Müdigkeit: Basisdiagnostik und Differentialdiagnose
Hintergrund
Müdigkeit ist ein häufiges Symptom in der hausärztlichen und internistischen Praxis, das vielfältige Ursachen haben kann. Die Abklärung erfordert ein strukturiertes Vorgehen, um schwerwiegende Erkrankungen nicht zu übersehen, aber gleichzeitig eine Überdiagnostik zu vermeiden.
Die S3-Leitlinie „Müdigkeit“ der DEGAM, an der auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) beteiligt war, bietet hierfür evidenzbasierte Empfehlungen. Diese Zusammenfassung basiert auf den veröffentlichten Kernbotschaften der Leitlinie.
Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die Vermeidung einer rein somatisch fixierten Diagnostik, wenn keine spezifischen klinischen Hinweise vorliegen. Dies schützt Betroffene vor unnötigen Belastungen und verhindert die Chronifizierung von Befindlichkeitsstörungen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur strukturierten Abklärung des Symptoms Müdigkeit:
Abwendbar gefährliche Verläufe
Laut Leitlinie ist bei der Anamnese primär an spezifische Probleme und abwendbar gefährliche Verläufe zu denken. Es wird empfohlen, insbesondere folgende Ursachen zu prüfen:
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Behandlungsbedürftige psychische Störungen (vor allem Depressionen und Angststörungen)
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Schlaf-Apnoe-Syndrom
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Medikamentennebenwirkungen und Substanzabusus
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Post-Exertional Malaise (PEM) bei ME/CFS
Die Leitlinie betont, dass behandelbare schwere körperliche Erkrankungen als Ursache selten sind. Diese gehen praktisch immer mit Auffälligkeiten in der Anamnese oder der körperlichen Untersuchung einher.
Basisdiagnostik und Labor
Wenn sich aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung keine Hinweise auf eine definierte körperliche Störung ergeben, wird eine gezielte Basis-Labordiagnostik empfohlen. Diese umfasst:
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Blutglukose
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Differenzialblutbild
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Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder CRP
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Transaminasen und Gamma-GT
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TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
Eine darüber hinausgehende Diagnostik wird laut Leitlinie nur dann empfohlen, wenn definierte Auffälligkeiten in der Anamnese oder der körperlichen Untersuchung vorliegen.
Warnung vor Überdiagnostik
Es wird ausdrücklich vor einer rein auf biologische Ursachen fixierten Diagnostik, wie etwa einer ungerichteten „Tumorsuche“, gewarnt. Die Leitlinie stellt fest, dass ein solches Vorgehen zu einer unnötigen Belastung der Betroffenen führt und die Somatisierung einer Befindlichkeitsstörung fördern kann.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer ungerichteten „Tumorsuche“ bei unklarer Müdigkeit ohne spezifische klinische Hinweise. Eine auf biologische Ursachen fixierte Überdiagnostik führt häufig zu einer unnötigen Belastung der Betroffenen und kann die Somatisierung einer Befindlichkeitsstörung begünstigen. Schwere körperliche Erkrankungen zeigen sich laut Leitlinie fast immer bereits durch Auffälligkeiten in der Basisanamnese oder der körperlichen Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie umfasst die Basisdiagnostik Blutglukose, Differenzialblutbild, BSG/CRP, Transaminasen/Gamma-GT sowie TSH. Weitere Laboruntersuchungen werden nur bei spezifischen Auffälligkeiten empfohlen.
Es wird empfohlen, primär an behandlungsbedürftige psychische Störungen zu denken. Dazu zählen laut Leitlinie vor allem Depressionen und Angststörungen.
Die Leitlinie empfiehlt eine erweiterte Diagnostik nur dann, wenn sich definierte Auffälligkeiten in der Anamnese oder der körperlichen Untersuchung zeigen. Von einer ungerichteten Suche ohne klinischen Verdacht wird abgeraten.
Die Post-Exertional Malaise (PEM) im Rahmen eines ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) wird in der Leitlinie als spezifisches Problem genannt. Es wird empfohlen, dieses Krankheitsbild bei der Differenzialdiagnostik zu berücksichtigen.
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Quelle: DGIM Keyfacts: S3-LL Müdigkeit (DGIM, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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