WHO2024

Laborsicherheit: Risikobewertung und Notfallmanagement

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie zur praktischen Umsetzung des "Laboratory Biosafety Manual" (LBM4) beschreibt einen strukturierten Ansatz zur Minimierung infektiöser, chemischer und physikalischer Risiken in klinischen und labortechnischen Umgebungen. Im Fokus steht dabei ein risiko- und evidenzbasierter Ansatz, der die bisherige starre Methodik ablöst.

Dieser neue Ansatz berücksichtigt spezifisch die pathogenen Eigenschaften eines Erregers, die durchgeführten Verfahren und die verfügbare Ausstattung, um die notwendigen Biosicherheitsanforderungen zu ermitteln. Dadurch soll eine nachhaltigere und ressourcenschonendere Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen ermöglicht werden.

Das Dokument dient als praktischer Leitfaden für das Laborpersonal. Es umfasst konkrete Anweisungen für die sichere Probenentnahme, den Transport, die Verarbeitung sowie das Management von Notfällen und Unfällen im Laboralltag.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den sicheren Laborbetrieb:

Risikobewertung

Laut Leitlinie wird vor Beginn jeder Tätigkeit eine systematische Risikobewertung empfohlen. Diese umfasst die Identifikation von Gefahren, die Bewertung von Wahrscheinlichkeit und Folgen einer Exposition sowie die Auswahl geeigneter Kontrollmaßnahmen.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Die Auswahl der PSA richtet sich nach der spezifischen Risikobewertung. Die Leitlinie empfiehlt folgende Grundsätze:

  • Das Tragen von doppelten Handschuhen wird empfohlen, um das Risiko von Perforationen und Kontaminationen beim Ausziehen zu verringern.

  • N95-Masken erfordern laut Leitlinie zwingend einen Fit-Test vor der ersten Nutzung sowie bei physischen Veränderungen des Gesichts.

  • Beim An- und Ablegen der PSA ist eine strikte Reihenfolge einzuhalten, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden.

Umgang mit biologischen Sicherheitswerkbänken (BSC)

Für die Arbeit an Sicherheitswerkbänken (BSC) werden spezifische Verhaltensweisen empfohlen:

  • Vor und nach der Nutzung wird eine Oberflächendekontamination mit einem geeigneten Desinfektionsmittel empfohlen.

  • Für molekularbiologische Arbeiten wird eine 0,5%ige Bleichmittellösung empfohlen, während für Kulturarbeiten 70%iges Ethanol vorgesehen ist.

  • Die Nutzung von offenen Flammen (z. B. Bunsenbrenner) innerhalb der BSC wird nicht empfohlen; stattdessen sollten elektrische Sterilisatoren verwendet werden.

Notfall- und Spill-Management

Bei Verschüttungen (Spills) von biologischem oder chemischem Material wird ein strukturiertes Vorgehen empfohlen:

  • Bei Spills außerhalb der BSC wird empfohlen, den Raum sofort zu verlassen und für mindestens 30 Minuten abzusperren, damit sich Aerosole setzen können.

  • Die Reinigung sollte gemäß Leitlinie immer mit vollständiger PSA und unter Zuhilfenahme eines vorbereiteten Spill-Kits erfolgen.

  • Scharfe Gegenstände dürfen laut Leitlinie niemals mit den Händen, sondern nur mit Zangen oder Kehrblechen aufgenommen werden.

Spezifische Laboraktivitäten und Risikominderung

Die Leitlinie klassifiziert verschiedene Laboraktivitäten und empfiehlt entsprechende Kontrollmaßnahmen:

LaborbereichAktivitätHauptrisikoEmpfohlene Maßnahme
VirologieZentrifugation von ProbenröhrchenAerosolbildung bei BruchNutzung von Zentrifugen mit Sicherheitsdeckeln; Öffnung nur in der BSC
BakteriologieKultivierung auf festen/flüssigen MedienErregerexposition, StichverletzungenVerzicht auf offene Flammen; Nutzung von Einweg-Ausstrichösen
BiochemieUmgang mit chemischen ReagenzienChemische Aerosole oder DämpfeÖffnen von Chemikalienflaschen nur unter einem zertifizierten Abzug
HämatologieSerumtrennung durch ZentrifugationSpritzer oder Auslaufen von RöhrchenNutzung von Sicherheitsdeckeln; Verwendung von Heizblöcken statt Wasserbädern

Probenentnahme und Transport

Für die Entnahme potenziell infektiöser Proben wird das Tragen von N95-Maske, doppeltem Handschuhschutz, Augenschutz und Kittel empfohlen. Der Transport muss in einem dreifachen Verpackungssystem erfolgen, das aus einem flüssigkeitsdichten Primärgefäß, einer flüssigkeitsdichten Sekundärverpackung und einer stabilen Außenverpackung besteht.

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise für den Laboralltag:

  • Es wird ausdrücklich davor gewarnt, Bleichmittel in Bereichen zu verwenden, in denen Lysis-Puffer, Trizol oder thiocyanathaltige Lösungen eingesetzt wurden, da hierbei toxische Gase entstehen.

  • Die Leitlinie warnt davor, flüssigen Stickstoff oder Trockeneis in dicht verschlossenen Behältern zu lagern, da der Druckaufbau zu einer Explosion führen kann.

  • Es wird davor gewarnt, Nadeln nach Gebrauch wieder mit der Schutzkappe zu versehen (Recapping). Falls dies unvermeidbar ist, wird die Einhand-Schöpftechnik empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxishinweis der Leitlinie betrifft das Management von Verschüttungen (Spills) außerhalb der Sicherheitswerkbank. Es wird dringend empfohlen, den Raum bei einem Spill sofort zu verlassen und für mindestens 30 Minuten nicht wieder zu betreten. Diese Wartezeit ist essenziell, damit sich potenziell infektiöse Aerosole absetzen können, bevor mit der Reinigung unter vollständiger Schutzausrüstung begonnen wird.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird für die Herstellung aus 5%igem Haushaltsbleichmittel ein Mischungsverhältnis von 10 ml Bleichmittel auf 90 ml Wasser empfohlen. Die Lösung sollte täglich frisch hergestellt und nicht in direktem Sonnenlicht gelagert werden.

Die Leitlinie betont, dass die äußeren Handschuhe zuerst entfernt werden sollten, gefolgt von Schuhüberzügen und dem Kittel. Die inneren Handschuhe werden erst ganz am Schluss nach der Maske abgelegt, woraufhin eine sofortige Händehygiene empfohlen wird.

Es wird empfohlen, die Flammen mit einem Mantel oder einer Decke zu ersticken und die betroffene Person auf dem Boden zu rollen, um dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen. Die Leitlinie verweist hierbei auf die "STOP, DROP and ROLL"-Regel.

Die Leitlinie rät strikt vom sogenannten Recapping ab, um Nadelstichverletzungen zu vermeiden. Falls es absolut unumgänglich ist, wird die Anwendung der Einhand-Schöpftechnik empfohlen.

Gemäß Leitlinie wird ein dreistufiges Verpackungssystem empfohlen. Dieses besteht aus dem primären Probengefäß, einem flüssigkeitsdichten Plastikbeutel als Sekundärverpackung und einer stabilen Außenverpackung (z. B. Kühlbox).

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Quelle: A guide for the practical implementation of the WHO LABORATORY BIOSAFETY MANUAL FOURTH EDITION (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

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