Multiple Sklerose, NMOSD & MOGAD: Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste autoimmun vermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. In Deutschland sind schätzungsweise 280.000 Menschen davon betroffen, wobei Frauen deutlich häufiger erkranken als Männer.
Neben der MS behandelt die Leitlinie auch verwandte, aber eigenständige Krankheitsbilder wie die Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierte Erkrankungen (MOGAD). Diese erfordern spezifische diagnostische und therapeutische Ansätze, da sie sich in Pathophysiologie und Prognose von der klassischen MS unterscheiden.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer frühen und zielgerichteten Therapie, um langfristige Behinderungen zu vermeiden. Zudem wird ein ganzheitliches Gesundheitskonzept unter Einbeziehung von Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung und Rauchstopp hervorgehoben.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei Verdacht auf NMOSD Medikamente wie Beta-Interferone, Natalizumab oder Fingolimod einzusetzen, da diese zu schweren Exazerbationen führen können. Es wird betont, dass vor Einleitung einer hochwirksamen MS-Therapie stets eine sorgfältige Differenzialdiagnostik mittels AQP4- und MOG-IgG-Antikörpern erfolgen sollte, insbesondere bei atypischen klinischen oder radiologischen Befunden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein Absetzen von Fingolimod oder Natalizumab (z.B. bei Kinderwunsch) zu einem ausgeprägten Rebound-Effekt mit schweren Schüben führen kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Therapiestandard eine hochdosierte intravenöse Gabe von Methylprednisolon (500-1.000 mg/Tag) über 3 bis 5 Tage. Alternativ kann eine orale Hochdosistherapie erwogen werden. Bei unzureichendem Ansprechen wird eine Plasmapherese oder Immunadsorption empfohlen.
Laut Leitlinie können Beta-Interferone und Glatirameroide nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung in der Schwangerschaft fortgeführt werden. Bei hochaktiver Erkrankung kann auch der Einsatz von Natalizumab oder Anti-CD20-Antikörpern unter strenger Überwachung erwogen werden. Teratogene Substanzen wie Teriflunomid oder Cladribin sind hingegen streng kontraindiziert.
Es wird empfohlen, bei Personen mit einem klinisch isolierten Syndrom (KIS) oder einer gesicherten schubförmigen MS zeitnah eine Immuntherapie zu beginnen. Ein Zuwarten ist nur in Ausnahmefällen bei zu erwartendem mildem Verlauf und unter engmaschiger Kontrolle vertretbar.
Die Leitlinie empfiehlt für die Behandlung der PPMS ausschließlich CD20-Antikörper wie Ocrelizumab oder Rituximab. Bei Betroffenen über 50 Jahren ohne entzündliche MRT-Aktivität sollte die Indikation jedoch sehr streng gestellt werden.
Es wird primär zu nicht-medikamentösen Maßnahmen wie Energiemanagement, kognitiver Verhaltenstherapie und körperlichem Ausdauertraining geraten. Für eine medikamentöse Therapie der Fatigue gibt es laut Leitlinie keine hinreichende Evidenz, weshalb Antidepressiva nur bei begleitender depressiver Verstimmung eingesetzt werden sollten.
Bei einer AQP4-IgG-positiven NMOSD wird ein sofortiger Therapiebeginn nach dem ersten Schub empfohlen. Als Erstlinientherapie sollen Eculizumab, Ravulizumab, Inebilizumab, Rituximab oder Satralizumab eingesetzt werden.
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Quelle: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis Optica Spektrum und MOG-IgG-assoziierte Erkrankungen - Living Guideline (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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