IQWiG2020

Naldemedin: Dosierung bei opioidinduzierter Obstipation

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die IQWiG-Nutzenbewertung (A20-45) untersucht den Zusatznutzen des Wirkstoffs Naldemedin bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit opioidinduzierter Obstipation (OIC). Voraussetzung für das Anwendungsgebiet ist, dass die Betroffenen zuvor bereits mit einem Laxans behandelt wurden.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterteilt die Zielpopulation in zwei Gruppen. Die erste Gruppe umfasst Personen, für die ein weiteres herkömmliches Abführmittel infrage kommt. Die zweite Gruppe besteht aus Personen, für die herkömmliche Laxanzien nicht mehr ausreichen und die eine Therapie mit spezifischen Wirkstoffen wie Methylnaltrexon, Prucaloprid oder Naloxegol benötigen.

Der pharmazeutische Unternehmer reichte für die Bewertung einen indirekten Vergleich von Naldemedin mit Naloxegol ein. Das IQWiG stufte diese Daten jedoch als methodisch ungeeignet ein, da die Studienpopulationen nicht exakt dem Anwendungsgebiet entsprachen und ein direkter Vergleich von Nutzen und Schaden nicht möglich war.

Empfehlungen

Das IQWiG formuliert folgende Kernbewertungen zum Zusatznutzen:

Bewertung des Zusatznutzens

Laut Bericht ist ein Zusatznutzen von Naldemedin für keine der beiden Patientengruppen belegt:

  • Für Patienten, bei denen ein weiteres herkömmliches Laxans infrage kommt, wurden keine Daten vorgelegt.

  • Für Patienten, bei denen herkömmliche Laxanzien nicht mehr ausreichen, wurde der eingereichte indirekte Vergleich als ungeeignet bewertet.

Methodische Mängel der eingereichten Evidenz

Die Ablehnung des Zusatznutzens wird vom IQWiG mit mehreren methodischen Schwächen des indirekten Vergleichs (Studien COMPOSE 3 und KODIAC-08) begründet:

  • Die Patientenpopulation der Vergleichsstudie entsprach nur teilweise dem zugelassenen Anwendungsgebiet, da eine Vorbehandlung mit Laxanzien dort keine zwingende Einschlussbedingung war.

  • Der Brückenkomparator (Standardtherapie) war in den beiden Studien nicht ausreichend ähnlich definiert.

  • In der Vergleichsstudie wurden primär Sicherheitsendpunkte (unerwünschte Ereignisse) erhoben, was eine Abwägung von Nutzen und Schaden verhinderte.

Dosierung

Die Dosierungsangaben basieren auf der dem Dossier beigefügten Fachinformation.

MedikamentDosisIndikation
Naldemedin200 µg 1-mal täglichOpioidinduzierte Obstipation bei Erwachsenen

Weitere Hinweise zur Anwendung:

  • Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen, sollte aber jeden Tag zur gleichen Uhrzeit stattfinden.

  • Naldemedin kann mit oder ohne zusätzliche Abführmittel angewendet werden.

  • Die Therapie muss abgesetzt werden, wenn die Behandlung mit dem Opioid-Analgetikum beendet wird.

  • Bei älteren Patienten sowie bei leichter bis mittelschwerer Nieren- oder Leberfunktionseinschränkung ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Kontraindikationen

Laut Fachinformation bestehen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Kontraindiziert bei bekannter oder vermuteter gastrointestinaler Obstruktion oder Perforation.

  • Kontraindiziert bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine wiederkehrende Obstruktion.

  • Es wird vor dem Risiko einer gastrointestinalen Perforation gewarnt, insbesondere bei strukturellen Schädigungen der Magen-Darm-Wand (z. B. peptische Ulkuskrankheit, Morbus Crohn).

  • Bei schwerer Diarrhoe oder schwerem Abdominalschmerz wird eine Überwachung und gegebenenfalls eine Rehydratationstherapie empfohlen.

  • Es besteht das Risiko eines Opioidentzugssyndroms, weshalb bei entsprechenden Symptomen ein Therapieabbruch angeraten wird.

  • Die gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A-Inhibitoren (z. B. Itraconazol, Grapefruitsaft) oder starken CYP3A-Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut) wird nicht empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Fachinformation wird bei der Anwendung von Naldemedin vor dem Auftreten eines Opioidentzugssyndroms gewarnt. Bei Patienten mit Störungen der Blut-Hirn-Schranke (z. B. ZNS-Metastasen, aktive multiple Sklerose) wird eine besonders engmaschige Überwachung auf Entzugssymptome empfohlen, da hier ein erhöhtes Risiko besteht.

Häufig gestellte Fragen

Die empfohlene Dosis beträgt laut Fachinformation 200 µg (eine Tablette) einmal täglich. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen, sollte aber idealerweise immer zur gleichen Tageszeit stattfinden.

Laut IQWiG-Nutzenbewertung ist ein Zusatznutzen von Naldemedin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vom Hersteller eingereichten Daten aus einem indirekten Vergleich wurden als methodisch ungeeignet eingestuft.

Die Therapie mit Naldemedin muss beendet werden, sobald das auslösende Opioid-Analgetikum abgesetzt wird. Zudem wird ein sofortiger Abbruch bei Verdacht auf eine gastrointestinale Obstruktion oder Perforation gefordert.

Naldemedin wird primär über das Enzym CYP3A verstoffwechselt. Die gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A-Inhibitoren (z. B. Itraconazol) oder starken Induktoren (z. B. Rifampicin) wird laut Fachinformation nicht empfohlen, da dies die Plasmakonzentration stark verändern kann.

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Quelle: IQWiG A20-45: Naldemedin (Opioid-induzierte Obstipation) - Nutzenbewertung gemäß §35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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