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AWMF / DGNA2025Neurologie

Multiple Sklerose (MS): S2k-Leitlinie 2025 (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DGN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der MS erfolgt nach den McDonald-Kriterien (2017) mittels MRT und Liquordiagnostik.
  • Therapiestandard des akuten MS-Schubs ist die hochdosierte Glukokortikosteroid-Gabe (500–1.000 mg/d Methylprednisolon für 3–5 Tage).
  • Bei unzureichendem Ansprechen der Schubtherapie soll eine Plasmapherese (PE) oder Immunadsorption (IA) erfolgen.
  • Die prophylaktische Immuntherapie richtet sich nach der Krankheitsaktivität (Treat to target) und wird in drei Wirksamkeitskategorien eingeteilt.
  • Körperliche Aktivität und Sport (Kraft- und Ausdauertraining) werden ab Diagnosestellung für alle MS-Patienten empfohlen.
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Hintergrund

Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste autoimmun vermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). In Deutschland sind ca. 280.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, wobei Frauen bei der häufigsten Verlaufsform zwei- bis dreimal häufiger betroffen sind als Männer.

VerlaufsformAbkürzungCharakteristik
Schubförmig remittierendRRMSSchübe mit kompletten oder inkompletten Remissionen
Sekundär progredientSPMSEntwickelt sich aus RRMS; Behinderungsprogression mit/ohne Schübe
Primär progredientPPMSVon Beginn an Behinderungsprogression; vereinzelte Schübe möglich

Diagnostik und Differenzialdiagnose

Die Diagnose der MS basiert auf den McDonald-Kriterien (2017) und erfordert den Nachweis einer zeitlichen (DIT) und räumlichen (DIS) Dissemination. Die MS ist eine Ausschlussdiagnose.

Empfohlene Basisdiagnostik bei Verdacht auf MS:

UntersuchungSpezifikationBemerkung
Kraniale MRTFLAIR, T2, T1 vor/nach KontrastmittelSchichtdicke max. 3 mm
Spinale MRTT2 sagittal/axial, T1 sagittal vor/nach KMÜber das gesamte Myelon
LiquordiagnostikZellzahl, Laktat, Albumin-/Ig-QuotientenNachweis liquorspezifischer oligoklonaler Banden (OKB)
SerologieBorrelien, LuesBei positivem Befund auch im Liquor prüfen

Schubtherapie

Ein MS-Schub ist definiert als neues oder reaktiviertes neurologisches Defizit, das mindestens 24 Stunden anhält, einen Abstand von >30 Tagen zum letzten Schub hat und nicht durch Infekte oder Temperaturänderungen (Uhthoff-Phänomen) erklärt wird.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlMethylprednisolon 500–1.000 mg/Tag über 3–5 TageIntravenös (Standard) oder oral. Morgendliche Gabe empfohlen.
EskalationPlasmapherese (PE) / Immunadsorption (IA)Bei anhaltendem, behinderndem Defizit. Sollte in den ersten 6–8 Wochen erfolgen.
Alternative EskalationMethylprednisolon bis 2.000 mg/Tag über 3–5 TageWenn PE/IA nicht möglich oder als Zwischenschritt.

Vor Beginn der Schubtherapie sollen ein Infekt ausgeschlossen sowie Blutzucker und Elektrolyte kontrolliert werden.

Immuntherapie

Die Immuntherapie soll sich nach der Aktivität der Erkrankung richten (Treat to target). Bei Menschen mit KIS (Klinisch Isoliertes Syndrom) oder MS soll eine Immuntherapie begonnen werden. Die Medikamente werden nach ihrer Effektivität auf die Schubrate in drei Kategorien eingeteilt:

  • Wirksamkeitskategorie 1: Beta-Interferone, Fumarate, Glatirameroide, Teriflunomid
  • Wirksamkeitskategorie 2: Cladribin, S1P-Rezeptor-Modulatoren
  • Wirksamkeitskategorie 3: Alemtuzumab, CD20-Antikörper (Ocrelizumab, Rituximab, Ofatumumab, Ublituximab), Natalizumab

Bei therapienaiven Patienten mit einem wahrscheinlich hochaktiven Verlauf sollen direkt Substanzen der Kategorie 2 oder 3 angeboten werden.

Lebensstil-Management

Lebensstilfaktoren haben einen signifikanten Einfluss auf den Verlauf der MS.

  • Körperliche Aktivität: Ab Diagnose soll über den Nutzen von Kraft- und Ausdauertraining informiert werden. Bis EDSS 7.0 werden nach WHO-Kriterien mind. 75 Min. intensives oder 150 Min. moderates Ausdauertraining pro Woche empfohlen.
  • Ernährung: Eine gesunde, pflanzenbetonte Ernährung (mediterrane Kost) wird empfohlen, da sie das Risiko für Komorbiditäten senkt, welche den MS-Verlauf negativ beeinflussen.

Symptomatische Therapie

MS-Symptome sollen regelmäßig erfragt und behandelt werden:

  • Spastik: Physiotherapie, ggf. orale/oromukosale Antispastika.
  • Fatigue: Nicht-medikamentöse Maßnahmen (Kraft-/Ausdauertraining, Kühlung). Für Medikamente fehlt die Evidenz.
  • Blasenfunktion: Aktive Abfrage von Inkontinenz, Harnverhalt und Infekten.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie vor jeder hochdosierten Glukokortikosteroid-Therapie eines vermeintlichen Schubs zwingend einen Infekt aus, um ein pseudo-exazerbiertes Uhthoff-Phänomen nicht fälschlicherweise immunsuppressiv zu behandeln.

Häufig gestellte Fragen

Ein MS-Schub ist ein neues oder reaktiviertes neurologisches Defizit, das mindestens 24 Stunden anhält, mehr als 30 Tage nach dem letzten Schub auftritt und nicht durch Infekte oder Fieber (Uhthoff-Phänomen) bedingt ist.
Der Therapiestandard ist hochdosiertes Methylprednisolon (500–1.000 mg/Tag) über 3–5 Tage. Dies kann intravenös oder oral erfolgen.
Bei anhaltendem, alltagsrelevantem Defizit sollte eine Plasmapherese (PE) oder Immunadsorption (IA) erfolgen. Alternativ kann eine erneute Kortison-Gabe mit bis zu 2.000 mg/Tag erwogen werden.
Bei Patienten mit Klinisch Isoliertem Syndrom (KIS) oder gesicherter MS soll eine Immuntherapie begonnen werden. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der Krankheitsaktivität (Treat to target).
Bis zu einem EDSS von 7.0 werden mindestens 75 Minuten intensives oder 150 Minuten moderates Ausdauertraining pro Woche sowie regelmäßiges Krafttraining empfohlen.

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