Typ-1-Diabetes Therapie: DGIM S3-Leitlinie
Hintergrund
Die aktualisierte S3-Leitlinie der DGIM zur Therapie des Typ-1-Diabetes aus dem Jahr 2024 legt einen wesentlichen Schwerpunkt auf technische Neuentwicklungen. Insbesondere sensorbasierte Glukosemessungen und automatische Insulin-Dosiersysteme haben die Behandlungsstandards maßgeblich verändert.
Ein weiteres zentrales Element der Aktualisierung ist die partizipative Entscheidungsfindung. Die Leitlinie betont, dass Therapieziele individuell und gemeinsam mit den Betroffenen festgelegt sowie regelmäßig reevaluiert werden müssen.
Der Patient soll als Experte seiner eigenen Erkrankung aktiv in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Eine angemessene sprachliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient wird als Grundvoraussetzung für den Therapieerfolg hervorgehoben.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:
Diagnostik und Klassifikation
Die Stadieneinteilung des Typ-1-Diabetes erfolgt laut Leitlinie anhand der Kriterien der American Diabetes Association (ADA). Dies ermöglicht eine präsymptomatische Diagnosestellung vor dem Auftreten einer Hyperglykämie.
| Stadium | Charakteristika | Diagnostische Kriterien |
|---|---|---|
| Stadium 1 | Normoglykämie, präsymptomatisch | Multiple Insel-Auto-Antikörper, keine gestörte Nüchternglukose oder Glukosetoleranz |
| Stadium 2 | Dysglykämie, präsymptomatisch | Insel-Auto-Antikörper, Dysglykämie (Nüchternglukose 100–125 mg/dl, 2-h-Glukose 140–199 mg/dl, HbA1c 5,7–6,4 % oder ≥ 10 % Anstieg) |
| Stadium 3 | Hyperglykämie, symptomatisch | Insel-Auto-Antikörper ggf. nicht mehr nachweisbar, Diabetes diagnostiziert über Standardkriterien |
Zur Differenzierung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes bei Personen über 30 Jahren mit metabolischem Syndrom wird die Bestimmung des C-Peptids beziehungsweise der C-Peptid/Glukose-Ratio empfohlen. Dies wird als hilfreicher eingestuft als die reine Autoantikörper-Diagnostik.
Der Latent Autoimmune Diabetes in the Adult (LADA) stellt gemäß Leitlinie keine eigenständige Entität dar. Es wird darauf hingewiesen, dass im Verlauf mit einem absoluten Insulinmangel zu rechnen ist.
Therapieziele
Die Leitlinie empfiehlt, HbA1c-Zielwerte nicht als feste Größe zu betrachten, sondern individuell anzupassen. Zur Therapiesteuerung findet zunehmend die Zeit im Zielbereich (Time in Range) Anwendung.
Zudem wird eine optimale Einstellung kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Blutdruck, Lipidstoffwechsel und Nikotinkonsum als entscheidend für den langfristigen Erfolg hervorgehoben.
Therapie
Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) stellt den aktuellen Standard dar. Die Leitlinie empfiehlt:
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Jedem Betroffenen ein CGM-System anzubieten, gekoppelt an eine strukturierte Schulung.
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Einen Wechsel auf automatische Insulindosierhilfe-Systeme (AID), wenn Therapieziele nicht erreicht werden oder häufige Hypoglykämien auftreten.
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Eine umfassende Schulung zur Einschätzung des Kohlenhydratanteils von Mahlzeiten und der Wirkung von Alkohol.
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Eine mediterrane Kost bei Vorliegen von Übergewicht oder einem metabolischen Syndrom.
Bezüglich oraler Antidiabetika weist die Leitlinie darauf hin, dass keines für Typ-1-Diabetes zugelassen ist. Metformin kann im klinischen Alltag als Add-On bei zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktoren, Adipositas und Insulinresistenz erwogen werden.
Monitoring und Nachsorge
Trotz CGM-Nutzung wird in bestimmten Situationen weiterhin die blutige Messung von Glukose und Ketonen empfohlen. Die Betroffenen müssen über Fehlerquellen nicht-blutiger Messungen aufgeklärt werden.
Die Leitlinie fordert ein regelmäßiges Screening auf Folgeerkrankungen. Dies umfasst:
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Die mindestens jährliche Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin.
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Die regelmäßige Kontrolle von Lipidparametern, Blutdruck und Körpergewicht.
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Ein Screening auf diabetische Neuropathie und Retinopathie in regelmäßigen Abständen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Differenzialdiagnostik zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes bei Personen über 30 Jahren mit metabolischem Syndrom wird häufig primär auf Autoantikörper geachtet. Die Leitlinie hebt jedoch hervor, dass die Bestimmung des C-Peptids beziehungsweise der C-Peptid/Glukose-Ratio in diesen unklaren Fällen der deutlich hilfreichere Indikator für ein Insulindefizit ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie stuft den LADA (Latent Autoimmune Diabetes in the Adult) explizit nicht als eigenständige diagnostische Entität ein. Es wird betont, dass bei diesen Personen im Krankheitsverlauf mit einem progredienten Insulindefizit und letztlich einem absoluten Insulinmangel zu rechnen ist.
Ein Wechsel auf ein automatisches Insulindosierhilfe-System (AID) wird empfohlen, wenn unter intensivierter konventioneller Therapie mit CGM die Therapieziele nicht erreicht werden. Auch bei häufigen oder schweren Hypoglykämien rät die Leitlinie zu diesem Schritt.
Laut Leitlinie ist aktuell kein orales Antidiabetikum für den Typ-1-Diabetes zugelassen. Metformin kann jedoch im klinischen Alltag als Off-Label-Add-On zum Insulin eingesetzt werden, wenn zusätzlich kardiovaskuläre Risikofaktoren, Adipositas oder eine Insulinresistenz vorliegen.
Durch den standardmäßigen Einsatz von CGM-Systemen rückt die Zeit im Zielbereich (Time in Range) in den Fokus der Therapiesteuerung. Die Leitlinie empfiehlt zudem die strikte Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Blutdruck und Lipide.
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Quelle: DGIM Keyfacts: S3-LL Typ-1-Diabetes (DGIM, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.