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AWMF / DGNA2021NeurologieGeriatrie

Multiple Sklerose (MS): S2k-Leitlinie (DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DGN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der MS erfolgt nach den revidierten McDonald-Kriterien (2017) mittels MRT und Liquordiagnostik.
  • Therapiestandard des akuten MS-Schubs ist die hochdosierte Glukokortikosteroid-Gabe (500–1.000 mg/d Methylprednisolon).
  • Bei unzureichender Schubrückbildung ist eine Eskalation mittels Plasmapherese oder Immunadsorption indiziert.
  • Immuntherapeutika werden nach ihrer Wirksamkeit auf die Schubratenreduktion in drei Kategorien eingeteilt.
  • Bei therapienaiven Patienten mit wahrscheinlich hochaktivem Verlauf sollen primär Substanzen der Kategorie 2 oder 3 eingesetzt werden.
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Hintergrund

Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste autoimmun vermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) bei jungen Menschen. Sie verläuft meist initial schubförmig-remittierend (RRMS) und kann in eine sekundär progrediente Form (SPMS) übergehen. Die Diagnose und Therapie erfordern eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Diagnostik und Differenzialdiagnosen

Die Diagnose der MS ist eine Ausschlussdiagnose und erfordert den Nachweis einer zeitlichen (DIT) und räumlichen (DIS) Dissemination nach den McDonald-Kriterien (2017).

Soll-Empfehlungen zur Basisdiagnostik bei jedem Verdachtsfall:

  • Kraniale und spinale MRT
  • Liquoruntersuchung (Zellzahl, Differenzialzellbild, Laktat, Albumin-/Ig-Quotienten, oligoklonale Banden)
  • Borrelien- und Lues-Serologie
KriteriumDIS (Räumliche Dissemination)DIT (Zeitliche Dissemination)
MRT-Nachweis≥1 T2-Läsion in ≥2 Arealen (periventrikulär, kortikal/juxtakortikal, infratentoriell, spinal)Simultane KM-aufnehmende und nicht-aufnehmende Läsionen ODER neue T2-Läsion im Verlauf
Liquor-Nachweis oligoklonaler Banden (OKB) kann DIT im MRT ersetzen

Schubtherapie

Ein MS-Schub ist definiert als ein neues oder reaktiviertes neurologisches Defizit, das >24 Stunden anhält und >30 Tage nach einem vorherigen Schub auftritt.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlMethylprednisolon (MP) 500–1.000 mg/d über 3–5 Tagei.v. oder p.o. möglich (Konsens)
Eskalation 1MP bis zu 2.000 mg/d über 3–5 TageKann bei unzureichendem Effekt erwogen werden
Eskalation 2Plasmapherese (PE) / Immunadsorption (IA)Sollte bei anhaltendem alltagsrelevantem Defizit erfolgen

Praktische Aspekte der Schubtherapie:

  • Vor Therapiebeginn soll ein Infekt ausgeschlossen werden (Uhthoff-Phänomen).
  • Blutzucker, Blutdruck und Elektrolyte sollen engmaschig kontrolliert werden.
  • GKS sollten morgens gegeben werden, um Schlafstörungen zu reduzieren.

Immuntherapie der schubförmigen MS

Die Therapie sollte sich nach der Krankheitsaktivität richten ("Treat to target"). Unbehandelten RRMS-Patienten soll eine Immuntherapie angeboten werden, wenn in den letzten zwei Jahren mindestens ein Schub oder MRT-Aktivität vorlag.

WirksamkeitskategorieSchubratenreduktionWirkstoffe
Kategorie 130–50 %Beta-Interferone, Dimethylfumarat, Glatirameroide, Teriflunomid
Kategorie 250–60 %Cladribin, Fingolimod, Ozanimod
Kategorie 3> 60 %Alemtuzumab, CD20-Antikörper (Ocrelizumab, Rituximab), Natalizumab

Therapieauswahl:

  • Standard: Substanzen der Kategorie 1 sollten primär eingesetzt werden, sofern kein hochaktiver Verlauf vorliegt.
  • Hochaktiver Verlauf: Bei therapienaiven Patienten soll eine Therapie mit Kategorie 2 oder 3 angeboten werden.

Kriterien für einen wahrscheinlich hochaktiven Verlauf bei therapienaiven Patienten (Konsens):

  • Schub mit schwerem alltagsrelevantem Defizit nach Ausschöpfen der Schubtherapie
  • Schlechte Erholung von den ersten beiden Schüben
  • Hohe Schubfrequenz (≥3 in 2 Jahren oder ≥2 im 1. Jahr)
  • EDSS ≥3,0 im ersten Jahr
  • Pyramidenbahnbeteiligung im ersten Jahr

Verlaufsuntersuchungen

Bei behandelten Patienten sollten regelmäßige klinische Kontrollen sowie MRT-Kontrollen (ohne Kontrastmittel) nach 6 und 18 Monaten erfolgen. Ein entzündlich aktiver Verlauf unter Therapie (Schub oder neue MRT-Läsionen nach Monat 6) erfordert einen Wechsel auf eine höhere Wirksamkeitskategorie.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei reinen MRT-Verlaufskontrollen zur Überwachung der Krankheitsaktivität auf Gadolinium-haltiges Kontrastmittel, um potenzielle zerebrale Ablagerungen zu vermeiden. Der Nachweis neuer T2-Läsionen ist zur Beurteilung der Krankheitsaktivität ausreichend.

Häufig gestellte Fragen

Wenn klinische Symptome sowie eine zeitliche und räumliche Dissemination (DIT und DIS) nach den McDonald-Kriterien (2017) nachgewiesen sind und keine bessere Erklärung vorliegt.
Ja, eine orale Hochdosis-Therapie mit Methylprednisolon ist eine gleichwertige Alternative zur intravenösen Applikation.
Bei anhaltendem, behinderndem neurologischem Defizit nach Abschluss der Steroid-Pulstherapie oder bei unter Steroiden progressiven, schweren Schüben.
In der Regel Substanzen der Kategorie 1. Bei wahrscheinlich hochaktiven Verläufen sollen primär Substanzen der Kategorie 2 oder 3 eingesetzt werden.
Grundsätzlich sollte beim RIS keine Immuntherapie begonnen werden. In Ausnahmefällen (OKB positiv, neue MRT-Läsionen) kann ein Off-label-Einsatz von Kategorie-1-Substanzen erwogen werden.

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