DGPS32026Pneumologie

Klinische Ernährung in der Onkologie: DGP S3-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGP (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die DGP S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung in der Onkologie adressiert die weitreichenden Auswirkungen des Ernährungszustandes auf den Krankheitsverlauf von Tumorpatienten. Eine Mangelernährung vermindert nicht nur die Lebensqualität, sondern verringert auch die Therapieverträglichkeit und erhöht die Komplikationsrate.

Ziel der Leitlinie ist es, einer Unterversorgung frühzeitig entgegenzuwirken. Dabei wird die Bedeutung einer strukturierten, multiprofessionellen Ernährungstherapie über alle Sektorengrenzen hinweg betont.

Die aktuellen Empfehlungen umfassen das Screening, die perioperative Versorgung sowie den Umgang mit speziellen Kostformen und palliativen Situationen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermeidung restriktiver Diäten, die das Risiko einer Mangelernährung weiter verschärfen könnten.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Screening und Assessment

  • Es wird ein frühzeitiges und wiederholtes Screening auf Mangelernährung bei allen onkologischen Diagnosen empfohlen (z.B. mittels NRS-2002 oder MUST).

  • Bei einem auffälligen Screeningbefund soll ein ausführliches Ernährungsassessment durch eine qualifizierte Fachkraft erfolgen.

  • Ziel ist die frühzeitige Einleitung einer individuellen Ernährungstherapie zur Optimierung der oralen Nahrungsaufnahme.

Ernährung während der Tumortherapie

  • Die enterale Ernährung wird der parenteralen vorgezogen, sofern der Gastrointestinaltrakt ausreichend funktioniert.

  • Bei Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich wird eine individuelle Ernährungstherapie und bei Bedarf eine Eskalation nach Stufenschema (z.B. PEG-Sonde) empfohlen.

  • Eine prophylaktische enterale Ernährung ohne bestehende Dysphagie oder Gewichtsverlust ist laut Leitlinie nicht indiziert.

Perioperative Ernährungstherapie

  • Bei hohem metabolischem Risiko wird eine präoperative Ernährungstherapie für 10 bis 14 Tage empfohlen, selbst wenn die Operation dadurch verschoben werden muss.

  • Vor großen abdominellen Eingriffen wird die Gabe von oraler Trinknahrung (ONS) empfohlen.

  • Postoperativ soll ein früher enteraler Kostaufbau innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

Palliative Situation

  • In der Palliativversorgung richtet sich die Ernährungstherapie nach dem Ziel der bestmöglichen Lebensqualität und Symptomlinderung.

  • Eine künstliche Ernährung soll reevaluiert und gegebenenfalls beendet werden, wenn sie diesem Therapieziel nicht mehr dient.

  • In der Sterbephase stehen wohltuende Geruchs- und Geschmackserlebnisse sowie die Mundpflege im Vordergrund.

Dosierung

Die Leitlinie definiert folgende Zielwerte für die Makronährstoffzufuhr bei onkologischen Erkrankungen:

Nährstoff / MaßnahmeEmpfohlene ZufuhrIndikation / Anmerkung
Energie25-30 kcal/kg Körpergewicht/TagAnpassung an das Ist-Gewicht erforderlich (Vorsicht bei starkem Unter- oder Übergewicht)
Protein1,0-1,5 g/kg Körpergewicht/TagErhöhter Bedarf zur Überwindung der tumorbedingten anabolen Resistenz
Omega-3-Fettsäuren0,15-0,2 g/kg Körpergewicht/TagBei postoperativer parenteraler Ernährung zur Modulation der Entzündungsreaktion

Kontraindikationen

Die Leitlinie spricht sich explizit gegen folgende Maßnahmen aus:

  • Restriktive Diäten: Fasten (unter 400 kcal/Tag), ketogene Diäten sowie Krebsdiäten nach Budwig oder Breuß werden nicht empfohlen, da sie das Risiko für Mangelernährung erhöhen.

  • Neutropenie-Diät: Eine strenge keimarme Kost wird bei Immunsuppression nicht empfohlen, da sie Infektionen nicht reduziert und die Lebensqualität einschränkt.

  • Androgene: Der Einsatz zur Steigerung der Muskelmasse wird aufgrund unzureichender Datenlage und hoher Nebenwirkungsraten nicht empfohlen.

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💡Praxis-Tipp

Ein wesentlicher Praxisaspekt der Leitlinie ist der Verzicht auf die traditionelle Neutropenie-Diät (keimarme Kost) bei immunsupprimierten Personen. Da diese restriktive Kostform klinisch relevante Infektionen nicht nachweislich reduziert, stattdessen aber die Lebensqualität mindert und das Risiko für eine Mangelernährung erhöht, wird stattdessen die Einhaltung der allgemeinen Basishygiene bei der Lebensmittelzubereitung empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine tägliche Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,5 g pro kg Körpergewicht. Dies dient der Überwindung der tumorbedingten anabolen Resistenz und dem Erhalt der Muskelmasse.

Eine prophylaktische enterale Ernährungstherapie ist laut Leitlinie nicht indiziert, wenn keine Dysphagie oder Gewichtsverlust vorliegen. Bei bestehender Dysphagie vor einer Radiotherapie wird jedoch die Anlage einer PEG oder PEJ empfohlen.

Es wird von Fasten (unter 400 kcal/Tag) während einer laufenden Tumortherapie außerhalb von klinischen Studien abgeraten. Restriktive Diätvorschriften bergen ein hohes Risiko für Mangelernährung und Gewichtsverlust.

Bei hohem metabolischem Risiko wird eine präoperative Ernährungstherapie für 10 bis 14 Tage empfohlen, selbst wenn die Operation dadurch verschoben werden muss. Postoperativ wird ein früher enteraler Kostaufbau innerhalb von 24 Stunden angestrebt.

Bei weit fortgeschrittener Tumorerkrankung kann der kurzzeitige Einsatz von Kortikosteroiden zur Appetitsteigerung im Einzelfall erwogen werden. Dabei wird auf die Beachtung unerwünschter Wirkungen wie Immunsuppression und Insulinresistenz hingewiesen.

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Quelle: DGP S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie (DGP, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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