Katheterassoziierte HWI: Antibiotika-Wahl und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie befasst sich mit der antimikrobiellen Verschreibungspraxis bei katheterassoziierten Harnwegsinfektionen (HWI). Eine solche Infektion wird als symptomatische Infektion der Blase oder Nieren bei Personen mit einem Blasenkatheter definiert.

Laut Leitlinie ist zu berücksichtigen, dass mit zunehmender Liegedauer des Katheters die Wahrscheinlichkeit für Bakterien im Urin steigt. Nach einem Monat weisen fast alle Betroffenen eine Bakteriurie auf.

Es wird betont, dass eine asymptomatische Bakteriurie bei Personen mit Katheter routinemäßig keine antibiotische Behandlung erfordert. Ausnahmen gelten hierbei für spezielle Risikogruppen wie schwangere Frauen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von katheterassoziierten Harnwegsinfektionen:

Diagnostik

Vor Beginn einer Antibiotikatherapie wird die Gewinnung einer Urinprobe empfohlen. Bei liegendem Katheter sollte die Probe unter aseptischen Bedingungen über den dafür vorgesehenen Port entnommen werden.

Wurde der Katheter entfernt, empfiehlt die Leitlinie die Gewinnung von Mittelstrahlurin. Die Probe sollte zur Anlage einer Kultur und zur Resistenztestung eingesendet werden, wobei der Verdacht auf eine katheterassoziierte Infektion und eine eventuell bereits begonnene Antibiose vermerkt werden sollten.

Kathetermanagement

Es wird empfohlen, einen Katheter, der länger als 7 Tage liegt, bei einer symptomatischen Infektion möglichst zu entfernen oder zu wechseln. Dieser Vorgang darf jedoch den Beginn der Antibiotikatherapie nicht verzögern.

Therapie

Die Leitlinie empfiehlt, bei der Wahl des Antibiotikums folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Den Schweregrad der Symptome

  • Das Risiko für Komplikationen (z. B. bei strukturellen Anomalien oder Immunsuppression)

  • Vorherige Urinkulturen und Resistenztestungen

  • Eine vorherige Antibiotikaeinnahme

Sobald die Ergebnisse der Urinkultur vorliegen, sollte die Antibiotikawahl überprüft werden. Bei Resistenzen wird ein Wechsel auf ein möglichst schmalspektriges Antibiotikum empfohlen.

Zudem wird zur Linderung der Beschwerden eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Vermeidung von Dehydration sowie Paracetamol zur Schmerzbehandlung empfohlen.

Überweisung und Klinikaufnahme

Eine sofortige Krankenhauseinweisung wird empfohlen, wenn Symptome oder Anzeichen auf eine schwerwiegendere Erkrankung wie eine Sepsis hindeuten.

Eine Überweisung oder das Einholen fachärztlichen Rates sollte laut Leitlinie erwogen werden bei:

  • Deutlicher Dehydration oder Unfähigkeit, orale Flüssigkeiten und Medikamente aufzunehmen

  • Schwangerschaft

  • Erhöhtem Komplikationsrisiko (z. B. bei Diabetes oder Immunsuppression)

  • Rezidivierenden katheterassoziierten Infektionen

  • Bakterien, die gegen orale Antibiotika resistent sind

Prophylaxe

Die Leitlinie spricht sich gegen eine routinemäßige antibiotische Prophylaxe zur Verhinderung von katheterassoziierten Harnwegsinfektionen aus. Dies gilt sowohl für Kurzzeit- als auch für Langzeitkatheter.

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt primär eine orale Therapie. Eine intravenöse Therapie sollte nach 48 Stunden überprüft und nach Möglichkeit auf eine orale Gabe umgestellt werden.

