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NICE2025Onkologie

Ovarialkarzinom: Familiäres Risiko & Genetik (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Gentests sind indiziert bei erst- oder zweitgradig Verwandten mit Ovarialkarzinom sowie bei bestimmten Risikopopulationen.
  • Die prophylaktische bilaterale Salpingo-Oophorektomie (BSO) wird ab einem Lebenszeitrisiko von ≥ 5 % und abgeschlossener Familienplanung empfohlen.
  • Der Zeitpunkt der BSO variiert je nach Genmutation (z. B. BRCA1 ab 35 Jahren, BRCA2 ab 40 Jahren).
  • Aspirin soll nicht primär zur Risikoreduktion des Ovarialkarzinoms eingesetzt werden.
  • Eine Überwachung (CA125 alle 4 Monate) ist nur eine kurzfristige Option für Patientinnen, die eine Operation ablehnen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie adressiert die Identifikation und das Management von Personen mit einem familiären oder genetischen Risiko für Ovarialkarzinome. Ein erhöhtes Risiko betrifft Personen mit weiblichen Fortpflanzungsorganen (Ovarien, Eileiter, Uterus) hinsichtlich der eigenen Erkrankung sowie Personen mit männlichen Fortpflanzungsorganen bezüglich der Vererbung pathogener Varianten an Nachkommen.

Indikationen für genetische Beratung und Testung

Eine Überweisung zur genetischen Beratung und Testung sollte erfolgen bei:

  • Erstgradig Verwandten mit Ovarialkarzinom.
  • Zweitgradig Verwandten (mütterlicher- oder väterlicherseits) mit Ovarialkarzinom.
  • Personen aus Risikopopulationen (aschkenasische oder sephardische Juden, Grönländer – mind. 1 Großelternteil).
  • Kaskadentestung bei bekannter familiärer pathogener Variante.
  • Eigener Diagnose spezifischer Ovarialtumoren (z. B. invasiv-epithelial, Sertoli-Leydig-Zelltumor, kleinzelliges Karzinom vom hyperkalzämischen Typ).

Für Personen ohne eigene Ovarialkarzinom-Erkrankung gelten folgende Schwellenwerte für die Wahrscheinlichkeit einer pathogenen Variante, ab denen eine Testung angeboten werden soll:

AlterFrauen / Trans-MännerMänner / Trans-Frauen
30 bis 39 Jahre≥ 2 %≥ 6 %
40 bis 49 Jahre≥ 2 %≥ 9 %
50 bis 59 Jahre≥ 3 %≥ 10 %
60 bis 69 Jahre≥ 6 %≥ 10 %
≥ 70 Jahre≥ 10 %≥ 10 %

Risikobewertung und Gen-Panel

Zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit einer pathogenen Variante sollen validierte Tools wie das Manchester-Scoring-System, CanRisk (BOADICEA) oder BRCAPRO verwendet werden. Das Gen-Panel sollte basierend auf der Familienanamnese ausgewählt werden und relevante Gene umfassen (z. B. BRCA1, BRCA2, MLH1, MSH2, MSH6, RAD51C, RAD51D, BRIP1, PALB2).

Medikamentöse Prävention

  • Aspirin: Darf nicht für den alleinigen Zweck der Risikoreduktion eines Ovarialkarzinoms angeboten werden.
  • Kombinierte orale Kontrazeptiva: Dürfen nur erwogen werden, wenn die Reduktion des Ovarialkarzinomrisikos das erhöhte Brustkrebsrisiko überwiegt.

Risikoreduzierende Operationen

Eine risikoreduzierende Operation wird nur angeboten, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist (oder keine natürliche Empfängnis mehr geplant ist) und das Lebenszeitrisiko für ein Ovarialkarzinom ≥ 5 % beträgt.

Pathogene VarianteEmpfohlener EingriffFrühestes Alter
BRCA1Bilaterale Salpingo-Oophorektomie (BSO)35 Jahre
BRCA2Bilaterale Salpingo-Oophorektomie (BSO)40 Jahre
RAD51C, RAD51D, BRIP1, PALB2Bilaterale Salpingo-Oophorektomie (BSO)45 Jahre
MLH1, MSH2, MSH6Hysterektomie mit BSO35 Jahre

Präoperative Diagnostik: Vor einer BSO müssen ein transvaginaler Ultraschall und eine CA125-Bestimmung erfolgen. Vor einer Hysterektomie ist eine Endometriumbiopsie obligatorisch, um asymptomatische Karzinome auszuschließen.

Pathologie: Ovarien und Tuben müssen nach dem SEE-FIM-Protokoll (Sectioning and Extensively Examining the FIMbriated End) histologisch aufgearbeitet werden. Eine Peritonealzytologie ist bei der Operation immer durchzuführen.

Überwachung (Surveillance)

Eine regelmäßige Überwachung senkt das Risiko für ein Ovarialkarzinom nicht und ist keine Alternative zur Operation. Sie wird nur als kurzfristige Option für Personen angeboten, die eine Operation aufschieben oder ablehnen (ab 35 Jahren bei BRCA1, ab 40 bei BRCA2, ab 45 bei RAD51C/D, BRIP1, PALB2).

  • Methode: Serielle CA125-Bestimmung alle 4 Monate (z. B. ROCA-Test).
  • Review: Mindestens einmal jährlich erneute Diskussion der Operationsindikation.

Hormonersatztherapie (HRT) nach Operation

Personen ohne Brustkrebsanamnese, die vor dem durchschnittlichen Menopausenalter operiert werden, soll eine HRT bis zum durchschnittlichen Menopausenalter (ca. 51 Jahre) angeboten werden. Bei vorhandenem Uterus wird eine kombinierte HRT eingesetzt, nach Hysterektomie eine reine Östrogentherapie.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie vor jeder risikoreduzierenden bilateralen Salpingo-Oophorektomie (BSO) zwingend einen transvaginalen Ultraschall und eine CA125-Bestimmung durch, um ein bereits bestehendes, asymptomatisches Ovarialkarzinom nicht zu übersehen.

Häufig gestellte Fragen

Die bilaterale Salpingo-Oophorektomie wird bei BRCA1-Mutationen frühestens ab 35 Jahren empfohlen, sofern die Familienplanung abgeschlossen ist.
Nein, Aspirin soll laut Leitlinie nicht für den alleinigen Zweck der Risikoreduktion eines Ovarialkarzinoms angeboten werden.
Die Überwachung erfolgt durch eine serielle CA125-Bestimmung alle 4 Monate (z. B. mittels ROCA-Test) sowie ein jährliches ärztliches Gespräch zur erneuten Evaluation der Operationsindikation.
Alle Patientinnen mit invasiv-epithelialem Ovarialkarzinom, Sertoli-Leydig-Zelltumor und bestimmten anderen seltenen histologischen Subtypen sollten eine genetische Beratung und Testung erhalten.
Bei Patientinnen ohne Brustkrebsanamnese sollte die Hormonersatztherapie bis zum durchschnittlichen natürlichen Menopausenalter (ca. 51 Jahre) fortgeführt werden.

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