Frühe vs. späte Muttermilch-Fortifizierung: Cochrane Review
Hintergrund
Muttermilch ist die bevorzugte Nahrungsquelle für Frühgeborene. Um das rasche Wachstum in dieser vulnerablen Phase zu unterstützen, werden der Muttermilch häufig spezielle Anreicherungen (Fortifier) zugesetzt.
Der optimale Zeitpunkt für den Beginn dieser Fortifizierung wird in der klinischen Praxis kontrovers diskutiert. Üblicherweise erfolgt die Anreicherung erst, wenn das enterale Nahrungsvolumen 100 ml/kg Körpergewicht pro Tag erreicht.
Ein früherer Beginn könnte theoretisch die Nährstoffaufnahme und das Wachstum verbessern. Gleichzeitig besteht jedoch die Sorge vor einer erhöhten Rate an Nahrungsunverträglichkeiten oder einer nekrotisierenden Enterokolitis (NEC).
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review analysiert die Evidenz zum Vergleich einer frühen versus späten Muttermilch-Fortifizierung bei Frühgeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (unter 1500 g).
Definitionen der Fortifizierungszeitpunkte
Laut Review werden die Zeitpunkte in den eingeschlossenen Studien wie folgt definiert:
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Frühe Fortifizierung: Beginn bei einem enteralen Nahrungsvolumen von unter 100 ml/kg/Tag (in den Studien bei 20 oder 40 ml/kg/Tag) oder einem postnatalen Alter von unter 7 Tagen.
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Späte Fortifizierung: Beginn bei einem enteralen Nahrungsvolumen von mindestens 100 ml/kg/Tag oder einem postnatalen Alter von 7 Tagen oder mehr.
Auswirkungen auf Wachstum und Komplikationen
Die Meta-Analyse zeigt, dass eine frühe Fortifizierung wahrscheinlich wenig bis keinen Einfluss auf die klinischen Endpunkte hat. Es zeigten sich laut Review keine signifikanten Unterschiede bei folgenden Parametern:
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Zeit bis zum Wiedererreichen des Geburtsgewichts
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Längen- und Kopfwachstum während des initialen Krankenhausaufenthalts
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Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) oder chirurgische NEC
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Zeit bis zum Erreichen des vollen enteralen Nahrungsaufbaus
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Dauer der parenteralen Ernährung und des Krankenhausaufenthalts
Bewertung der Evidenz
Die Autoren des Reviews kommen zu dem Schluss, dass die aktuelle Evidenzlage unzureichend ist, um eine frühe Fortifizierung zu empfehlen oder abzulehnen. Die Gewissheit der Evidenz wird als niedrig eingestuft.
Dies wird primär mit der fehlenden Verblindung und der geringen Stichprobengröße in den bisherigen Studien begründet. Es wird betont, dass weitere große Studien erforderlich sind, um fundierte klinische Empfehlungen ableiten zu können.
💡Praxis-Tipp
Laut Cochrane Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, die einen routinemäßigen frühen Beginn der Muttermilch-Fortifizierung (vor Erreichen von 100 ml/kg/Tag) bei Frühgeborenen rechtfertigt. Da weder signifikante Vorteile für das Wachstum noch eindeutige Nachteile bezüglich Komplikationen wie der NEC nachgewiesen wurden, bleibt der optimale Zeitpunkt vorerst eine individuelle klinische Entscheidung.
Häufig gestellte Fragen
In der gängigen klinischen Praxis wird mit der Fortifizierung begonnen, wenn das enterale Nahrungsvolumen des Frühgeborenen 100 ml/kg Körpergewicht pro Tag erreicht. Ein Cochrane Review beschreibt dies als den am häufigsten gewählten Zeitpunkt.
Laut der aktuellen Evidenz hat ein früher Beginn der Anreicherung wahrscheinlich wenig bis keinen Effekt auf das Längen- oder Kopfwachstum. Auch die Zeit bis zum Wiedererreichen des Geburtsgewichts wird durch eine frühe Fortifizierung nicht signifikant verkürzt.
Der Cochrane Review fand keine Hinweise darauf, dass eine frühe Fortifizierung das Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) erhöht. Die Evidenzqualität für diese Aussage wird jedoch aufgrund kleiner Studienpopulationen als niedrig eingestuft.
Die in den Review eingeschlossenen Studien untersuchten ausschließlich Frühgeborene mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht (Very Low Birth Weight, VLBW). Das Geburtsgewicht der Teilnehmer lag in allen Fällen unter 1500 Gramm.
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Quelle: Cochrane Review: Early fortification of human milk versus late fortification to promote growth in preterm infants (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.