Erwachsene (ab 16 Jahren) ohne Symptome des oberen Harntrakts

MedikamentDosierungTherapiedauerAnmerkung
Nitrofurantoin100 mg retardiert 2x täglich (oder 50 mg unretardiert 4x täglich)7 TageNur bei eGFR ≥ 45 ml/min
Trimethoprim200 mg 2x täglich7 TageNur bei geringem Resistenzrisiko
Amoxicillin500 mg 3x täglich7 TageNur nach nachgewiesener Sensibilität
Pivmecillinam400 mg Initialdosis, dann 200 mg 3x täglich7 TageZweite Wahl, wenn Erstlinientherapie ungeeignet

Erwachsene (ab 16 Jahren) mit Symptomen des oberen Harntrakts

MedikamentDosierungTherapiedauerAnmerkung
Cefalexin500 mg 2-3x täglich (bis zu 1-1,5 g 3-4x täglich bei schweren Infektionen)7 bis 10 TageErste Wahl
Co-Amoxiclav500/125 mg 3x täglich7 bis 10 TageNur nach nachgewiesener Sensibilität
Trimethoprim200 mg 2x täglich14 TageNur nach nachgewiesener Sensibilität
Ciprofloxacin500 mg 2x täglich7 TageNur wenn andere Optionen ungeeignet sind (MHRA-Warnung beachten)

Schwangere Frauen (ab 12 Jahren)

MedikamentDosierungTherapiedauerAnmerkung
Cefalexin (oral)500 mg 2-3x täglich (bis zu 1-1,5 g 3-4x täglich bei schweren Infektionen)7 bis 10 TageErste Wahl oral
Cefuroxim (i.v.)750 mg bis 1,5 g 3-4x täglichNach KlinikvorgabeErste Wahl intravenös (bei Erbrechen/schwerer Krankheit)

Kontraindikationen

Die Leitlinie weist auf folgende Kontraindikationen und Warnhinweise hin:

  • Nitrofurantoin: Darf am Ende der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da es eine neonatale Hämolyse verursachen kann. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR unter 45 ml/min) ist es in der Regel nicht empfohlen.

  • Trimethoprim: Besitzt ein teratogenes Risiko im ersten Trimester und ist in der Schwangerschaft kontraindiziert.

  • Fluorchinolone (z. B. Ciprofloxacin): Aufgrund des Risikos für potenziell irreversible Nebenwirkungen (z. B. Sehnenrisse, neurologische Schäden) dürfen diese nur verschrieben werden, wenn andere empfohlene Antibiotika ungeeignet sind. Sie sind in der Schwangerschaft zu vermeiden und werden für Kinder und Jugendliche im Wachstum generell nicht empfohlen.

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💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist der Umgang mit dem Blasenkatheter bei einer symptomatischen Infektion. Es wird empfohlen, einen Katheter, der länger als 7 Tage liegt, zu wechseln oder zu entfernen, jedoch darf diese Maßnahme den sofortigen Beginn der empirischen Antibiotikatherapie unter keinen Umständen verzögern. Zudem erinnert die Leitlinie daran, dass eine asymptomatische Bakteriurie bei liegendem Katheter der Normalfall ist und routinemäßig nicht antibiotisch behandelt werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sollte ein Katheter, der länger als 7 Tage liegt, bei einer symptomatischen Infektion möglichst entfernt oder gewechselt werden. Dies darf den Beginn der Antibiotikagabe jedoch nicht verzögern.

Es wird empfohlen, den Urin unter aseptischen Bedingungen über den speziellen Probenport des Katheters zu entnehmen. Falls der Katheter gerade entfernt wurde, sollte stattdessen Mittelstrahlurin gewonnen werden.

Die Leitlinie rät von einer routinemäßigen antibiotischen Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie bei Personen mit Katheter ab. Eine Ausnahme bilden schwangere Frauen, bei denen eine Behandlung zur Vermeidung von Komplikationen empfohlen wird.

Es wird nicht empfohlen, routinemäßig eine Antibiotikaprophylaxe zur Verhinderung von katheterassoziierten Harnwegsinfektionen einzusetzen. Dies gilt laut Leitlinie sowohl für Kurzzeit- als auch für Langzeitkatheter.

Bei Erwachsenen ohne Symptome des oberen Harntrakts empfiehlt die Leitlinie primär Nitrofurantoin, sofern die Nierenfunktion ausreichend ist. Alternativen sind Trimethoprim bei geringem Resistenzrisiko oder Amoxicillin nach nachgewiesener Sensibilität.

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Quelle: NG113: Urinary tract infection (catheter-associated): antimicrobial prescribing (NICE, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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