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Canadian Cardiovascular Society (CCS)2018KardiologieInnere MedizinEmergency Medicine

Vorhofflimmern (VHF): Aktuelle CCS-Leitlinie (2018)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Canadian Cardiovascular Society (CCS) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • NOAKs werden gegenueber Warfarin zur Schlaganfallpraevention bei nicht-valvulaerem Vorhofflimmern stark bevorzugt.
  • Die Indikation zur Antikoagulation richtet sich nach dem CHADS-65-Algorithmus (Alter >= 65 Jahre oder CHADS2-Score >= 1).
  • Bei elektiver Kardioversion ist eine therapeutische Antikoagulation fuer 3 Wochen davor und 4 Wochen danach zwingend erforderlich.
  • Fuer die Frequenzkontrolle sind Beta-Blocker und Nicht-Dihydropyridin-Calciumkanalblocker (Diltiazem/Verapamil) Mittel der ersten Wahl.
  • Bei Patienten mit VHF und KHK (nach PCI) wird initial eine Triple-Therapie, gefolgt von einer dualen Therapie empfohlen.
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Hintergrund

Die kanadische Leitlinie (CCS 2018) bietet praxisnahe Empfehlungen zum Management von Vorhofflimmern (VHF). Die Schwere der Symptomatik wird anhand des SAF-Scores (Severity of Atrial Fibrillation) klassifiziert:

KlasseSymptomatikEinfluss auf Lebensqualitaet
0AsymptomatischKeiner
1MinimalMinimal
2LeichtGering
3ModeratModerat
4SchwerSchwer

Diagnostik

Zur Basis-Evaluation jedes Patienten gehoeren:

  • Anamnese & koerperliche Untersuchung: Muster (paroxysmal, persistierend, permanent), Schweregrad, reversible Ursachen.
  • 12-Kanal-EKG: Dokumentation des VHF, Ausschluss struktureller/elektrischer Herzerkrankungen.
  • Echokardiographie: Beurteilung von Ventrikelfunktion, Vorhofgroesse und Ausschluss von Vitien.
  • Labor: Blutbild, Gerinnung, Nierenfunktion, Schilddruese, Leberwerte, Nuechtern-Glukose und -Lipide.

Schlaganfallpraevention (CHADS-65)

Die Indikation zur oralen Antikoagulation (OAK) richtet sich nach dem CHADS-65-Algorithmus:

  • Alter >= 65 Jahre ODER CHADS2-Risikofaktor >= 1 (Herzinsuffizienz, Hypertonie, Diabetes, Z.n. Schlaganfall/TIA).
  • Starke Empfehlung: Bei Indikation zur OAK bei nicht-valvulaerem VHF sollen NOAKs (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban) gegenueber Warfarin bevorzugt werden.
  • Patienten < 65 Jahre ohne CHADS2-Risikofaktoren benoetigen keine OAK. Bei Vorliegen einer KHK/pAVK erfolgt eine Thrombozytenaggregationshemmung.

Dosisanpassung der NOAKs bei Niereninsuffizienz (CrCl 30-49 ml/min)

WirkstoffStandarddosisDosis bei CrCl 30-49 ml/min
Dabigatran150 mg bidErwaegung 110 mg bid
Rivaroxaban20 mg tgl.15 mg tgl.
Apixaban5 mg bid5 mg bid (2,5 mg bid bei 2 von 3 Kriterien*)
Edoxaban60 mg tgl.30 mg tgl.

*Kriterien fuer Apixaban-Reduktion: Alter >80 J., Gewicht <60 kg, Kreatinin >133 µmol/L.

Frequenz- und Rhythmuskontrolle

Frequenzkontrolle

  • Starke Empfehlung: Beta-Blocker und Nicht-Dihydropyridin-Calciumkanalblocker (Diltiazem, Verapamil) sind Mittel der ersten Wahl.
  • Calciumkanalblocker sind bei Herzinsuffizienz oder reduzierter LV-Funktion kontraindiziert.
  • Digoxin kann bei unzureichendem Ansprechen oder Inaktivitaet erwogen werden.

