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NICEA2023Kardiologie

Chronische Herzinsuffizienz: NICE-Leitlinie (2023/2025)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • NT-proBNP dient als primärer Biomarker: Werte >2.000 ng/l erfordern eine dringende Echokardiografie innerhalb von 2 Wochen.
  • Die Basistherapie der HFrEF besteht aus vier Säulen: ACE-Hemmer, Betablocker, MRA und SGLT2-Inhibitor.
  • Bei fortbestehenden Symptomen unter HFrEF-Basistherapie sollte der ACE-Hemmer durch einen ARNI ersetzt werden.
  • Bei HFrEF und Eisenmangel (TSAT <20% oder Ferritin <100 ng/ml) ist eine intravenöse Eisentherapie zu erwägen.
  • Nierenfunktion und Elektrolyte müssen 1-2 Wochen nach jedem Dosisinkrement von RAAS-Inhibitoren kontrolliert werden.
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Hintergrund

Die chronische Herzinsuffizienz wird anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) in drei Phänotypen unterteilt. Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine phänotypspezifische medikamentöse Therapie.

PhänotypLVEFKriterien
HFrEF≤ 40%Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion
HFmrEF41-49%Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter Ejektionsfraktion
HFpEF≥ 50%Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion plus strukturelle Herzanomalien (z.B. E:e' >11, LV-Hypertrophie)

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Herzinsuffizienz ist primär das N-terminale pro-B-Typ natriuretische Peptid (NT-proBNP) zu bestimmen. Die Höhe des Wertes steuert die Dringlichkeit der transthorakalen Echokardiografie.

NT-proBNP-WertEmpfehlung zur Echokardiografie
> 2.000 ng/lDringende fachärztliche Vorstellung und Echokardiografie innerhalb von 2 Wochen
400 - 2.000 ng/lFachärztliche Vorstellung und Echokardiografie innerhalb von 6 Wochen
< 400 ng/lHerzinsuffizienz unwahrscheinlich; alternative Ursachen prüfen

Hinweis: Adipositas, afrikanische/karibische Abstammung oder eine Vormedikation (Diuretika, ACE-Hemmer, Betablocker) können die NT-proBNP-Werte senken.

Therapie der HFrEF (LVEF ≤ 40%)

Die medikamentöse Basistherapie der HFrEF stützt sich auf vier Säulen, die frühzeitig kombiniert werden sollten.

WirkstoffklasseIndikationBemerkung
ACE-HemmerBasistherapieBei Intoleranz (außer Angioödem): Wechsel auf ARNI. Bei Angioödem: ARB erwägen.
BetablockerBasistherapieKontraindiziert bei AV-Block II/III (ohne Schrittmacher) oder Herzfrequenz < 50 bpm.
MRABasistherapieRegelmäßige Kalium- und Kreatininkontrollen erforderlich.
SGLT2-InhibitorBasistherapieFester Bestandteil der initialen 4-Säulen-Therapie.
ARNIEskalationErsatz für ACE-Hemmer, wenn Patienten unter Maximaldosis der 4 Säulen symptomatisch bleiben.

Weitere Therapieoptionen bei HFrEF:

  • Diuretika: Zur Linderung von Stauungssymptomen und Flüssigkeitsretention (niedrigste effektive Dosis).
  • Intravenöses Eisen: Bei Hämoglobin < 150 g/l und nachgewiesenem Eisenmangel (TSAT < 20% oder Serumferritin < 100 ng/ml) ist i.v. Eisen (Eisensaccharose, Eisencarboxymaltose oder Eisenderisomaltose) zu erwägen.
  • Kontraindizierte Medikamente: Verapamil, Diltiazem und kurzwirksame Dihydropyridine sind bei HFrEF zu vermeiden.

Therapie der HFmrEF und HFpEF

Für Patienten mit leicht reduzierter oder erhaltener Ejektionsfraktion gelten angepasste Empfehlungen:

  • HFmrEF (41-49%): Erwägung einer Kombination aus ACE-Hemmer (oder ARB bei Intoleranz), Betablocker, MRA und SGLT2-Inhibitor.
  • HFpEF (≥ 50%): Erwägung einer Therapie mit einem MRA und einem SGLT2-Inhibitor.

Monitoring und Verlaufskontrolle

Die Einleitung und Dosissteigerung der Herzinsuffizienz-Medikation erfordert ein engmaschiges Monitoring:

  • Nierenfunktion und Elektrolyte: Messung vor Therapiebeginn mit ACE-Hemmern, ARNI, ARB oder MRA. Kontrollen 1-2 Wochen nach Start, 1-2 Wochen nach jeder Dosissteigerung und alle 3-6 Monate nach Erreichen der Zieldosis.
  • Niereninsuffizienz: Bei einer eGFR ≤ 45 ml/min/1,73 m² niedrigere Startdosen und kleinere Dosisinkremente erwägen. Bei eGFR < 30 ml/min/1,73 m² Rücksprache mit einem Nephrologen halten.
  • Blutdruck: Messung vor und nach jeder Dosissteigerung.
  • Herzfrequenz: Bei Betablockern klinischer Status und Herzfrequenz nach jeder Dosissteigerung prüfen. Bei symptomatischer Bradykardie EKG wiederholen.
  • Klinisches Review: Stabile Patienten mindestens alle 6 Monate kontrollieren (inkl. Funktionskapazität, Volumenstatus, Rhythmus, Nierenfunktion, Eisenstatus/Hb).

💡Praxis-Tipp

Messen Sie Nierenfunktion und Elektrolyte zwingend 1-2 Wochen nach jedem Dosisinkrement von ACE-Hemmern, ARNI, ARB oder MRA. Setzen Sie Medikamente bei einem Kreatininanstieg >50% oder Kalium >5,5 mmol/l nicht blind ab, sondern folgen Sie lokalen Leitlinien.

Häufig gestellte Fragen

Bei Werten >2.000 ng/l dringend innerhalb von 2 Wochen, bei Werten zwischen 400 und 2.000 ng/l innerhalb von 6 Wochen.
Die Kombination aus ACE-Hemmer, Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist (MRA) und SGLT2-Inhibitor.
Wenn Patienten unter der maximal tolerierten Dosis der 4-Säulen-Basistherapie weiterhin symptomatisch sind, sollte der ACE-Hemmer durch einen ARNI ersetzt werden.
Bei HFrEF-Patienten mit einem Hämoglobin <150 g/l und nachgewiesenem Eisenmangel (TSAT <20% oder Ferritin <100 ng/ml).
Verapamil, Diltiazem und kurzwirksame Dihydropyridine sollten bei HFrEF vermieden werden.

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