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NICEA2024Kardiologie

Vorhofflimmern (VHF): Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnosesicherung von Vorhofflimmern erfolgt zwingend per 12-Kanal-EKG nach vorherigem manuellem Pulstasten.
  • Zur Schlaganfall-Risikostratifizierung wird der CHA2DS2-VASc-Score genutzt, zur Blutungsrisiko-Abschätzung der ORBIT-Score.
  • DOAKs sind die Therapie der Wahl zur Antikoagulation ab einem CHA2DS2-VASc-Score von 2 (bei Männern ab 1 erwägen).
  • Die Frequenzkontrolle ist in der Regel die Erstlinientherapie (Betablocker oder Calciumkanalblocker).
  • Amiodaron darf nicht zur langfristigen Frequenzkontrolle eingesetzt werden.
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Hintergrund

Vorhofflimmern (VHF) ist die häufigste Herzrhythmusstörung und ein wesentlicher Risikofaktor für Schlaganfälle. Die aktuelle NICE-Leitlinie fokussiert sich auf eine präzise Diagnostik, strukturierte Risikostratifizierung und eine patientenindividuelle Therapie aus Antikoagulation sowie Frequenz- oder Rhythmuskontrolle.

Diagnostik

Bei Verdacht auf Vorhofflimmern (z. B. bei Atemnot, Palpitationen, Synkopen, Brustbeschwerden oder TIA/Schlaganfall) soll zunächst eine manuelle Pulspalpation erfolgen.

Wird ein unregelmäßiger Puls festgestellt, ist ein 12-Kanal-EKG zur Diagnosesicherung zwingend erforderlich.

Bei Verdacht auf paroxysmales Vorhofflimmern, das im Ruhe-EKG nicht erfasst wurde, richtet sich die Diagnostik nach der Symptomfrequenz:

SymptomfrequenzEmpfohlene Diagnostik
Asymptomatisch oder Episoden < 24h auseinander24-Stunden-Langzeit-EKG
Episoden > 24h auseinanderAmbulanter EKG-Monitor oder Event-Recorder über einen angemessenen Zeitraum

Echokardiographie

Eine transthorakale Echokardiographie (TTE) ist nicht routinemäßig zur reinen Schlaganfall-Risikostratifizierung indiziert, wenn die Indikation zur Antikoagulation bereits feststeht. Sie soll jedoch durchgeführt werden bei:

  • Notwendigkeit einer Baseline-Untersuchung für das Langzeitmanagement
  • Geplanter Kardioversion (elektrisch oder pharmakologisch)
  • Verdacht auf strukturelle/funktionelle Herzerkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz)
  • Notwendigkeit einer verfeinerten Risikostratifizierung

Eine transösophageale Echokardiographie (TOE) ist indiziert bei Auffälligkeiten im TTE, schlechter TTE-Bildqualität oder vor einer TOE-gesteuerten Kardioversion.

Risikostratifizierung

Schlaganfallrisiko

Zur Beurteilung des Schlaganfallrisikos wird der CHA2DS2-VASc-Score empfohlen. Dies gilt für paroxysmales, persistierendes und permanentes VHF sowie für Vorhofflattern.

Blutungsrisiko

Zur Beurteilung des Blutungsrisikos vor Beginn oder bei Überprüfung einer Antikoagulation soll der ORBIT-Score verwendet werden, da dieser das absolute Blutungsrisiko präziser vorhersagt als andere Tools. Modifizierbare Risikofaktoren (z. B. unkontrollierte Hypertonie, schlechte INR-Einstellung, NSAR- oder SSRI-Einnahme, Alkoholkonsum, reversible Anämie) müssen adressiert werden.

Schlaganfallprophylaxe (Antikoagulation)

Die Entscheidung zur Antikoagulation basiert auf dem CHA2DS2-VASc-Score. Wichtig: Das Alter oder ein erhöhtes Sturzrisiko sind keine alleinigen Gründe, eine Antikoagulation vorzuenthalten. ASS-Monotherapie darf nicht zur reinen Schlaganfallprophylaxe eingesetzt werden.

CHA2DS2-VASc-ScoreEmpfehlung zur Antikoagulation
Score ≥ 2DOAK (Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban) anbieten
Score = 1 (Männer)DOAK erwägen
Score = 0 (Männer) / 1 (Frauen)Keine Antikoagulation anbieten (< 65 Jahre, keine weiteren Risikofaktoren)

Vitamin-K-Antagonisten (VKA) sollen nur angeboten werden, wenn DOAKs kontraindiziert, nicht toleriert oder ungeeignet sind. Bei schlechter VKA-Einstellung (z. B. Time in Therapeutic Range < 65 %) müssen Ursachen evaluiert und ggf. alternative Strategien diskutiert werden.

