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Akutes Koronarsyndrom (ACS): NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei STEMI ist die primäre PCI die bevorzugte Reperfusionsstrategie, wenn sie innerhalb von 120 Minuten nach möglicher Fibrinolyse erfolgen kann.
  • Für NSTEMI und instabile Angina wird eine Risikostratifizierung (z. B. GRACE-Score) empfohlen, um die Indikation zur frühen Angiografie (<72h) zu stellen.
  • Die duale Plättchenhemmung (DAPT) wird standardmäßig für bis zu 12 Monate nach einem Myokardinfarkt empfohlen.
  • Prasugrel oder Ticagrelor werden bei einer PCI gegenüber Clopidogrel bevorzugt, außer bei bestehender Indikation zur oralen Antikoagulation.
  • Die Sekundärprävention umfasst lebenslang Aspirin, ACE-Hemmer und Statine; Beta-Blocker werden bei normaler LVEF nach 12 Monaten kritisch geprüft.
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Hintergrund

Das akute Koronarsyndrom (ACS) umfasst den ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI), den Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) und die instabile Angina pectoris. Die Leitlinie fokussiert sich auf das Akutmanagement, die Revaskularisationsstrategien sowie die medikamentöse Sekundärprävention und Rehabilitation.

STEMI – Akutmanagement

Die schnelle Reperfusion ist entscheidend. Die primäre perkutane Koronarintervention (PCI) ist die bevorzugte Strategie.

  • Aspirin: Eine Ladedosis von 300 mg ist so schnell wie möglich zu verabreichen.
  • Primäre PCI: Bevorzugt bei Präsentation innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn, sofern sie innerhalb von 120 Minuten (im Vergleich zur Fibrinolyse) durchgeführt werden kann.
  • Fibrinolyse: Anzuwenden, wenn eine PCI nicht rechtzeitig verfügbar ist. Ein Antithrombin ist zeitgleich zu verabreichen. Nach 60-90 Minuten muss ein EKG zur Erfolgskontrolle geschrieben werden.
  • Revaskularisation: Bei Mehrgefäßerkrankung ohne kardiogenen Schock wird eine komplette Revaskularisation (während des Indexaufenthalts) empfohlen. Bei kardiogenem Schock sollte zunächst nur das Infarktgefäß (Culprit Lesion) behandelt werden.
  • Stents: Wenn eine Stentimplantation indiziert ist, sollen Medikamenten-freisetzende Stents (DES) verwendet werden.

NSTEMI und instabile Angina – Akutmanagement

Auch hier steht die initiale Thrombozytenhemmung und Risikostratifizierung im Vordergrund.

  • Aspirin: Ladedosis von 300 mg so schnell wie möglich.
  • Duale Plättchenhemmung (DAPT): Darf nicht vor der definitiven Diagnosestellung eines NSTEMI oder einer instabilen Angina verabreicht werden.
  • Antithrombin: Fondaparinux wird für Patienten ohne hohes Blutungsrisiko empfohlen, es sei denn, eine sofortige Angiografie ist geplant.

Risikostratifizierung bei NSTEMI/instabiler Angina

Sobald die Diagnose steht, muss das Risiko für zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse mittels eines etablierten Scores (z. B. GRACE) ermittelt werden, der die 6-Monats-Mortalität vorhersagt.

Geschätzte 6-Monats-MortalitätRisiko für kardiovaskuläre Ereignisse
<= 1,5 %Sehr gering
> 1,5 % bis 3,0 %Gering
> 3,0 % bis 6,0 %Mittel
> 6,0 % bis 9,0 %Hoch
> 9,0 %Sehr hoch
  • Frühe invasive Strategie (<72h): Empfohlen für Patienten mit mittlerem oder höherem Risiko (>3,0 % Mortalität).
  • Sofortige Angiografie: Indiziert bei klinisch instabilen Patienten.
  • Konservatives Management: Kann bei Patienten mit geringem Risiko (<=3,0 %) erwogen werden.

Antithrombotische Therapie bei PCI

Die Wahl der Antikoagulation und Plättchenhemmung richtet sich nach dem Zugangsweg und Begleiterkrankungen.

IndikationBevorzugte TherapieBemerkung
STEMI (radialer Zugang)Unfraktioniertes Heparin + Bailout-GPIIn Kombination mit DAPT
STEMI (femoraler Zugang)Bivalirudin + Bailout-GPIIn Kombination mit DAPT
NSTEMI/instabile AnginaFondaparinux (initial) + UFH im KatheterlaborUFH auch bei vorheriger Fondaparinux-Gabe

Duale Plättchenhemmung (DAPT)

Die DAPT wird in der Regel für bis zu 12 Monate fortgeführt.

PatientengruppeBevorzugter P2Y12-HemmerAlternative / Ausnahme
STEMI mit primärer PCIPrasugrelClopidogrel (bei oraler Antikoagulation)
STEMI ohne PCITicagrelorClopidogrel (bei hohem Blutungsrisiko)
NSTEMI/UA mit PCIPrasugrel oder TicagrelorClopidogrel (bei oraler Antikoagulation)
NSTEMI/UA ohne PCITicagrelorClopidogrel (bei hohem Blutungsrisiko)

Sekundärprävention

Nach einem Myokardinfarkt ist eine konsequente medikamentöse Therapie zur Verhinderung weiterer Ereignisse essenziell.

WirkstoffklasseIndikationDauer / Bemerkung
AspirinAlle Patienten nach MILebenslang (außer bei Kontraindikationen)
P2Y12-HemmerAlle Patienten nach MIBis zu 12 Monate (DAPT)
ACE-HemmerAlle Patienten nach MILebenslang (Titration auf Maximaldosis)
Beta-BlockerAlle Patienten nach MI>12 Monate kritisch prüfen bei normaler LVEF, lebenslang bei reduzierter LVEF
StatineKlinische Evidenz für kardiovaskuläre ErkrankungLebenslang

Hyperglykämie-Management

Bei Patienten mit ACS und Hyperglykämie sollte der Blutzucker unter 11,0 mmol/l gehalten werden, wobei Hypoglykämien strikt zu vermeiden sind. Eine routinemäßige intensive Insulintherapie wird nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Geben Sie Patienten mit unklarem Thoraxschmerz keine duale Plättchenhemmung, bevor die Diagnose NSTEMI/instabile Angina gesichert ist. Nutzen Sie bei NSTEMI konsequent Risikoscores (z. B. GRACE), um die Dringlichkeit der Koronarangiografie (<72h bei >3% Mortalitätsrisiko) zu steuern.

Häufig gestellte Fragen

Prasugrel wird in Kombination mit Aspirin empfohlen, sofern der Patient keine orale Antikoagulation benötigt. Bei bestehender Antikoagulation ist Clopidogrel die Wahl.
Bei klinisch instabilen Patienten sofort. Bei Patienten mit mittlerem bis hohem Risiko (geschätzte 6-Monats-Mortalität >3,0 %) sollte sie innerhalb von 72 Stunden durchgeführt werden.
Bei reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) dauerhaft. Bei Patienten mit normaler LVEF sollte nach 12 Monaten die Fortführung kritisch mit dem Patienten besprochen werden.
Ja, eine komplette Revaskularisation wird während des Indexaufenthalts empfohlen, sofern kein kardiogener Schock vorliegt. Bei kardiogenem Schock sollte zunächst nur das Infarktgefäß behandelt werden.
Fondaparinux wird empfohlen, es sei denn, der Patient hat ein hohes Blutungsrisiko oder es ist eine sofortige Koronarangiografie geplant.

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