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Bewegungsförderung in der Kinderonkologie: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Kinder und Jugendliche mit Krebserkrankungen sollen täglich 60-180 Minuten Bewegungsmöglichkeit erhalten.
  • Während der Akuttherapie ist eine gezielte Bewegungstherapie bis zu 5-mal pro Woche indiziert.
  • Bei Thrombozyten < 20.000/µl oder akuter Frakturgefahr ist eine individuelle 1:1-Betreuung erforderlich.
  • Die Wünsche der Patienten und ihr Recht auf Ablehnung des Angebots müssen stets respektiert werden.
  • Bewegungsfachkräfte müssen in den Umgang mit medizinischen Geräten und Hygienerichtlinien eingewiesen sein.
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Hintergrund

Die körperliche Inaktivität bei Kindern und Jugendlichen mit onkologischen Erkrankungen ist hoch. Dies kann physische und psychische Nebenwirkungen der Therapie verstärken und inaktivitätsbedingte Langzeitfolgen begünstigen. Die S2k-Leitlinie definiert Standards zur Bewegungsförderung und Bewegungstherapie in allen Phasen der Krebserkrankung.

Allgemeine Empfehlungen

  • Bewegungszeit (soll): Alle Betroffenen sollen die Möglichkeit haben, die nationalen Bewegungsempfehlungen (je nach Alter 60-180 Minuten täglich) umzusetzen. Kliniken müssen bewegungsfreundlich und barrierefrei sein.
  • Mitbestimmung (soll): Gesundheitszustand und Wünsche der Patienten sind zu berücksichtigen. Sie dürfen Angebote ablehnen und bei Belastungsmerkmalen (Umfang, Dauer, Intensität) mitbestimmen.

Bewegungstherapie in der Akutphase

Während der Akuttherapie soll eine gezielte Bewegungstherapie in den Klinikalltag integriert werden.

  • Beginn: Ab Diagnosestellung
  • Frequenz: Bis zu 5x/Woche
  • Durchführung: Durch qualifizierte Bewegungsfachkräfte, individualisiert und zielorientiert

Nachsorge und Palliativsituation

Das Angebot richtet sich nach dem individuellen Bedarf und besteht aus Bewegungstherapie oder Beratung zur Alltagsintegration. Ein besonderer Fokus soll auf folgenden Gruppen liegen:

  • Patienten mit physischen oder psychischen Beeinträchtigungen
  • Kinder und Jugendliche mit sehr inaktivem Lebensstil
  • Jugendliche kurz vor der Transition in die internistische Onkologie
  • Alle, die aktiv Unterstützung suchen

Sicherheitsmaßnahmen und Kontraindikationen

Die Bewegungstherapie in der Kinderonkologie gilt als sicher. Zur Prävention unerwünschter Ereignisse gelten strikte Vorgaben:

  • Informationsfluss (soll): Regelmäßige interdisziplinäre Besprechungen und sichtbare Dokumentation der Intervention.
  • Qualifikation (soll): Einweisung der Bewegungsfachkräfte in medizinische Geräte (z. B. Infusionsständer, EKG, Magensonde), Hilfsmittel und Hygienerichtlinien.

Bei medizinischen Risikofaktoren ist das Training anzupassen:

Risikofaktor / IndikatorEmpfohlene Maßnahme
Thrombozyten < 20.000/µlNiedrigschwellige Inhalte, 1:1-Betreuung
Akute FrakturgefahrIndividuell abgestimmte 1:1-Betreuung
Post-OP StatusAnpassung im interdisziplinären Team

Trainingsinhalte und Intensität

Die Bewegungstherapie umfasst verschiedene Intensitätsstufen, die sich am Zustand des Patienten orientieren:

TrainingsartBeispieleBelastungsintensität (BORG)
Geringe IntensitätBewegungsspiele im Bett, Dehnübungen, Traumreisen6 bis 10
Moderate IntensitätBett- oder Fahrradergometer, Wurfspiele, Balanceübungen11 bis 13
Hohe IntensitätKrafttraining an Geräten, Laufsprints, Mannschaftssport14 bis 20

Therapiebedingte Nebenwirkungen

Die onkologische Therapie verursacht spezifische Nebenwirkungen, die bei der Trainingsplanung berücksichtigt werden müssen:

TherapieartAkute unerwünschte WirkungenLangzeit- und Spätfolgen
ChemotherapieMyelosuppression, Fatigue, Mukositis, ÜbelkeitAdipositas, Kardiomyopathie, periphere Neuropathie, Osteopenie
StrahlentherapieHautschäden, Strahlenkater, MyelosuppressionWachstumsverzögerung, Herzinsuffizienz, kognitive Einbußen
OperationVerletzung von gesundem Gewebe, AmputationLokal-funktionale Defizite, Bewegungseinbußen
StammzelltransplantationAkute GvHD, schwere ImmunsuppressionChronische GvHD, Lungenveränderungen, Leberfibrose

💡Praxis-Tipp

Integrieren Sie Bewegungsfachkräfte fest in interdisziplinäre Teambesprechungen und stellen Sie sicher, dass diese im Umgang mit Infusionsständern, zentralen Zugängen und EKG-Monitoren geschult sind.

Häufig gestellte Fragen

Bei Werten < 20.000/µl Blut soll eine individuelle 1:1-Betreuung mit niedrigschwelligen Inhalten erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt eine gezielte, individualisierte Bewegungstherapie bis zu 5-mal pro Woche ab Diagnosestellung.
Ja, Kinder und Jugendliche haben das Recht, das Angebot abzulehnen. Sie sollen jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erneut gefragt werden.
Qualifizierte Bewegungsfachkräfte, die in klinikinterne Qualifizierungssysteme (Hygiene, medizinische Geräte) einbezogen sind.

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