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Pflegebedarf bei Multimorbidität: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei identifiziertem Pflegebedarf sollte frühzeitig eine Überweisung zur Bedarfsermittlung an lokale Behörden erfolgen.
  • Jeder Patient benötigt einen festen Pflegekoordinator als zentralen Ansprechpartner.
  • Pflegepläne müssen ganzheitlich sein und mindestens jährlich überprüft werden.
  • Soziale Isolation ist ein Hauptrisiko und muss durch gezielte Teilhabe-Angebote minimiert werden.
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Hintergrund

Ältere Menschen mit Pflegebedarf und Multimorbidität (mehr als eine Langzeiterkrankung wie z. B. Arthritis, Demenz, Diabetes oder Herzerkrankungen) benötigen eine integrierte, personenzentrierte Versorgung. Die NICE-Leitlinie fokussiert sich auf die Koordination von Gesundheits- und Sozialwesen, um Unabhängigkeit, Wahlfreiheit und Kontrolle der Patienten zu fördern.

Bedarfsermittlung und Assessment

Sobald ein möglicher Pflegebedarf identifiziert wird, sollte eine Überweisung zur Bedarfsermittlung an die zuständigen lokalen Behörden erfolgen.

SituationEmpfohlene Maßnahme
Pflegebedarf beeinträchtigt das Wohlbefinden erheblichSpezialistisches Assessment durch Geriater oder Alterspsychiater erwägen
Möglicher Umzug in ein Pflege- oder WohnheimSpezialistisches Assessment durch Geriater oder Alterspsychiater erwägen

Zudem müssen die Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen erkannt werden. Ihnen ist ein eigenes Carer-Assessment anzubieten. Telecare-Optionen sollten zur Unterstützung der Selbstständigkeit diskutiert und idealerweise demonstriert werden.

Pflegeplanung (Care Planning)

Jeder Patient muss einen festen Pflegekoordinator (named care coordinator) erhalten, der als erster Ansprechpartner fungiert. Der Pflegeplan ist gemeinsam mit dem Patienten und (falls gewünscht) den Angehörigen zu erstellen und zu unterzeichnen.

BereichAnforderungen an den Pflegeplan
ÜberprüfungRegelmäßig, mindestens jährlich, anpassen und dokumentieren
GanzheitlichkeitMedizinische, psychologische, soziale, spirituelle und umgebungsbedingte Bedürfnisse erfassen
MedikamenteZweck, Dosierung, Einnahmezeitpunkte, Folgen bei Non-Adhärenz und Notfallkontakte dokumentieren
Alltag & TeilhabeHobbys, Finanzen, Einkaufen und soziale Aktivitäten außerhalb des Hauses integrieren

Integration und Leistungserbringung

Die Versorgung muss personenzentriert und respektvoll erfolgen. Multidisziplinäre Teams (z. B. Apotheker, Physiotherapeuten, Sozialarbeiter) sind essenziell, um der progredienten Natur vieler Erkrankungen gerecht zu werden.

Bei Inkontinenz muss ein Zugang zu Diagnostik und Behandlung (z. B. durch spezialisierte Kontinenz-Pflegekräfte) sichergestellt werden. Inkontinenz ist als medizinisches Symptom zu werten und nicht nur pflegerisch zu verwalten.

Pflege in Pflegeheimen

Für Patienten in Pflegeheimen gelten spezifische Anforderungen, um die Lebensqualität zu erhalten:

MaßnahmeUmsetzung
Ernährung & FlüssigkeitAuswahl an Speisen/Getränken bieten; Snacks auch außerhalb regulärer Mahlzeiten
UmgebungSoziale Interaktion fördern, aber Privatsphäre wahren; individuelle Temperaturkontrolle ermöglichen
Soziale TeilhabeHintergrundlärm reduzieren; WLAN und Hörschleifen anbieten; Einbindung der lokalen Gemeinde

Vermeidung sozialer Isolation

Soziale Isolation ist ein erhebliches Risiko für ältere, multimorbide Menschen. Alle Behandler müssen Anzeichen von Einsamkeit erkennen. Patienten sollten aktiv dabei unterstützt werden, Verbindungen zu Familie, Freunden und der Gemeinde aufrechtzuerhalten. Bei einem Umzug in ein Pflegeheim sollte eine Einrichtung gewählt werden, die bestehende soziale Kontakte nicht abreißt.

💡Praxis-Tipp

Benennen Sie für jeden älteren Patienten mit Multimorbidität einen festen Pflegekoordinator und prüfen Sie mindestens jährlich, ob der Pflegeplan (inklusive Medikamentenmanagement) noch aktuell ist.

Häufig gestellte Fragen

Ein spezialistisches Assessment wird empfohlen, wenn der Pflegebedarf das Wohlbefinden signifikant beeinträchtigt oder ein Umzug in ein Pflegeheim im Raum steht.
Der Pflegeplan muss regelmäßig, mindestens jedoch jährlich, überprüft und aktualisiert werden.
Er fungiert als erster Ansprechpartner, leitet das Assessment, koordiniert Gesundheits- und Sozialdienste und stellt sicher, dass Überweisungen angemessen umgesetzt werden.
Er muss den Zweck der Medikamente, Dosierung, Einnahmezeitpunkte, Konsequenzen bei Nichteinnahme sowie Notfallkontakte dokumentieren.

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