Rhythmuskontrolle

Die Wahl des Antiarrhythmikums richtet sich nach Begleiterkrankungen:

  • Keine Herzinsuffizienz: Flecainid, Propafenon, Sotalol, Dronedaron oder Katheterablation.
  • Herzinsuffizienz (EF > 35%): Amiodaron, Sotalol oder Katheterablation.
  • Herzinsuffizienz (EF < 35%): Amiodaron oder Katheterablation.
WirkstoffDosierungBemerkung / Toxizitaet
Flecainid50 - 150 mg bidKontraindiziert bei KHK/LV-Dysfunktion. Immer mit AV-Blocker kombinieren.
Amiodaron100 - 200 mg tgl.Geringes Proarrhythmie-Risiko, aber systemische Nebenwirkungen (Schilddruese, Lunge, Leber).
Sotalol80 - 160 mg bidRisiko fuer Torsades de pointes (besonders Frauen >65 J. mit Diuretika).

Pill-in-the-Pocket (PIP)

Fuer ausgewaehlte Patienten mit seltenem, symptomatischem VHF.

  • Vorgehen: Einnahme eines AV-Knoten-Blockers (z.B. Diltiazem 60 mg, Verapamil 80 mg, Metoprolol 25 mg). 30 Minuten spaeter Einnahme eines Klasse-Ic-Antiarrhythmikums (Flecainid oder Propafenon).
  • Kontraindikationen: Strukturelle Herzerkrankung (EF < 50%, KHK), QRS > 120 ms, Hypotonie.

Kardioversion

  • Starke Empfehlung: Bei elektiver Kardioversion (elektrisch oder pharmakologisch) muss eine therapeutische Antikoagulation fuer mindestens 3 Wochen vor dem Eingriff erfolgen.
  • Alternativ kann ein TEE zum Ausschluss von Vorhofthromben durchgefuehrt werden.
  • Nach der Kardioversion ist eine Antikoagulation fuer mindestens 4 Wochen erforderlich, unabhaengig vom CHADS-65-Score.
  • Bei haemodynamischer Instabilitaet (Hypotonie, ACS, Lungenoedem) ist eine sofortige elektrische Kardioversion indiziert.

Vorhofflimmern und KHK (nach PCI)

Patienten mit VHF und Stent-Implantation (PCI) benoetigen eine massgeschneiderte antithrombotische Therapie:

  • Starke Empfehlung: Initial Triple-Therapie (OAK + ASS 81 mg + Clopidogrel 75 mg) fuer bis zu 6 Monate nach PCI.
  • ASS kann bei niedrigem Ischaemie- und hohem Blutungsrisiko bereits am Tag nach der PCI abgesetzt werden.
  • Anschliessend duale Therapie (OAK + Clopidogrel) fuer bis zu 12 Monate.

💡Praxis-Tipp

Bei der 'Pill-in-the-Pocket'-Strategie muss der Patient 30 Minuten vor dem Klasse-Ic-Antiarrhythmikum (z.B. Flecainid) zwingend einen AV-Knoten-Blocker einnehmen, um ein 1:1 uebergeleitetes Vorhofflattern zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Bei nicht-valvulaerem Vorhofflimmern werden NOAKs (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban) gegenueber Warfarin stark bevorzugt.
Eine orale Antikoagulation ist indiziert bei Patienten ab 65 Jahren oder bei Vorliegen von mindestens einem CHADS2-Risikofaktor (Herzinsuffizienz, Hypertonie, Diabetes, Z.n. Schlaganfall/TIA).
Mindestens 3 Wochen vor der Kardioversion (alternativ TEE zum Thrombusausschluss) und zwingend fuer mindestens 4 Wochen danach.
Bei einer Ejektionsfraktion unter 35% ist Amiodaron das einzige empfohlene Antiarrhythmikum zur Rhythmuskontrolle.

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