ClariMedClariMed
WHO2020

Aufbau eines Pathologie-Labors: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Rund 70 % aller medizinischen Entscheidungen basieren auf Labordiagnosen, was die Pathologie essenziell für die Krebsbekämpfung macht.
  • Der pathologische Prozess gliedert sich in präanalytische, analytische und postanalytische Phasen.
  • Für chirurgische Präparate wird standardmäßig 10%iges neutral gepuffertes Formalin (NBF) zur Fixierung verwendet.
  • Gewebeblöcke und Objektträger müssen in der Regel für mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden.
  • Ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem inklusive Standardarbeitsanweisungen (SOPs) und externer Qualitätskontrolle (EQA) ist obligatorisch.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Pathologie ist ein zentraler Bestandteil der Krebsbekämpfung. Schätzungsweise 70 % aller medizinischen Entscheidungen basieren auf Labordiagnosen. Dennoch besteht weltweit eine erhebliche Versorgungslücke: Während in 95 % der Länder mit hohem Einkommen (HIC) Pathologiedienste allgemein verfügbar sind, ist dies nur in 26 % der Länder mit niedrigem Einkommen (LIC) der Fall.

Phasen der pathologischen Untersuchung

Der Arbeitsablauf in der Pathologie wird in drei Hauptphasen unterteilt:

PhaseKernprozesse
PräanalytischProbenentnahme, Fixierung, Identifikation, Anforderungsformular, Transport
AnalytischAnnahme, Registrierung (Accessioning), Zuschnitt, Einbettung, Schnittanfertigung, Färbung
PostanalytischBefundung, Aufbewahrung/Entsorgung von Material, Archivierung von Daten

Präanalytische Phase: Fixierung

Die korrekte Fixierung ist entscheidend, um Gewebe vor Autolyse zu schützen. Bei bestimmten Tumoren (z. B. Brustkrebs) sollte die kalte Ischämiezeit (Zeit zwischen Entnahme und Einbringen in Formalin) weniger als eine Stunde betragen, um eine optimale immunhistochemische Auswertung zu gewährleisten.

PräparatStandard-Fixierungsmittel
Chirurgisches Gewebe10 % neutral gepuffertes Formalin (NBF); Volumen 10-20x größer als das Präparat
Zytologie (Pap-Färbung)95 % Ethanol oder Zytologie-Fixierspray
Zytologie (Giemsa)Lufttrocknung ± 100 % Methanol

Analytische Phase: Färbemethoden

Nach der Gewebeverarbeitung und Schnittanfertigung (5-6 Mikrometer Dicke) erfolgt die Färbung. Hämatoxylin und Eosin (H&E) ist die Standardfärbung in der Histopathologie.

MethodeRoutinefärbungSpezialfärbungen (Beispiele)
HistopathologieHämatoxylin & Eosin (H&E)PAS (Kohlenhydrate), Alcianblau (saure Mucine), Kongorot (Amyloid)
ZytopathologiePapanicolaou, May-Grünwald-Giemsa-

Postanalytische Phase und Befundung

Für die Befunderstellung wird das Synoptic Reporting (strukturierte Befundung mittels Checklisten) dringend empfohlen. Es verbessert die Vollständigkeit, Konsistenz und klinische Nutzbarkeit der Berichte.

Aufbewahrungsfristen:

  • Gewebeblöcke und Objektträger: Mindestens 10 Jahre
  • Restgewebe: Kann 30 Tage nach offizieller Befundfreigabe entsorgt werden
  • Patientendaten und Befunde: Dauerhafte Archivierung

Infrastruktur und Sicherheit

Ein Pathologielabor erfordert spezifische Sicherheitsvorkehrungen, insbesondere im Umgang mit Formalin. Bereiche für Zuschnitt und Zytologie-Verarbeitung erfordern strenge Infektionskontrollen und spezielle Belüftungssysteme (z. B. Abzugshauben).

Management von Formalin-Leckagen:

SzenarioKlassifikationEmpfohlene Maßnahme
< 100 ml (10 % NBF)GeringfügigKontaminierte Fläche 2x mit kaltem Wasser reinigen. Papiertücher als Sondermüll entsorgen.
> 100 ml (37 % Formaldehyd)ErheblichPersonal warnen, Bereich evakuieren, Biosicherheits-Protokolle befolgen.
> 500 ml (10 % NBF)ErheblichPersonal warnen, Bereich evakuieren, Biosicherheits-Protokolle befolgen.

Qualitätsmanagement

Ein robustes Qualitätsmanagementsystem ist unerlässlich. Dies umfasst die Erstellung von Standardarbeitsanweisungen (SOPs) für jeden Prozessschritt. Zudem muss das Labor an Programmen zur externen Qualitätsbewertung (EQA) teilnehmen (z. B. Ringversuche, Re-Testing durch externe Einrichtungen), um die diagnostische Genauigkeit objektiv zu überprüfen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Mamma-Karzinom-Präparaten strikt auf eine kalte Ischämiezeit von unter einer Stunde und dokumentieren Sie die Zeiten genau, um verlässliche immunhistochemische Ergebnisse (ER, PR, HER2) zu sichern.

Häufig gestellte Fragen

Laut WHO-Leitlinie müssen Gewebeblöcke und Objektträger in der Regel für mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden.
Restgewebe kann 30 Tage nach der offiziellen Freigabe des pathologischen Befundes durch den Pathologen entsorgt werden.
Der Standard ist 10 % neutral gepuffertes Formalin (NBF). Das Volumen des Formalins sollte das 10- bis 20-Fache des Präparatvolumens betragen.
Synoptic Reporting ist eine strukturierte Befundungsmethode mittels standardisierter Checklisten. Sie stellt sicher, dass alle klinisch relevanten Parameter vollständig und konsistent erfasst werden.

Verwandte Leitlinien