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AWMFS3Onkologie

POMGAT-Leitlinie (AWMF): Perioperatives Management

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Betablocker, Nitrate und Statine sollen als Dauermedikation perioperativ fortgeführt werden.
  • ACE-Hemmer und Sartane sollten am Morgen der Operation pausiert werden, um intraoperative Blutdruckabfälle zu vermeiden.
  • Auf eine ressourcenaufwändige, strukturierte Prähabilitation kann zugunsten von Standardmaßnahmen verzichtet werden.
  • Eine spezifische Patientenschulung zum multimodalen Behandlungskonzept (mPOM) wird routinemäßig empfohlen.
  • Bei Vorliegen von Risikofaktoren soll eine medikamentöse PONV-Prophylaxe als Kombinationstherapie erfolgen.
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Hintergrund

Das multimodale perioperative Management (mPOM), historisch auch als "Fast-Track-Chirurgie" bekannt, zielt darauf ab, die Morbidität, Mortalität und Krankenhausverweildauer nach Resektion gastrointestinaler Malignome zu senken. Chirurgische Eingriffe führen zu einer perioperativen Immunsuppression. Eine hohe Adhärenz an mPOM-Konzepte (z. B. frühzeitiger Kostaufbau, intraoperative Flüssigkeitsrestriktion, minimalinvasive Chirurgie) reduziert den perioperativen Stress und verbessert potenziell das onkologische Langzeitüberleben.

Perioperativer Umgang mit kardialer Vormedikation

Der Umgang mit kardial wirksamen Medikamenten erfordert eine differenzierte Herangehensweise, um kardiale Ereignisse und intraoperative Komplikationen zu vermeiden.

MedikamentenklassePerioperatives VorgehenEmpfehlungsgrad
BetablockerBestehende Therapie fortführen. Kein routinemäßiges Neuansetzen. Neuansetzen nur bei Hochrisikopatienten mit 1 Woche Vorlauf zur Titration.Starker Konsens
NitrateAntianginöse Therapie perioperativ fortführen (Vermeidung von Myokardischämie).Starker Konsens
StatineBestehende Therapie fortführen. Bei hohem kardiovaskulärem Risiko kann 2 Wochen präoperativ eine Neuansetzung erwogen werden.Starker Konsens
ACE-Hemmer / SartaneTherapie fortsetzen, jedoch am Morgen der OP (bzw. 24h davor) pausieren, um intraoperative Hypotensionen zu vermeiden.Starker Konsens
CalciumantagonistenKeine Empfehlung aufgrund unzureichender Datenlage.Starker Konsens

Einsatz von Kortikosteroiden

Eine generelle Empfehlung zur perioperativen Verabreichung von Glukokortikoiden (außerhalb der PONV-Prophylaxe) kann aufgrund der heterogenen Studienlage nicht gegeben werden (Starker Konsens).

  • Pankreas- und Leberchirurgie: Eine perioperative Glukokortikoidgabe kann hier erwogen werden (Starker Konsens), da neuere Studien auf positive Effekte (weniger Komplikationen, geringere Fistelraten) hinweisen.
  • Ösophagus- und Kolorektalchirurgie: Widersprüchliche Datenlage, teils Hinweise auf erhöhte Anastomoseninsuffizienz-Raten.

Prähabilitation und Patientenschulung

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Standard-PrähabilitationSoll-Empfehlung (Standard)Erhaltung körperlicher Aktivität, ausgewogene Ernährung, Nikotin- und Alkoholverzicht.
Intensivierte PrähabilitationKann-Verzicht (Empfehlungsgrad 0)Auf strukturierte, ressourcenaufwändige Programme (trimodal) kann verzichtet werden, da kein klarer Nutzen belegt ist.
PatientenschulungSollte-EmpfehlungSpezifische Unterweisung zum mPOM-Konzept verbessert Compliance und verkürzt die Verweildauer.

Präoperative Risikoevaluierung

Ein validiertes Risikostratifizierungsinstrument sollte (Empfehlungsgrad B) verwendet werden, um die klinische Untersuchung zu ergänzen.

  • Komplexe Eingriffe: Nutzung von Scores wie POSSUM, P-POSSUM, NSQIP, E-PASS oder SRS.
  • Eingriffe mit geringerem Risiko: Der ASA-Status ist ausreichend.
  • Die Ergebnisse sollen im Sinne der partizipativen Entscheidungsfindung mit dem Patienten besprochen werden.

PONV-Prophylaxe

Bei abdominalchirurgischen Tumoroperationen soll (Empfehlungsgrad A/B) bei Patienten mit Risikofaktoren eine Prophylaxe gegen postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) erfolgen.

Risikofaktoren (nach Apfel):

  • Weibliches Geschlecht
  • Nichtraucher
  • PONV oder Reiseübelkeit in der Anamnese
  • Postoperativer Opioidbedarf

Es sollte eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Medikamentenklassen verwendet werden. Folgende Wirkstoffe zeigen eine nachgewiesene Reduktion von Erbrechen:

WirkstoffWirksamkeitEvidenzlevel
Aprepitant / FosaprepitantSehr hoch (NK1-Rezeptorantagonisten)Hoch / Moderat
Ramosetron / GranisetronHochHoch
DexamethasonHochHoch
OndansetronHochHoch
DroperidolModeratModerat

(Hinweis: NK1-Rezeptorantagonisten sind aktuell oft im Off-Label-Use für PONV).

Zusätzlich sollte (Empfehlungsgrad B) eine Propofol-basierte totalintravenöse Anästhesie (TIVA) erwogen werden.

💡Praxis-Tipp

Pausieren Sie ACE-Hemmer und Sartane am Morgen der Operation zur Vermeidung von Blutdruckabfällen. Führen Sie Betablocker und Statine unverändert fort, beginnen Sie diese aber nicht routinemäßig neu.

Häufig gestellte Fragen

Nein, ein routinemäßiges Neuansetzen wird nicht empfohlen. Bestehende Therapien sollen jedoch fortgeführt werden.
Die Dauertherapie sollte fortgesetzt werden, jedoch am Morgen der Operation (bzw. 24h davor) pausiert werden, um intraoperative Blutdruckabfälle zu vermeiden.
Nein, auf strukturierte, ressourcenaufwändige Programme kann verzichtet werden. Standardmaßnahmen wie Nikotinkarenz, ausgewogene Ernährung und Bewegung reichen in der Regel aus.
Patienten mit Risikofaktoren (weiblich, Nichtraucher, PONV-Anamnese, postoperativer Opioidbedarf). Es sollte eine Kombinationstherapie aus mehreren Wirkstoffen erfolgen.

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