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National Heart Foundation of Australia / CSANZ2025KardiologieEmergency MedicineInnere Medizin

Akutes Koronarsyndrom (ACS): Leitlinie 2025 (CSANZ)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Heart Foundation of Australia / CSANZ Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Einführung des Begriffs ACOMI (Acute Coronary Occlusion Myocardial Infarction) für STEMI und STEMI-Äquivalente.
  • Ein 12-Kanal-EKG muss innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt abgeleitet und beurteilt werden.
  • Primäre PCI ist die bevorzugte Reperfusionsstrategie bei ACOMI, sofern sie innerhalb von 120 Minuten verfügbar ist.
  • Diagnostik und Risikostratifizierung bei NSTEACS sollen mittels hochsensitivem kardialem Troponin (hs-cTn) erfolgen.
  • Sekundärprävention umfasst einen LDL-C-Zielwert von <1,4 mmol/L sowie eine individualisierte DAPT-Dauer.
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Hintergrund

Die australische Leitlinie 2025 zum akuten Koronarsyndrom (ACS) führt den Begriff ACOMI (Acute Coronary Occlusion Myocardial Infarction) ein. Dieser Ansatz trägt der Erkenntnis Rechnung, dass nicht nur klassische ST-Hebungs-Infarkte (STEMI), sondern auch andere EKG-Muster (STEMI-Äquivalente) auf einen akuten Koronarverschluss hinweisen und eine sofortige Reperfusion erfordern.

Initiale Diagnostik

Die schnelle Identifikation von Patienten mit einem akuten Koronarverschluss ist essenziell.

  • EKG: Ableitung und Beurteilung innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt.
  • Biomarker: Verwendung von hochsensitivem kardialem Troponin (hs-cTn) mit geschlechtsspezifischen 99. Perzentilen.
  • Monitoring: Kontinuierliches EKG-Monitoring bei anhaltenden Ischämiesymptomen, hämodynamischer Instabilität oder neuen Ischämiezeichen.

EKG-Kriterien für ACOMI

Neben dem klassischen STEMI müssen folgende EKG-Muster als ACOMI erkannt und entsprechend triagiert werden:

EKG-MusterKriterienMaßnahme
Klassischer STEMIRegionale ST-Hebung (STE) mit reziproker ST-SenkungReperfusion aktivieren
Hoher SeitenwandinfarktSTE in I, aVL, V2; ST-Senkung in IIIReperfusion aktivieren
Posteriorer InfarktST-Senkung ≥0,5 mm in V1-V3; Bestätigung durch posteriore Ableitungen (V7-V9)Reperfusion aktivieren
Rechtsventrikulärer InfarktSTE ≥0,5 mm in rechtsseitigen Ableitungen (V3R-V6R)Reperfusion aktivieren
De-Winter-T-WellenJ-Punkt-Senkung, hohe symmetrische T-Wellen präkordial, STE in aVRReperfusion aktivieren
Modifizierte Sgarbossa-KriterienBei LBBB oder Schrittmacher: Konkordante STE/Senkung oder diskordante STE >25% der S-ZackeReperfusion aktivieren

Akuttherapie und Reperfusion

Die initiale medikamentöse Therapie umfasst die Gabe von Aspirin 300 mg (oral, zerkaut oder gelöst), sofern keine Kontraindikationen bestehen. Eine Sauerstoffgabe ist nur bei einer Sauerstoffsättigung (SpO2) <90 % indiziert (Ziel-SpO2 max. 96 %).

StrategieZeitfensterEmpfehlung
Primäre PCI<120 Min. nach ErstkontaktStarke Empfehlung, bevorzugte Methode (Door-to-Device <60 Min. im PCI-Zentrum)
Fibrinolyse<30 Min. nach ErstkontaktStarke Empfehlung, wenn PCI nicht <120 Min. möglich; halbe Dosis Tenecteplase bei Alter ≥70 Jahre

Management bei NSTEACS

Bei Patienten mit NSTEACS richtet sich der Zeitpunkt der invasiven Diagnostik nach der Risikostratifizierung (z. B. mittels GRACE-Score):

RisikoprofilTiming der invasiven StrategieBemerkung
Sehr hohes RisikoSofort (<2 Stunden)Konsens
Hohes RisikoFrüh (<24 Stunden)Schwache Empfehlung
Niedriges/Intermediäres RisikoSelektivGgf. nach Ischämie-Testung

Medikamentöse Therapie und Sekundärprävention

Die Sekundärprävention sollte vor der Entlassung eingeleitet werden und umfasst Lebensstiländerungen, kardiologische Rehabilitation sowie eine optimierte Pharmakotherapie.

WirkstoffklasseIndikation / ZielEmpfehlung
DAPT (Aspirin + P2Y12-Inhibitor)Post-ACSStarke Empfehlung: 6-12 Monate bei hohem Ischämie-/niedrigem Blutungsrisiko; 1-3 Monate bei hohem Blutungsrisiko
StatinePost-ACSStarke Empfehlung: LDL-C Ziel <1,4 mmol/L und >50 % Reduktion vom Ausgangswert
ACE-Hemmer / ARBLVEF ≤40 %, Herzinsuffizienz, Diabetes, CNIStarke Empfehlung
Beta-BlockerLVEF ≤40 %Konsens; bei erhaltener LVEF nach Reperfusion ggf. absetzen
Colchicin (0,5 mg/d)Post-ACSSchwache Empfehlung: Langzeitgabe erwägen

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der EKG-Beurteilung nicht nur auf klassische ST-Hebungen. Achten Sie aktiv auf ACOMI-Muster wie De-Winter-T-Wellen oder posteriore Infarktzeichen (ST-Senkungen in V1-V3), um keine zeitkritischen Reperfusionen zu verpassen.

Häufig gestellte Fragen

ACOMI (Acute Coronary Occlusion Myocardial Infarction) ist ein neuerer Überbegriff, der neben dem klassischen STEMI auch EKG-Äquivalente (z. B. posteriore Infarkte, De-Winter-Muster) einschließt, die ebenfalls eine sofortige Reperfusion benötigen.
Bei sehr hohem Risiko sofort (innerhalb von 2 Stunden), bei hohem Risiko frühzeitig (innerhalb von 24 Stunden).
Die Leitlinie empfiehlt einen LDL-C-Zielwert von <1,4 mmol/L sowie eine Reduktion um mindestens 50 % des Ausgangswertes.
Standardmäßig 6-12 Monate bei hohem Ischämie- und niedrigem Blutungsrisiko. Bei hohem Blutungsrisiko kann die DAPT auf 1-3 Monate verkürzt werden.

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