Curriculum Kardiologie: Weiterbildung Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die Weiterbildung zum Kardiologen basiert auf theoretischen Kenntnissen, praktischen Fähigkeiten (Level I-III) und professionellem Verhalten.
- •Kompetenzlevel III erfordert die eigenständige Indikationsstellung, Durchführung und Befundinterpretation von Untersuchungen.
- •Digitale Kardiologie (Telemedizin, Wearables, Apps) ist ein neuer, essenzieller Bestandteil der Weiterbildung.
- •Die Alterskardiologie fokussiert sich auf Multimorbidität, Gebrechlichkeit (Frailty) und angepasste Therapieziele.
- •Partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) wird als Level-III-Kompetenz gefordert.
Hintergrund
Das aktualisierte Curriculum Kardiologie der DGK definiert die notwendigen Kompetenzen für die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Ziel ist es, ein gemeinsames Fundament an theoretischen Kenntnissen, praktischen Fähigkeiten und beruflich-professionellem Verhalten zu etablieren, um der zunehmenden Spezialisierung ein solides Basiswissen entgegenzusetzen.
Kompetenzlevel der praktischen Fähigkeiten
Die praktischen Fähigkeiten ("skills") werden in drei Kompetenzstufen unterteilt:
| Level | Definition | Anforderung |
|---|---|---|
| Level I | Erfahrung bei Auswahl und Interpretation | Umfassende theoretische Kenntnisse, keine praktische Beherrschung der Technik nötig |
| Level II | Durchführung unter Anleitung | Praktische Erfahrung als nicht-selbstständiger Untersucher |
| Level III | Eigenständige Durchführung | Indikationsstellung, Durchführung, Befundinterpretation und Komplikationsbeherrschung |
Kardiologische Basisuntersuchung
Für die Basisdiagnostik wird von Weiterzubildenden das Kompetenzlevel III gefordert. Dies umfasst unter anderem:
- Partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) unter Einbeziehung validierter Entscheidungshilfen
- Eigenständige Anamneseerhebung und internistisch-kardiologische Untersuchung
- Durchführung und Interpretation von 12-Kanal-EKG und Langzeit-EKG
- Langzeitblutdruckmessung
- Standardisierte Echokardiographie (Beurteilung von Herzgröße, Pumpfunktion, Klappen, Perikard)
- Belastungsuntersuchungen (Belastungs-EKG, Spiroergometrie)
Spezifische Weiterbildungsinhalte
Das Curriculum hebt verschiedene Subdisziplinen hervor, die in der modernen Kardiologie an Bedeutung gewinnen:
Digitale Kardiologie
Die Digitalisierung erfordert neue Medienkompetenzen und den sicheren Umgang mit e-Health-Technologien.
| Bereich | Beispiele und Anwendungen |
|---|---|
| Telemedizin | Telemonitoring von Devices, Telekonsultationen, Videosprechstunden |
| Mobile Health (m-health) | Apps, Smartphone-basiertes EKG-Screening (z.B. Vorhofflimmern), Wearables |
| Personalized Health | Tragbare/implantierbare Sensoren (Arrhythmiedetektoren, Defibrillatorwesten) |
| Big Data | Nutzung großer Datenmengen für individuelle Therapieentscheidungen |
Alterskardiologie (Geriatrie)
Aufgrund der demografischen Entwicklung müssen Kardiologen altersspezifische Aspekte beherrschen:
- Berücksichtigung von Multimorbidität, Sarkopenie und Gebrechlichkeit (Frailty)
- Anpassung der Therapieziele: Autonomie und Beschwerdefreiheit stehen oft über der reinen Prognoseverbesserung
- Beachtung von Polypragmasie und Arzneimittelinteraktionen
Endokarditis und Device-Infektionen
Gefordert wird das rasche Erkennen und Behandeln von Infektionen an Nativklappen, Prothesen und Devices (Schrittmacher, ICDs).
- Level III: Probengewinnung für Blutkulturen, Durchführung von transthorakaler (TTE) und transösophagealer (TEE) Echokardiographie, antiinfektive Therapie und leitliniengerechte Endokarditisprophylaxe.
Geschlechterspezifische Aspekte
Kardiovaskuläre Risikofaktoren haben bei Männern und Frauen unterschiedliche Gewichtungen. So disponiert ein Diabetes mellitus bei Frauen häufiger zu einer koronaren Herzkrankheit, und die arterielle Hypertonie manifestiert sich oft früher. Herzinfarkte treten bei Frauen hingegen meist Jahre später auf als bei Männern.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei der Aufklärung vor interventionellen Maßnahmen validierte schriftliche Entscheidungshilfen, um die geforderte partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) im klinischen Alltag umzusetzen.