Muttermilchanreicherung: Individualisierte Dosierung
Hintergrund
Muttermilch ist die bevorzugte Nahrungsquelle für Frühgeborene, deckt jedoch oft nicht den hohen Nährstoffbedarf dieser vulnerablen Gruppe. Um ein extrauterines Wachstumsversagen zu verhindern, wird die Milch routinemäßig mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert.
Die standardmäßige Anreicherung geht von einer durchschnittlichen Nährstoffzusammensetzung der Muttermilch aus. Da der tatsächliche Gehalt an Makronährstoffen jedoch stark variiert, werden zunehmend individualisierte Strategien in der Neonatologie untersucht.
Der vorliegende Cochrane Review (2020) vergleicht die standardmäßige Anreicherung mit zwei individualisierten Methoden. Dies umfasst die anpassbare Anreicherung (basierend auf Blutwerten des Kindes) und die gezielte Anreicherung (basierend auf einer instrumentellen Muttermilchanalyse).
Empfehlungen
Die Meta-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zu den verschiedenen Anreicherungsstrategien:
Vergleich der Anreicherungsstrategien
Laut Review zeigt die individualisierte Anreicherung Vorteile beim kurzfristigen Wachstum von Frühgeborenen im Vergleich zur Standardmethode. Folgende Effekte wurden beobachtet:
-
Individualisiert vs. Standard: Wahrscheinliche Zunahme der Wachstumsgeschwindigkeit bei Gewicht, Länge und Kopfumfang (Evidenzgrad moderat bis niedrig)
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Gezielt vs. Standard: Wahrscheinliche Zunahme der Gewichts- und Längenzunahme (Evidenzgrad moderat bis niedrig)
-
Anpassbar vs. Standard: Wahrscheinliche Zunahme der Gewichts-, Längen- und Kopfumfangszunahme (Evidenzgrad moderat bis hoch)
Klinische Endpunkte und Sicherheit
Bezüglich relevanter klinischer Endpunkte liefert der Review keine eindeutigen Ergebnisse. Es wird betont, dass die Evidenz für folgende Parameter unzureichend ist (Evidenzgrad sehr niedrig):
-
Mortalität im Krankenhaus
-
Nekrotisierende Enterokolitis (NEC) und späte Sepsis
-
Bronchopulmonale Dysplasie (BPD) und Frühgeborenen-Retinopathie (ROP)
Methoden der Individualisierung
Der Review unterscheidet zwei primäre Ansätze zur Individualisierung der Muttermilch. Die optimale Methode konnte bisher nicht abschließend geklärt werden.
| Strategie | Basis der Anpassung | Zielsetzung |
|---|---|---|
| Standard | Keine (festes Schema) | Deckung des durchschnittlichen Bedarfs |
| Anpassbar (Adjustable) | Blood Urea Nitrogen (BUN) des Kindes | Anpassung an die metabolische Toleranz |
| Gezielt (Targeted) | Muttermilchanalyse (z. B. Infrarot-Spektroskopie) | Ausgleich tatsächlicher Nährstoffdefizite |
💡Praxis-Tipp
Obwohl die individualisierte Anreicherung von Muttermilch das kurzfristige Wachstum bei sehr kleinen Frühgeborenen signifikant verbessert, ist der Effekt auf langfristige klinische Endpunkte wie NEC oder BPD laut Review noch unklar. Es wird darauf hingewiesen, dass die optimale Methode zur Individualisierung weiterhin Gegenstand der Forschung ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review basiert die gezielte Anreicherung auf der direkten Analyse der Muttermilchzusammensetzung. Die anpassbare Anreicherung richtet sich hingegen nach den metabolischen Parametern des Frühgeborenen, typischerweise dem Harnstoff-Stickstoff im Blut (BUN).
Der Review zeigt, dass individualisierte Strategien die Wachstumsgeschwindigkeit bei Gewicht, Länge und Kopfumfang im Vergleich zur Standardanreicherung wahrscheinlich erhöhen. Die Evidenz hierfür wird als moderat bis niedrig eingestuft.
Bisher gibt es keine ausreichende Evidenz dafür, dass eine individualisierte Anreicherung das Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) senkt oder erhöht. Der Review stuft die Datenlage zu diesem klinischen Endpunkt als sehr niedrig ein.
Die Meta-Analyse konnte nicht abschließend klären, ob die gezielte oder die anpassbare Methode überlegen ist. Beide Ansätze zeigten Vorteile beim kurzfristigen Wachstum gegenüber der Standardmethode.
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Quelle: Cochrane Review: Individualized versus standard diet fortification for growth and development in preterm infants receiving human milk (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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