Multiple Sklerose (MS): Diagnose & Therapie – DGN Leitlinie
Hintergrund
Die Multiple Sklerose (MS) ist laut der aktuellen S2k-Leitlinie der DGN die häufigste autoimmun vermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Menschen. In Deutschland sind schätzungsweise 280.000 Personen betroffen.
Die Leitlinie unterscheidet traditionell zwischen der schubförmig remittierenden MS (RRMS), der sekundär progredienten MS (SPMS) und der primär progredienten MS (PPMS). Gemäß den Leitlinienautoren wird das Voranschreiten der Erkrankung in der schubförmigen Phase maßgeblich durch das periphere Immunkompartiment beeinflusst, während bei der progredienten Form Prozesse innerhalb des ZNS entscheidend sind.
Empfehlungen
Nach aktueller Leitlinienempfehlung der DGN stützt sich die Diagnose der MS auf die McDonald-Kriterien von 2017, welche den Nachweis einer zeitlichen und räumlichen Dissemination fordern.
Für die Basisdiagnostik bei Verdacht auf MS soll laut Leitlinie zwingend folgende Diagnostik erfolgen (starker Konsens):
- Kraniale und spinale MRT mit standardisierten Sequenzen
- Liquoruntersuchung (inklusive oligoklonaler Banden)
- Borrelien- und Lues-Serologie
Die Leitlinie empfiehlt für die Schubtherapie primär eine hochdosierte Glukokortikosteroid-Behandlung (GKS). Die Indikation soll dabei in Abhängigkeit von der Schubschwere und individuellen Faktoren gestellt werden. Bei unzureichendem Effekt soll eine Eskalation der Therapie erfolgen. Hierbei kann nach Expertenkonsens eine erneute, höher dosierte GKS-Gabe oder eine Plasmapherese (PE) bzw. Immunadsorption (IA) erwogen werden.
Zudem betont die DGN-Leitlinie die Wichtigkeit des Lebensstil-Managements. Betroffenen soll zu einer ausgewogenen Ernährung nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) geraten werden. Weiterhin soll über den Nutzen von Kraft- und Ausdauertraining informiert werden (starker Konsens).
Dosierung
Die DGN-Leitlinie gibt folgende Dosierungsempfehlungen für die Behandlung eines akuten MS-Schubs mit Methylprednisolon (MP):
| Therapiephase | Dosierungsempfehlung laut Leitlinie | Applikationsform | Dauer |
|---|---|---|---|
| Primäre Schubtherapie | 500–1.000 mg/Tag | Bevorzugt intravenös (i.v.), oral als Alternative | 3–5 Tage |
| Eskalationstherapie | Bis zu 2.000 mg/Tag | Intravenös (i.v.) | 3–5 Tage |
Laut Leitlinie existiert keine Evidenz für eine Über- oder Unterlegenheit der oralen gegenüber der intravenösen Gabe, weshalb die orale Hochdosis-GKS-Therapie als Alternative beschrieben wird.
Kontraindikationen
Vor dem Beginn einer Schubtherapie mit Glukokortikosteroiden soll laut DGN-Leitlinie ein Infekt als mögliche Ursache der Symptomatik (Uhthoff-Phänomen) oder als Kontraindikation ausgeschlossen werden.
Zudem warnt die Leitlinie vor einer unkontrollierten, hochdosierten Einnahme von Vitamin D (z. B. nach dem sogenannten Coimbra-Protokoll), da dies akut toxisch (Hyperkalzämie) und langfristig nierenschädigend wirken kann.
💡Praxis-Tipp
Gemäß der S2k-Leitlinie sollte idealerweise schon in einem frühen Erkrankungsstadium oder kurz nach der Diagnosestellung eine Erhebung des Fitnessstatus (Ausdauer, Kraft und Gleichgewicht) erfolgen, um den Betroffenen eine individualisierte Trainingsempfehlung geben zu können.
Häufig gestellte Fragen
Laut DGN-Leitlinie ist ein Schub definiert als das Auftreten neuer oder die Reaktivierung alter neurologischer Defizite, die mindestens 24 Stunden anhalten, einen Abstand von über 30 Tagen zum letzten Schub aufweisen und nicht durch Infekte oder Temperaturschwankungen (Uhthoff-Phänomen) bedingt sind.
Die Leitlinie beschreibt, dass eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung (mediterrane Kost) empfohlen wird. Spezifische MS-Diäten werden mangels Evidenz nicht empfohlen, jedoch wird auf die negativen Auswirkungen von Übergewicht und kardiovaskulären Risikofaktoren hingewiesen.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung sollte eine PE oder IA bei anhaltendem, behinderndem neurologischem Defizit nach Abschluss einer GKS-Therapie oder bei besonders schweren, unter GKS progredienten Schüben durchgeführt werden.
Die Leitlinie hält fest, dass ein Vitamin-D-Mangel ausgeglichen werden sollte (Zielbereich 50-125 nmol/l). Eine dauerhafte Hochdosis-Supplementierung ohne Mangel wird jedoch aufgrund möglicher toxischer Effekte nicht empfohlen.
Gemäß den Empfehlungen der DGN soll bei Verdacht auf MS zwingend eine kraniale und spinale MRT mit standardisierten Sequenzen (inklusive Kontrastmittelgabe) durchgeführt werden, um die räumliche und zeitliche Dissemination nachzuweisen.
Quelle: DGN Leitlinie: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen (Living Guideline) (DGN). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.