ClariMedClariMed
NICE2025Onkologie

Familiärer Brustkrebs: Leitlinie zur Risikoadaption (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine genetische Testung auf BRCA1/2 wird ab einer Trägerwahrscheinlichkeit von ≥ 10 % empfohlen.
  • Die bildgebende Überwachung mittels Mammographie und MRT richtet sich streng nach Alter und Risikoprofil.
  • Zur Chemoprävention bei hohem Risiko werden Tamoxifen (prämenopausal) oder Anastrozol (postmenopausal) für 5 Jahre empfohlen.
  • Risikoreduzierende Operationen (Mastektomie, Salpingo-Oophorektomie) sind Optionen für Hochrisikopatientinnen nach ausführlicher multidisziplinärer Beratung.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Familiärer Brustkrebs tritt bei Personen auf, die eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Familienmitgliedern mit Brust-, Eierstock- oder verwandten Krebserkrankungen aufweisen. Die NICE-Leitlinie definiert Strategien zur Risikoreduktion und Früherkennung, da das Risiko stark von der Familienanamnese, dem Alter der Erkrankten und dem eigenen Alter abhängt.

Risikoklassifikation

Die Einteilung des Brustkrebsrisikos erfolgt basierend auf dem Lebenszeitrisiko und dem 10-Jahres-Risiko (zwischen 40 und 50 Jahren).

RisikokategorieLebenszeitrisiko (ab Alter 20)10-Jahres-Risiko (Alter 40-50)
Bevölkerungsrisiko< 17 %< 3 %
Moderates Risiko17 % bis < 30 %3 % bis 8 %
Hohes Risiko≥ 30 %> 8 %

Hinweis: Zur Hochrisikogruppe zählen auch bekannte Mutationen (BRCA1, BRCA2, TP53) sowie seltene Syndrome (z. B. Peutz-Jeghers, Cowden).

Überweisungskriterien

Die Betreuung richtet sich nach der familiären Belastung. Eine detaillierte Familienanamnese (bis zum 2. oder 3. Grad) ist essenziell.

BetreuungsebeneKriterien (Auswahl)
PrimärversorgungNur 1 Verwandte(r) 1. oder 2. Grades mit Brustkrebs > 40 Jahre. Keine Hochrisikofaktoren.
Sekundärversorgung1 Verwandte(r) 1. Grades < 40 Jahre ODER 2 Verwandte im Alter > 50 Jahre ODER männlicher Brustkrebs in der Familie.
Spezialgenetische Klinik≥ 2 Verwandte < 50 Jahre ODER Ovarialkarzinom + Brustkrebs in der Familie ODER bilaterale Karzinome < 50 Jahre ODER Trägerwahrscheinlichkeit ≥ 10 %.

Genetische Testung

Eine genetische Beratung und Testung (z. B. auf BRCA1, BRCA2, TP53) sollte in spezialisierten Zentren erfolgen.

  • Indikation: Angebot der Testung, wenn die kombinierte Wahrscheinlichkeit für eine BRCA1/BRCA2-Mutation ≥ 10 % beträgt.
  • Vorgehen: Die Testung sollte idealerweise zuerst bei einem bereits erkrankten Familienmitglied durchgeführt werden.
  • Zeitpunkt: Ein "Fast-Track"-Gentest (innerhalb von 4 Wochen nach Diagnose) wird nur im Rahmen klinischer Studien empfohlen.

Bildgebende Überwachung (Surveillance)

Die Überwachung von Frauen ohne eigene Brustkrebserkrankung erfolgt risiko- und altersadaptiert. Ultraschall wird nicht routinemäßig empfohlen, außer eine MRT ist kontraindiziert.

