Mammographie-Screening bis 75: Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Der IQWiG-Rapid-Report P22-03 beschreibt die Überarbeitung der Informationsmaterialien für das deutsche Mammographie-Screening-Programm. Anlass ist die Ausweitung der oberen Altersgrenze für die Teilnahme.
Bisher hatten Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung. Mit Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) wurde diese Grenze auf 75 Jahre angehoben.
Um eine zeitnahe Umsetzung zu gewährleisten, wurde ab Juli 2024 zunächst eine Selbsteinladungsphase für die Altersgruppe der 70- bis 75-Jährigen etabliert. In einer zweiten Stufe erfolgt die Integration in das reguläre, bundesweite Einladungswesen.
Empfehlungen
Der Bericht legt keine klinischen Handlungsanweisungen fest, sondern aktualisiert die statistischen Vor- und Nachteile des Screenings über einen Zeitraum von 25 Jahren.
Nutzen der Früherkennung
Laut Dokument ergeben sich für 1000 Frauen, die 25 Jahre lang regelmäßig am Screening teilnehmen, folgende Überlebensvorteile:
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Etwa 24 von 1000 Frauen sterben ohne Teilnahme an Brustkrebs.
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Etwa 16 bis 21 von 1000 Frauen sterben trotz Teilnahme an Brustkrebs.
-
Etwa 3 bis 8 von 1000 Frauen werden vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt.
Risiken und Überdiagnosen
Das Dokument quantifiziert die potenziellen Nachteile der erweiterten Screening-Dauer. Für 1000 Frauen über 25 Jahre wird Folgendes erwartet:
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Etwa 11 bis 15 von 1000 Frauen erhalten eine Überdiagnose (Tumore, die zeitlebens keine Probleme verursacht hätten).
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Etwa 24 von 1000 Frauen erleben einen falschen Verdachtsbefund, der sich als harmlos herausstellt.
-
Bei höchstens 1 von 1000 Frauen kann die kumulative Strahlenbelastung zur Entstehung von Brustkrebs beitragen.
Intervallkarzinome und DCIS
Der Bericht weist darauf hin, dass die Mammographie nicht alle Tumore erfasst.
-
Bei etwa 2 von 1000 Frauen wird innerhalb der zwei Jahre bis zur nächsten Einladung Brustkrebs festgestellt.
-
Etwa 1 von 6 Diagnosen betrifft ein Duktales Carcinoma in Situ (DCIS), dessen weiterer Verlauf oft nicht vorhersehbar ist.
Altersabhängiges Brustkrebsrisiko
Das Dokument veranschaulicht das Basisrisiko für Brustkrebs in Abhängigkeit vom Alter. Die folgende Tabelle zeigt, wie viele von 1000 Frauen in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich erkranken oder versterben:
| Alter | Erkrankungen (pro 1000 Frauen in 10 Jahren) | Todesfälle (pro 1000 Frauen in 10 Jahren) |
|---|---|---|
| 50 Jahre | 24 | 4 |
| 60 Jahre | 30 | 6 |
| 70 Jahre | 36 | 9 |
Organisatorische Rahmenbedingungen
Für die Übergangsphase ab Juli 2024 gelten laut Bericht folgende Regelungen für Frauen zwischen 70 und 75 Jahren:
-
Die Terminvereinbarung erfolgt eigenständig (Selbsteinladung).
-
Ein Termin ist frühestens 22 Monate nach der letzten Früherkennungs-Mammographie möglich.
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Eine Teilnahme ist ausgeschlossen, wenn in den letzten 12 Monaten eine Mammographie aus anderen Gründen erfolgte.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht verdeutlicht, dass sich durch die Verlängerung des Screening-Zeitraums auf 25 Jahre die absoluten Zahlen für Überdiagnosen (11 bis 15 von 1000) im Vergleich zum Nutzen (3 bis 8 von 1000 gerettete Leben) leicht erhöhen. Es wird hervorgehoben, dass eine transparente Aufklärung über diese Überdiagnosen und falsch-positiven Befunde essenziell für die informierte Entscheidungsfindung der Frauen ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht richtet sich das Programm an Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Zuvor lag die obere Altersgrenze bei 69 Jahren.
Das Dokument berechnet, dass bei einer regelmäßigen Teilnahme über 25 Jahre etwa 3 bis 8 von 1000 Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden.
Es wird geschätzt, dass bei einer 25-jährigen Teilnahme etwa 11 bis 15 von 1000 Frauen eine Überdiagnose erhalten. Dies führt oft zu unnötigen Behandlungen wie Operationen oder Bestrahlungen.
Das Screening wird alle zwei Jahre angeboten. Ein neuer Termin ist laut Bericht frühestens 22 Monate nach der letzten Früherkennungs-Mammographie möglich.
Das Dokument gibt an, dass die regelmäßigen Röntgenuntersuchungen über 25 Jahre bei höchstens 1 von 1000 Frauen zur Entstehung von Brustkrebs beitragen können.
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Quelle: IQWiG P22-03: Mehrstufige Überprüfung und Überarbeitung der Informationsmaterialien zum Mammografie-Screening-Programm (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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