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Mammakarzinom: Diagnostik & Therapie (NICE-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der ER-, PR- und HER2-Status muss bei allen invasiven Karzinomen simultan bei der Erstdiagnose bestimmt werden.
  • Bei brusterhaltender Therapie wird ein Resektionsrand von >0 mm bei invasiven Karzinomen und ≥2 mm bei reinem DCIS angestrebt.
  • Die adjuvante Chemotherapie sollte standardmaessig ein Taxan und ein Anthrazyklin enthalten.
  • Postmenopausale Patientinnen mit nodal-positivem Karzinom sollen adjuvante Bisphosphonate erhalten.
  • Die Nachsorge umfasst eine jaehrliche Mammographie fuer mindestens 5 Jahre.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG101 fasst die aktuellen evidenzbasierten Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des fruehen und lokal fortgeschrittenen Mammakarzinoms zusammen. Ziel ist eine personalisierte Behandlung unter Einbezug von Tumorbiologie, Prognosetools und Patientenpraeferenz.

Praetherapeutische Diagnostik und Tumorprofiling

Vor Therapiebeginn muss eine vollstaendige Beurteilung der Tumorausdehnung erfolgen. Eine Ultraschalluntersuchung der Axilla ist obligat; bei suspekten Lymphknoten erfolgt eine sonographisch gesteuerte Biopsie. Ein MRT der Brust wird nicht routinemaessig empfohlen.

Indikation fuer praeoperatives MRTBemerkung
Unklare TumorausdehnungWenn Klinik, Mammographie und Sonographie nicht ausreichen
Hohe BrustdichteBei erschwerter mammographischer Beurteilbarkeit
Lobulaeres KarzinomZur Bestimmung der Tumorgroesse vor geplanter brusterhaltender Therapie

Der ER-, PR- und HER2-Status muss bei allen invasiven Mammakarzinomen simultan zum Zeitpunkt der histopathologischen Erstdiagnose bestimmt werden. Eine genetische Testung auf BRCA1/2-Mutationen wird fuer Frauen unter 50 Jahren mit triple-negativem Mammakarzinom empfohlen, unabhaengig von der Familienanamnese.

Operative Therapie

Die chirurgische Resektion ist die Basis der kurativen Therapie. Bei der brusterhaltenden Therapie (BET) ist der Resektionsrand entscheidend fuer das Lokalrezidivrisiko.

TumortypEmpfohlener ResektionsrandWeiteres Vorgehen bei Unterschreitung
Invasives Karzinom (± DCIS)> 0 mm (kein "Tumor on ink")Nachresektion/Mastektomie bei 0 mm. Bei < 1 mm diskutieren.
Reines DCIS≥ 2 mmNachresektion/Mastektomie erwagen bei < 2 mm.

Chirurgie der Axilla:

  • Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SLNB): Standard bei unauffaelliger Axilla (Dual-Technik mit Isotop und Blaofarbstoff).
  • Axilladissektion: Indiziert bei praeoperativ bioptisch gesicherten Lymphknotenmetastasen.
  • Bei Makrometastasen im Sentinel-Node sollte eine weitere axillaere Therapie (Dissektion oder Radiatio) erfolgen.
  • Bei isolierten Tumorzellen oder reinen Mikrometastasen im Sentinel-Node wird keine weitere axillaere Therapie empfohlen.

Systemtherapie

Zur Abschaetzung der Prognose und des Nutzens einer adjuvanten Therapie sollte das PREDICT-Tool verwendet werden.

Chemotherapie: Wenn eine adjuvante Chemotherapie indiziert ist, sollte ein Regime aus Taxan und Anthrazyklin gewaehlt werden. Bei triple-negativen Tumoren wird neoadjuvant eine Kombination aus Platin, Taxan und Anthrazyklin empfohlen.

Endokrine Therapie bei ER-positivem Karzinom:

PatientenstatusTherapie der 1. WahlAlternative / Bemerkung
PraemenopausalTamoxifen (± Ovarsuppression)Ovarsuppression + Aromatasehemmer bei hohem Risiko
PostmenopausalAromatasehemmerTamoxifen bei niedrigem Risiko oder Kontraindikationen
Maennliche PatientenTamoxifenAromatasehemmer nur in Komb. mit testikulaerer Suppression

Adjuvante Bisphosphonate: Postmenopausale Patientinnen mit nodal-positivem invasivem Mammakarzinom sollen adjuvante Bisphosphonate (Zoledronsaeure oder Clodronat) erhalten. Bei nodal-negativem Status und hohem Rezidivrisiko kann dies erwogen werden.

Radiotherapie

Die Strahlentherapie senkt das Lokalrezidivrisiko signifikant. Bei linksseitigem Brustkrebs muss eine Atemanhaltetechnik (Deep Inspiratory Breath-Hold) angewendet werden, um die Herzbelastung zu minimieren.

SchemaDosisIndikation
Hypofraktioniert (Standard)26 Gy in 5 Fraktionen (1 Woche)Teilbrust, Ganzbrust oder Thoraxwand (ohne regionaere LK)
Konventionell/Verlaengert40 Gy in 15 Fraktionen (3 Wochen)Bei regionaerer Lymphknotenbestrahlung oder erhoehter Strahlensensibilitaet

Nach einer Mastektomie ist die Radiatio bei nodal-positivem (Makrometastasen) Karzinom oder befallenen Resektionsraendern indiziert.

Nebenwirkungsmanagement und Nachsorge

Menopausale Symptome: Eine systemische Hormonersatztherapie (HRT) ist bei Mammakarzinom-Patientinnen grundsaetzlich zu stoppen und nicht routinemaessig anzubieten. Zur Linderung von Hitzewallungen koennen SSRI erwogen werden (jedoch nicht in Kombination mit Tamoxifen).

Nachsorge: Allen Patientinnen (inklusive DCIS) wird eine jaehrliche Mammographie fuer 5 Jahre angeboten. Ein routinemaessiger Ultraschall oder ein MRT zur Nachsorge wird nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie den ER-, PR- und HER2-Status immer simultan bei der Erstdiagnose, um Therapieentscheidungen im Tumorboard nicht zu verzoegern. Verzichten Sie bei isolierten Tumorzellen oder reinen Mikrometastasen im Sentinel-Lymphknoten auf eine komplette Axilladissektion.

Häufig gestellte Fragen

Bei unklarer Tumorausdehnung, hoher Brustdichte oder zur Groessenbestimmung bei lobulaerem Karzinom vor geplanter brusterhaltender Therapie.
Bei invasiven Karzinomen >0 mm (kein Tumor auf der Tusche). Bei einem reinen DCIS wird ein Rand von mindestens 2 mm angestrebt.
Postmenopausale Patientinnen mit nodal-positivem invasivem Mammakarzinom.
Als Standard fuer die Brust- oder Thoraxwandbestrahlung ohne Lymphknotenabflusswege gelten 26 Gy in 5 Fraktionen ueber eine Woche.
Nein, eine systemische Hormonersatztherapie sollte gestoppt und bei Patientinnen mit Mammakarzinom-Anamnese nicht routinemaessig angeboten werden.

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