Fertilitätserhalt bei Onkologie: S2k-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Onkologische Therapien führen sehr häufig zu einer partiellen oder kompletten Schädigung der Gonadenfunktion.
- •Das Risiko für einen Fertilitätsverlust hängt maßgeblich von Alter, Art, Dosis und Dauer der Therapie ab.
- •Konzepte zum Erhalt der Fertilität müssen integraler Bestandteil der onkologischen Behandlung sein.
- •Die Leitlinie richtet sich an präpubertäre Mädchen und Jungen sowie Patient*innen im reproduktiven Alter.
Hintergrund
Aufgrund der Optimierung der medikamentösen, systemischen (Chemotherapie, zielgerichtete Therapien) und der lokoregionalen Therapie (Operation, Strahlentherapie) hat sich die Überlebensrate bei malignen Erkrankungen signifikant verbessert. Diese Therapien führen jedoch sehr häufig zu einer partiellen oder kompletten Schädigung der Gonadenfunktion bei beiden Geschlechtern.
Für die Betroffenen wird die Möglichkeit einer therapiebedingten Infertilität (vorzeitige ovarielle Insuffizienz bei Frauen oder Zeugungsunfähigkeit bei Männern) oft als ähnlich belastend eingestuft wie die maligne Erkrankung selbst. Konzepte zum Erhalt der Fertilität und die entsprechende Beratung müssen daher integraler Bestandteil onkologischer Behandlungen von Präpubertären oder Patient*innen im reproduktiven Alter sein.
Risikofaktoren für Gonadotoxizität
Die mögliche gonadale Schädigung und der Verlust von Keimzellen hängen von verschiedenen individuellen und therapiebedingten Faktoren ab:
| Risikofaktor | Auswirkung auf die Fertilität |
|---|---|
| Alter | Ein höheres Alter bedeutet ein höheres Risiko für einen Fertilitätsverlust. |
| Therapieart | Operationen, Chemotherapien, zielgerichtete Therapien und Strahlentherapien können gonadotoxisch wirken. |
| Dosis & Dauer | Das Risiko für eine Schädigung steigt mit der Dosis und der Dauer der medizinischen Therapie. |
Zielgruppen der Leitlinie
Die Leitlinie richtet sich an alle Ärztinnen und Berufsgruppen, die an der Versorgung von Patientinnen mit gonadotoxischer Therapie beteiligt sind. Dazu gehören unter anderem:
- Gynäkologen und Urologen
- Reproduktionsmediziner und Andrologen
- Onkologen und Radioonkologen
- Pädiater und Psychoonkologen
Methoden der Fertilitätsprotektion
Basierend auf der Struktur der Leitlinie stehen verschiedene etablierte und experimentelle fertilitätsprotektive Techniken zur Verfügung, die eine realistische Chance auf eine spätere Schwangerschaft bieten:
| Patientengruppe | Mögliche Maßnahmen (gemäß Leitlinienstruktur) |
|---|---|
| Mädchen und Frauen | Organerhaltende Operationsverfahren, Ovariopexie, GnRH-Agonisten, Kryokonservierung (Oozyten, Vorkernstadien, Embryonen, Ovarialgewebe) |
| Jungen und Männer | Kryokonservierung (Ejakulat, Hodengewebe), Gonadenschutz bei Bestrahlung, experimentell: Kryokonservierung von spermatogonialen Stammzellen |
(Hinweis: Da der vorliegende Quelltext primär die Methodik, Zielsetzung und Struktur der Leitlinie abbildet, sind spezifische Dosierungen und detaillierte Empfehlungsgrade zu den einzelnen Verfahren hier nicht aufgeführt.)
💡Praxis-Tipp
Integrieren Sie die Beratung über fertilitätserhaltende Maßnahmen frühzeitig vor Beginn einer zytotoxischen Therapie in das onkologische Gesamtkonzept, da der drohende Fertilitätsverlust für Patient*innen extrem belastend ist.