Klinische Ernährung in der Chirurgie: ERAS und Therapie
Hintergrund
Mangel- und Unterernährung stellen signifikante Risikofaktoren für postoperative Komplikationen dar. Das sogenannte ERAS-Konzept (Enhanced Recovery After Surgery) zielt darauf ab, den chirurgischen Stress zu minimieren und eine rasche Rekonvaleszenz zu fördern.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Vermeidung einer ausgeprägten Katabolie durch einen frühen postoperativen Kostaufbau und rasche Mobilisierung. Besonders nach großen Eingriffen am oberen Gastrointestinaltrakt ist jedoch häufig mit einer verminderten Nahrungsaufnahme zu rechnen.
Die AWMF-Leitlinie fokussiert sich auf die ernährungstherapeutischen Aspekte dieses perioperativen Managements. Sie liefert evidenzbasierte Strategien zur präoperativen Konditionierung sowie zur medizinischen Ernährungstherapie bei schweren postoperativen Komplikationen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die Einhaltung unnötig langer präoperativer Nüchternheitsphasen. Die Leitlinie betont, dass klare Flüssigkeiten bis zwei Stunden vor der Anästhesie sicher sind und das Aspirationsrisiko nicht erhöhen. Eine unnötige Nahrungskarenz verstärkt den perioperativen Katabolismus und sollte im Rahmen moderner ERAS-Protokolle vermieden werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist die Einnahme klarer Flüssigkeiten bis zwei Stunden vor Beginn der Anästhesie erlaubt. Feste, leicht verdauliche Speisen können bis sechs Stunden vorher eingenommen werden.
Die Leitlinie empfiehlt einen frühzeitigen Beginn der oralen oder enteralen Nahrungsaufnahme, idealerweise innerhalb von 24 Stunden. Dies gilt auch nach Anastomosen im Gastrointestinaltrakt, da eine frühe Zufuhr die Heilung in der Regel nicht gefährdet.
Eine parenterale Ernährung wird empfohlen, wenn eine enterale Zufuhr kontraindiziert ist oder nicht ausreicht. Wenn der Energiebedarf über mehr als sieben Tage zu weniger als 50 Prozent enteral gedeckt werden kann, wird eine supplementierende parenterale Ernährung ab Tag 3 bis 4 empfohlen.
Eine routinemäßige parenterale Glutamin-Supplementierung wird laut Leitlinie nicht empfohlen, wenn Patienten ausreichend enteral ernährt werden können. Bei schwerem Organversagen ist die Gabe explizit kontraindiziert.
Dabei handelt es sich um die präoperative Gabe von flüssigen Kohlenhydraten bis zwei Stunden vor der Anästhesie. Die Leitlinie empfiehlt dies vor großen elektiven abdominellen Eingriffen, um die Kohlenhydratspeicher aufzufüllen und die postoperative Insulinresistenz zu mindern.
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Quelle: Klinische Ernährung in der Chirurgie (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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