung und Auszeiten sind essenziell für die Gesundheit der Pflegenden.
- •Besondere Unterstützung ist bei Veränderungen der Pflegesituation und am Lebensende erforderlich.
Hintergrund
Pflegende Angehörige (Carers) spielen eine unverzichtbare Rolle im Gesundheits- und Sozialwesen. Laut der NICE-Leitlinie NG150 ist ein pflegender Angehöriger definiert als ein Erwachsener (ab 18 Jahren), der unbezahlt Pflege und Unterstützung für ein Familienmitglied, einen Partner oder Freund (ab 16 Jahren) leistet. Die Leitlinie zielt darauf ab, die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Resilienz dieser Personen zu stärken.
Identifikation von pflegenden Angehörigen
Viele Pflegende erkennen sich selbst nicht als solche. Gesundheitsdienstleister müssen jede Gelegenheit nutzen (z. B. Hausbesuche, Grippeimpfungen, Entlassungsplanung), um Pflegende aktiv zu identifizieren und dies mit deren Zustimmung zu dokumentieren.
| Grund für fehlende Selbstidentifikation | Erläuterung |
|---|---|
| Schleichender Prozess | Die Übernahme der Pflege entwickelt sich oft graduell. |
| Rollenverständnis | Personen sehen sich primär als Ehepartner, Kind oder Freund. |
| Konkurrierende Anforderungen | Eigene Bedürfnisse werden aufgrund von Stress übersehen. |
| Räumliche Trennung | Der Betreute lebt nicht im selben Haushalt oder im Pflegeheim. |
Kommunikation und Einbindung
Pflegende Angehörige sind als kompetente Partner anzuerkennen.
- Informationen müssen in leicht verständlichen, anpassbaren Formaten bereitgestellt werden.
- Die Einschränkungen der Schweigepflicht sind zu erklären, jedoch müssen Pflegende alle Informationen erhalten, die für eine sichere Pflege notwendig sind.
- Bieten Sie an, komplexe Informationen mehrfach zu besprechen.
Beurteilung der Bedürfnisse (Carer's Assessment)
Die Beurteilung der Bedürfnisse des Pflegenden sollte unabhängig von der des Patienten erfolgen können.
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Zeitpunkt | Flexibel, basierend auf Dringlichkeit, Stresslevel und Präferenzen. |
| Arbeitsleben | Optionen für den Verbleib oder die Rückkehr in den Beruf müssen besprochen werden. |
| Ersatzpflege | Planung von regulärer und notfallmäßiger Ersatzpflege (Replacement Care). |
| Ergebnisse | Klare Definition von Zielen und regelmäßige Überprüfung des Unterstützungsplans. |
Unterstützungsangebote und Schulungen
Um die Pflegefähigkeit zu erhalten, müssen gezielte Maßnahmen angeboten werden:
- Schulungsprogramme: Sollen Krankheitsverständnis, Medikamentenmanagement, sicheren Umgang mit Hilfsmitteln und Selbstfürsorge umfassen.
- Psychosoziale Unterstützung: Gruppen- oder Einzelangebote zur Stressbewältigung und Förderung der psychischen Gesundheit.
- Auszeiten (Carers' Breaks): Regelmäßige Entlastung zur Vermeidung von Burnout.
- Berufliche Flexibilität: Anpassung von Terminen (z. B. Randzeiten, Telefonate) für berufstätige Pflegende.
Unterstützung am Lebensende
Die Palliativversorgung stellt eine besondere Belastung dar.
- Pflegende sind frühzeitig in die Advance Care Planning (Patientenverfügung/Vorsorgeplanung) einzubeziehen.
- Im Krankenhaus ist für Privatsphäre und Würde zu sorgen (z. B. Einzelzimmer, flexible Besuchszeiten, bequeme Sitzgelegenheiten).
- Auch nach dem Tod des Betreuten benötigen ehemalige Pflegende weiterhin emotionale und praktische Unterstützung (z. B. Peer-Support-Gruppen).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie Routinekontakte wie Rezeptausstellungen oder Impftermine, um Angehörige aktiv auf ihre Belastung anzusprechen. Bieten Sie ihnen ein separates, vertrauliches Gespräch an, da viele in Anwesenheit des Patienten eigene Bedürfnisse verschweigen.