AlterModerates RisikoHohes Risiko (ohne bekannte Mutation)Bekannte BRCA1/2-Mutation
< 30Keine ÜberwachungKeine ÜberwachungKeine Überwachung
30-39Keine ÜberwachungJährliche MRT (wenn BRCA-Wahrscheinlichkeit > 30 %)Jährliche MRT + erwäge jährliche Mammographie
40-49Jährliche MammographieJährliche Mammographie + jährliche MRT (wenn BRCA > 30 %)Jährliche Mammographie + jährliche MRT
50-59Erwäge jährliche MammographieJährliche MammographieJährliche Mammographie
≥ 60Nationales ScreeningNationales ScreeningJährliche Mammographie (bis 69), ab 70 Screening

Hinweis: Bei TP53-Mutationen gelten abweichende, intensivere MRT-Überwachungsintervalle bereits ab 20 Jahren.

Chemoprävention

Für Frauen ohne persönliche Brustkrebsanamnese, aber mit erhöhtem Risiko, kann eine medikamentöse Prävention für maximal 5 Jahre angeboten werden.

WirkstoffMenopausenstatusIndikationBemerkung
TamoxifenPrämenopausalHohes Risiko (Angebot), Moderates Risiko (Erwägung)Kontraindiziert bei erhöhtem Risiko für Thromboembolien oder Endometriumkarzinom.
AnastrozolPostmenopausalHohes Risiko (Angebot), Moderates Risiko (Erwägung)Kontraindiziert bei schwerer Osteoporose.
RaloxifenPostmenopausalAlternative bei Unverträglichkeit / OsteoporoseNur für Frauen mit Uterus.

Risikoreduzierende Chirurgie

Risikoreduzierende Eingriffe sind Optionen für eine kleine Gruppe von Hochrisikopatientinnen und erfordern eine multidisziplinäre Betreuung.

  • Bilaterale Mastektomie: Kann das Risiko signifikant senken. Eine genetische Beratung und psychologische Evaluation vorab sind zwingend erforderlich. Rekonstruktionsoptionen müssen besprochen werden.
  • Bilaterale Salpingo-Oophorektomie: Reduziert das Brust- und Ovarialkarzinomrisiko. Sollte erst nach abgeschlossener Familienplanung erfolgen. Die Folgen einer vorzeitigen Menopause sind zu besprechen.

Lebensstil und hormonelle Faktoren

  • Orale Kontrazeptiva: Bei BRCA1-Mutationen muss das leicht erhöhte Brustkrebsrisiko gegen den lebenslangen Schutz vor Ovarialkarzinomen abgewogen werden. Sie sollten nicht rein zur Krebsprävention verschrieben werden.
  • Hormonersatztherapie (HRT): Sollte bei familiärem Risiko so kurz und niedrig dosiert wie möglich erfolgen (bevorzugt östrogen-only). Bei moderatem oder hohem Risiko sollte die HRT generell auf Frauen unter 50 Jahren beschränkt bleiben.
  • Allgemein: Stillen wird empfohlen. Auf Normalgewicht, körperliche Aktivität und reduzierten Alkoholkonsum ist zu achten.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie das familiäre Risiko präzise durch eine 3-Generationen-Anamnese. Überweisen Sie Patientinnen ab einer BRCA-Trägerwahrscheinlichkeit von 10 % an ein spezialisiertes humangenetisches Zentrum.

Häufig gestellte Fragen

Wenn die berechnete Trägerwahrscheinlichkeit für eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation bei mindestens 10 % liegt.
Prämenopausal wird Tamoxifen empfohlen, postmenopausal Anastrozol (jeweils für eine Dauer von 5 Jahren).
Die jährliche MRT-Überwachung wird für BRCA1- und BRCA2-Mutationsträgerinnen ab dem 30. Lebensjahr empfohlen.
Ja, aber sie sollte so kurz und niedrig dosiert wie möglich sein. Bei Frauen mit moderatem oder hohem Risiko sollte sie in der Regel auf das Alter unter 50 Jahre beschränkt bleiben.
Nein, Ultraschall wird nicht routinemäßig empfohlen, sondern nur in Betracht gezogen, wenn eine MRT indiziert, aber nicht durchführbar ist (z. B. bei Klaustrophobie).

Verwandte Leitlinien