Langzeitnachsorge Kinderkrebs: Spätfolgen & Monitoring
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie befasst sich mit der Langzeitnachsorge von Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter. Dank kontinuierlich verbesserter multimodaler Therapien liegen die Langzeitüberlebensraten in dieser Gruppe mittlerweile bei etwa 85 Prozent.
Gleichzeitig leiden viele Betroffene im weiteren Lebensverlauf an therapiebedingten Spätfolgen. Das Risiko für chronische Gesundheitseinschränkungen nimmt mit zunehmendem Abstand zur primären Krebstherapie stetig zu und erfordert eine spezialisierte Betreuung.
Zu den häufigsten Komplikationen zählen kardiale Dysfunktionen, endokrine Störungen, Zweitneoplasien sowie psychosoziale Belastungen. Es wird eine lebenslange, risikoadaptierte und multidisziplinäre Nachsorge empfohlen, um diese Spätfolgen frühzeitig zu erkennen und adäquat zu behandeln.
💡Praxis-Tipp
Ein häufig übersehener Aspekt in der Langzeitnachsorge ist die späte Manifestation von kardialen und endokrinen Störungen, die oft erst Jahrzehnte nach Therapieende asymptomatisch beginnen. Die Leitlinie betont, dass bei der echokardiographischen Untersuchung die alleinige Bestimmung der Ejektionsfraktion nicht ausreicht, weshalb die Messung des globalen longitudinalen Strains (GLS) zur Früherkennung empfohlen wird. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei einer zentralen Hypothyreose vor Beginn einer L-Thyroxin-Gabe zwingend eine begleitende Nebennierenrindeninsuffizienz ausgeschlossen werden muss, um eine lebensbedrohliche Addison-Krise zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt den Beginn des intensivierten Brustkrebs-Screenings ab dem 25. Lebensjahr. Alternativ sollte es 8 Jahre nach der thorakalen Bestrahlung starten, je nachdem, welches Ereignis zuerst eintritt.
Es wird ein standardisiertes Monitoring mittels Echokardiographie (inklusive 3D-EF und Strain-Imaging), 12-Kanal-EKG sowie die Bestimmung von Troponin und BNP empfohlen. Die Untersuchungsintervalle richten sich nach der kumulativen Anthrazyklin-Dosis und betragen bei Hochrisikopatienten 2 Jahre.
Laut Leitlinie soll bei asymptomatischen Personen nach platinbasierter Therapie alle 5 Jahre eine audiologische Kontrolle erfolgen. Bei bereits bestehenden oder neu aufgetretenen Hörstörungen wird ein verkürztes Intervall von 1 bis 2 Jahren empfohlen.
Zur primären Diagnostik wird die Bestimmung der eGFR, des Urinstatus sowie der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) empfohlen. Zusätzlich rät die Leitlinie zu regelmäßigen Blutdruckmessungen, um eine arterielle Hypertonie frühzeitig zu erkennen.
Die Leitlinie empfiehlt ab dem 14. Lebensjahr eine Kontrolle der Pubertätsentwicklung und bei Auffälligkeiten entsprechende Hormonanalysen. Ab dem 18. Lebensjahr sollten regelmäßig die Zyklusanamnese sowie spezifische Hormonwerte wie FSH, LH, AMH oder Testosteron erhoben werden.
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Quelle: Langzeit - Nachsorge von krebskranken Kindern und Jugendlichen – Vermeiden, Erkennen und Behandeln von Spätfolgen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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