Mammakarzinom des Mannes: Diagnostik, Therapie und OP
Hintergrund
Das Mammakarzinom des Mannes ist eine seltene Erkrankung, die histologisch meist als invasiv duktales Karzinom auftritt. Die Onkopedia-Leitlinie hält fest, dass bei über 90 % der Tumoren eine hohe Östrogenrezeptor-Expression vorliegt.
Etwa ein Viertel der betroffenen Männer weist eine genetische Prädisposition auf. Als wesentliche Risikofaktoren gelten Mutationen in den Genen BRCA2 und CHEK2 sowie das Klinefelter-Syndrom.
Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren und damit deutlich höher als bei Frauen. Die Prognose wird maßgeblich vom Tumorstadium bei Erstdiagnose und der Tumorbiologie bestimmt.
Klinischer Kontext
Das Mammakarzinom des Mannes ist eine seltene Erkrankung und macht etwa ein Prozent aller Brustkrebserkrankungen aus. Die Inzidenz steigt mit zunehmendem Alter, wobei das mittlere Erkrankungsalter bei etwa 70 Jahren liegt. Männer mit einer BRCA2-Mutation oder dem Klinefelter-Syndrom haben ein signifikant erhöhtes Risiko.
Die meisten männlichen Mammakarzinome sind hormonrezeptorpositiv, typischerweise Östrogen- und Progesteronrezeptor-positiv. Histologisch handelt es sich in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle um invasive duktale Karzinome. Lobuläre Karzinome sind aufgrund des fehlenden lobulären Gewebes in der männlichen Brust extrem selten.
Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und mangelnder Sensibilisierung erfolgt die Diagnose oft in einem fortgeschritteneren Stadium als bei Frauen. Dies unterstreicht die Wichtigkeit einer raschen Abklärung bei unklaren Schwellungen oder Sekretionen der männlichen Brust.
Die Diagnostik orientiert sich an den Prinzipien des weiblichen Mammakarzinoms und umfasst die klinische Untersuchung, Mammographie und Sonographie. Die endgültige Sicherung der Diagnose erfolgt stets über eine Stanzbiopsie mit anschließender histologischer und immunhistochemischer Aufarbeitung.
Wissenswertes
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen genetische Prädispositionen, insbesondere BRCA2-Mutationen, sowie das Klinefelter-Syndrom. Auch Lebererkrankungen, Adipositas und eine exogene Östrogenzufuhr können das Risiko durch eine hormonelle Dysbalance erhöhen.
Das invasive duktale Karzinom ist die mit Abstand häufigste histologische Form bei Männern. Invasive lobuläre Karzinome treten fast nie auf, da die männliche Brustdrüse normalerweise keine Lobuli ausbildet.
Männliche Mammakarzinome weisen in über 90 Prozent der Fälle eine ausgeprägte Expression von Östrogen- und Progesteronrezeptoren auf. Eine HER2-Überexpression ist hingegen seltener als beim weiblichen Brustkrebs.
Die Basisdiagnostik besteht aus einer sorgfältigen Palpation, einer Mammographie und einer hochauflösenden Sonographie. Bei Verdacht auf Malignität muss zwingend eine sonographisch gesteuerte Stanzbiopsie zur histologischen Sicherung durchgeführt werden.
Die Gynäkomastie präsentiert sich meist als weiche, oft beidseitige und zentrisch hinter der Mamille liegende Schwellung. Ein Karzinom ist typischerweise derb, schmerzlos, einseitig und häufig exzentrisch lokalisiert, oft begleitet von Hautveränderungen oder Mamillenretraktion.
Bei gleichem Tumorstadium und Alter ist die Prognose für Männer und Frauen weitgehend vergleichbar. Allerdings werden Männer aufgrund fehlender Screening-Programme und geringerer Awareness oft erst in höheren Stadien diagnostiziert.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass die Sentinel-Lymph-Node-Technik bei Männern ähnlich effektiv ist wie bei Frauen. Es wird darauf hingewiesen, dass selbst bei einem positiven Sentinel-Lymphknoten unter bestimmten Voraussetzungen (wie maximal zwei befallene Knoten und Tumorstadium T1/T2) auf eine komplette Axilladissektion verzichtet werden kann, um die Morbidität zu senken.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie hat sich Tamoxifen als adjuvante endokrine Standardtherapie etabliert. Bei einer palliativen Behandlung kommen neben Tamoxifen auch Hormonablationen, Aromataseinhibitoren oder Fulvestrant zum Einsatz.
Ein Staging mittels Bildgebung wird ab einem Tumorstadium von pT2 empfohlen. Zudem ist eine Ausbreitungsdiagnostik bei Vorliegen klinischer Symptome, die auf Fernmetastasen hindeuten, indiziert.
Die Leitlinie nennt Mutationen in den Genen BRCA2 und CHEK2 als wesentliche genetische Risikofaktoren. Darüber hinaus ist das Klinefelter-Syndrom mit einem 20- bis 60-fach erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert.
Es wird von einer routinemäßigen Suche nach Fernmetastasen bei symptomfreien Patienten abgeraten. Die Nachsorge fokussiert sich stattdessen auf Anamnese, körperliche Untersuchung und die bildgebende Diagnostik der Brust.
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Quelle: Mammakarzinom des Mannes (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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