End-of-Life-Care bei Erwachsenen: Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Erwachsene am Lebensende sollten fruehzeitig durch Tools wie SPICT oder das Gold Standards Framework identifiziert werden.
- •Ein ganzheitliches Assessment der Beduerfnisse (Holistic Needs Assessment) ist initial und bei Transitionen durchzufuehren.
- •Advance Care Planning (ACP) muss angeboten werden und die Dokumente sollten am Aufenthaltsort des Patienten verfuegbar sein.
- •Eine 24/7-Erreichbarkeit von medizinischem Personal, Beratung und Apotheken fuer die Symptomkontrolle ist sicherzustellen.
- •Die multiprofessionelle Koordination zwischen ambulantem und stationaerem Sektor ist essenziell fuer eine reibungslose Versorgung.
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie zur End-of-Life-Care befasst sich mit der Organisation und Bereitstellung von Versorgungsstrukturen in den letzten Lebenswochen und -monaten (teilweise Jahren). Sie gilt ausdruecklich nicht fuer die klinische Versorgung in den allerletzten Lebenstagen oder -stunden.
| Zielgruppe | Beschreibung |
|---|---|
| Fortgeschrittene Erkrankungen | Patienten mit fortschreitenden, unheilbaren Krankheiten |
| Frailty (Gebrechlichkeit) | Allgemeine Gebrechlichkeit und Komorbiditaeten mit erhoehtem Sterberisiko binnen 12 Monaten |
| Akute Krisen | Bestehende Erkrankungen mit Risiko eines ploetzlichen, toedlichen Verlaufs |
| Lebensbedrohliche Ereignisse | Akute Zustaende nach ploetzlichen, katastrophalen Ereignissen |
Identifikation und Assessment
Die fruehzeitige Identifikation von Patienten am Lebensende ist entscheidend, um rechtzeitig Unterstuetzung und Advance Care Planning (ACP) einzuleiten.
- Identifikations-Tools: Nutzung etablierter Instrumente wie Gold Standards Framework, Amber Care Bundle oder SPICT (Supportive and Palliative Care Indicators Tool).
- Holistic Needs Assessment: Durchfuehrung und Dokumentation einer ganzheitlichen Bedarfsermittlung.
- Angehoerige: Identifikation und Unterstuetzung von pflegenden Angehoerigen (Carers), inklusive spezifischer Bedarfsermittlung.
Advance Care Planning und Therapie-Review
Patienten muessen aktiv in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Die Kommunikation ist an die individuellen Beduerfnisse anzupassen.
- Therapie-Review: Regelmaessige Ueberpruefung der aktuellen Behandlungen. Unnuetze oder belastende Therapien sollten beendet werden, um die Lebensqualitaet zu optimieren.
- Advance Care Planning: Richtlinien zur flaechendeckenden Bereitstellung von ACP muessen etabliert werden.
- Verfuegbarkeit: Eine Kopie des Advance Care Plans muss am Aufenthaltsort des Patienten (Zuhause, Pflegeheim, Hospiz) oder bei Krankenhauseinweisung verfuegbar sein.
Multiprofessionelle Versorgung und Koordination
Die Betreuung erfordert ein hochqualifiziertes, multiprofessionelles Team, das sektorenuebergreifend kommuniziert.
| Versorgungsbereich | Fokus der Unterstuetzung |
|---|---|
| Koerperlich / Medizinisch | Symptomkontrolle, Hydratation, Ernaehrung, Medikamentenzugang |
| Psychologisch / Sozial | Beratung zu Finanzen, Sozialleistungen, psychologische Begleitung |
| Alltag / Rehabilitation | Hilfsmittelversorgung, Unterstuetzung bei Alltagsaktivitaeten |
| Spirituell / Kulturell | Pastorale, religioese und kulturelle Begleitung |
- Sektorenuebergreifende Kommunikation: Nutzung gemeinsamer elektronischer Informationssysteme zur effizienten Datenweitergabe.
- Transfer: Etablierung von Richtlinien fuer den schnellen und reibungslosen Transfer zwischen Versorgungssettings (z.B. vom Krankenhaus nach Hause), inklusive Transport und Hilfsmittelbereitstellung.
Out-of-Hours-Care
Um Krisen und unnoetige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden, muessen folgende Dienste 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche verfuegbar sein:
| Dienst | Anforderung |
|---|---|
| Medizinisches Personal | 24/7-Zugang zu einer Fachkraft mit Zugriff auf Patientenakte und Advance Care Plan |
| Beratung | Spezifische Out-of-Hours-Beratungshotline fuer End-of-Life-Care |
| Apotheke | Out-of-Hours-Apothekendienst mit Zugang zu Medikamenten zur Symptomkontrolle am Lebensende |
💡Praxis-Tipp
Stellen Sie sicher, dass eine Kopie des Advance Care Plans physisch beim Patienten (z.B. zu Hause) verbleibt, damit der Rettungsdienst oder der kassenarztliche Notdienst im Krisenfall sofort im Sinne des Patienten handeln kann.