Frequenz- und Rhythmuskontrolle

Frequenzkontrolle

Die Frequenzkontrolle ist die Erstlinientherapie, außer bei:

  • Reversibler Ursache des VHF
  • Herzinsuffizienz, die primär durch das VHF verursacht wird
  • Neu aufgetretenem VHF
  • Vorhofflattern, das für eine Ablation geeignet ist
  • Klinischer Präferenz für eine Rhythmuskontrolle
StufeTherapieBemerkung
1. WahlStandard-Betablocker (außer Sotalol) ODER frequenzlimitierender Calciumkanalblocker (Diltiazem/Verapamil)Auswahl nach Symptomen, Herzfrequenz und Komorbiditäten. Bei Herzinsuffizienz keine Calciumkanalblocker!
AlternativeDigoxin-MonotherapieNur bei nicht-paroxysmalem VHF, wenn Patient sehr sedentär ist oder andere Medikamente kontraindiziert sind.
KombinationKombination aus 2: Betablocker, Diltiazem, DigoxinWenn Monotherapie zur Symptomkontrolle nicht ausreicht.

Amiodaron darf nicht zur langfristigen Frequenzkontrolle eingesetzt werden.

Rhythmuskontrolle

Wenn die Frequenzkontrolle nicht ausreicht, kann eine pharmakologische oder elektrische Rhythmuskontrolle erwogen werden.

  • Kardioversion: Bei VHF > 48 Stunden wird die elektrische Kardioversion bevorzugt. Eine Amiodaron-Therapie (4 Wochen vorher bis 12 Monate nachher) kann erwogen werden.
  • Pill-in-the-pocket: Bei seltenem paroxysmalem VHF, ohne strukturelle Herzerkrankung, systolischem RR > 100 mmHg und Ruhepuls > 70 bpm.

Ablation

Wenn Medikamente erfolglos oder ungeeignet sind, kann eine Katheterablation (Radiofrequenz-Punkt-für-Punkt, Kryoballon oder Laserballon) erwogen werden. Nach der Ablation kann eine antiarrhythmische Therapie für 3 Monate sinnvoll sein.

Akutes Vorhofflimmern

Das Management von akut aufgetretenem Vorhofflimmern richtet sich nach der Hämodynamik und der Dauer der Episode:

  • Lebensbedrohliche hämodynamische Instabilität: Sofortige elektrische Kardioversion (ohne Verzögerung durch Antikoagulation).
  • Dauer < 48 Stunden: Frequenz- oder Rhythmuskontrolle anbieten.
  • Dauer > 48 Stunden (oder unbekannt): Frequenzkontrolle anbieten. Kardioversion erst nach mindestens 3 Wochen therapeutischer Antikoagulation.
  • Begleitende akute dekompensierte Herzinsuffizienz: Betablocker nur nach fachärztlicher Rücksprache, keine Calciumkanalblocker.

Bei fehlender oder subtherapeutischer Antikoagulation soll bei Erstpräsentation Heparin verabreicht werden, bis eine vollständige Risikostratifizierung erfolgt ist.

Postoperatives Vorhofflimmern

Zur Prophylaxe nach kardiothorakalen Eingriffen sollen Amiodaron, Betablocker oder frequenzlimitierende Calciumkanalblocker eingesetzt werden. Digoxin ist hierfür nicht indiziert. Statine dürfen nicht isoliert zur VHF-Prophylaxe neu angesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den ORBIT-Score statt HAS-BLED zur Einschätzung des Blutungsrisikos. Verweigern Sie älteren oder sturzgefährdeten Patienten nicht pauschal die Antikoagulation, da der Nutzen meist deutlich überwiegt.

Häufig gestellte Fragen

Die NICE-Leitlinie empfiehlt den ORBIT-Score, da er das absolute Blutungsrisiko präziser vorhersagt als andere Scores (wie HAS-BLED).
Bei neu aufgetretenem VHF, reversiblen Ursachen, VHF-induzierter Herzinsuffizienz oder wenn Vorhofflattern für eine Ablation geeignet ist.
Ja, DOAKs (Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban) sind die empfohlene Erstlinientherapie zur Schlaganfallprophylaxe ab einem CHA2DS2-VASc-Score von 2.
Es muss eine sofortige elektrische Kardioversion durchgeführt werden, ohne auf das Erreichen einer therapeutischen Antikoagulation zu warten.

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