Akute Prostatitis: Leitlinie zur Therapie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Die akute Prostatitis erfordert eine sofortige antibiotische Therapie, idealerweise nach Gewinnung einer Mittelstrahlurin-Kultur.
- •Mittel der ersten Wahl sind orale Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Ofloxacin) für zunächst 14 Tage.
- •Bei fehlender Besserung nach 48 Stunden oder Zeichen schwerer Komplikationen ist eine stationäre Einweisung indiziert.
- •Zur Schmerzlinderung werden Paracetamol (ggf. mit Codein) oder Ibuprofen empfohlen.
Hintergrund
Die akute Prostatitis ist eine bakterielle Infektion der Prostata, die meist durch das Eindringen von Bakterien aus dem Harntrakt verursacht wird. Sie kann spontan oder nach medizinischen Eingriffen (wie einer Prostatabiopsie) auftreten und mehrere Wochen andauern. Zu den möglichen schweren Komplikationen zählen der akute Harnverhalt, Prostataabszesse sowie eine Sepsis.
Diagnostik und allgemeine Maßnahmen
Vor Beginn einer Antibiotikatherapie muss zwingend eine Mittelstrahlurin-Probe zur Anlage einer Kultur und zur Resistenzprüfung (Antibiogramm) gewonnen werden.
Zur unterstützenden Selbstversorgung (Self-care) der Patienten empfiehlt die Leitlinie:
- Schmerztherapie: Paracetamol (mit oder ohne ein niedrig dosiertes schwaches Opioid wie Codein) oder alternativ Ibuprofen.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichende Trinkmenge zur Vermeidung einer Dehydration.
Antibiotikatherapie
Die Therapie sollte primär oral erfolgen, sofern der Patient dazu in der Lage ist und die Schwere der Erkrankung keine intravenöse Gabe erfordert. Sobald die Ergebnisse der Urinkultur vorliegen, sollte die Therapie überprüft und bei Vorliegen von Resistenzen angepasst werden (bevorzugt auf ein Schmalspektrum-Antibiotikum).
| Therapielinie | Wirkstoff | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 1. Wahl (oral) | Ciprofloxacin | 500 mg 2x/Tag | Für 14 Tage, dann Reevaluation |
| Ofloxacin | 200 mg 2x/Tag | Für 14 Tage, dann Reevaluation | |
| Alternative 1. Wahl (oral) | Trimethoprim | 200 mg 2x/Tag | Falls Fluorchinolone ungeeignet sind |
| 2. Wahl (oral) | Levofloxacin | 500 mg 1x/Tag | Nur nach fachärztlicher Rücksprache |
| Co-trimoxazol | 960 mg 2x/Tag | Nur bei nachgewiesener Sensibilität | |
| 1. Wahl (intravenös) | Ciprofloxacin | 400 mg 2-3x/Tag | Bei Unfähigkeit zur oralen Einnahme oder schwerer Krankheit |
| Levofloxacin | 500 mg 1x/Tag | Nach 48h auf orale Gabe prüfen | |
| Cefuroxim | 1,5 g 3-4x/Tag | Nach 48h auf orale Gabe prüfen | |
| Ceftriaxon | 2 g 1x/Tag | Nach 48h auf orale Gabe prüfen | |
| Gentamicin | 5-7 mg/kg 1x/Tag (initial) | Spiegelkontrolle und Nierenfunktion beachten | |
| Amikacin | 15 mg/kg 1x/Tag (initial) | Max. 1,5 g/Dosis; Spiegelkontrolle beachten |
Hinweis: Bei der Verordnung von Fluorchinolonen sind die aktuellen Warnhinweise bezüglich potenziell langanhaltender oder irreversibler Nebenwirkungen zu beachten.
Verlaufskontrolle und Überweisung
Die Dauer der Antibiotikatherapie beträgt zunächst 14 Tage. Nach diesem Zeitraum muss eine klinische Reevaluation erfolgen. Basierend auf Anamnese, Symptomen, Untersuchung sowie Urin- und Bluttests wird entschieden, ob die Therapie beendet oder um weitere 14 Tage verlängert wird.
Eine Krankenhauseinweisung ist indiziert, wenn:
- Symptome oder Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung auftreten (z. B. Sepsis, akuter Harnverhalt, Prostataabszess).
- sich die Symptome 48 Stunden nach Beginn der Antibiotikatherapie nicht bessern.
💡Praxis-Tipp
Gewinnen Sie immer eine Mittelstrahlurin-Probe vor der ersten Antibiotikagabe. Überprüfen Sie intravenöse Therapien nach 48 Stunden und deeskalieren Sie wenn möglich auf eine orale Gabe.