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Leitlinienprogramm Onkologie (DKG/AWMF/Deutsche Krebshilfe)2025OnkologieErnährungsmedizinInnere Medizin

Ernährungsmedizin in der Onkologie: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Leitlinienprogramm Onkologie (DKG/AWMF/Deutsche Krebshilfe) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Screening auf Mangelernährung soll frühzeitig bei Diagnosestellung und wiederholt im Verlauf mit validierten Tools erfolgen.
  • Bei auffälligem Screening ist ein ausführliches Ernährungsassessment durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft indiziert.
  • Die individuelle Ernährungstherapie umfasst die Anreicherung von Speisen und den Einsatz oraler Trinknahrungen (ONS).
  • Der Energiebedarf von Krebspatienten liegt bei 25 bis 30 kcal/kg Körpergewicht pro Tag.
  • Die empfohlene Proteinaufnahme beträgt 1,0 bis 1,5 g/kg Körpergewicht pro Tag.
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Hintergrund

Der Ernährungszustand hat einen wesentlichen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf, die Therapie und den Therapieerfolg von Patienten mit einer onkologischen Erkrankung. Eine Mangelernährung vermindert die Lebensqualität, verringert die Therapieverträglichkeit und führt zu häufigeren Behandlungskomplikationen. Ziel der Ernährungstherapie ist es, diesen negativen Effekten durch eine bedarfsgerechte und individuell angepasste Versorgung entgegenzuwirken.

Screening und Assessment

Ein systematisches Screening auf Mangelernährung dient dazu, Patienten mit bestehender oder drohender Mangelernährung frühzeitig zu identifizieren.

  • Empfehlungsgrad A: Zur Erfassung des Risikos für eine Mangelernährung sollen validierte Screeningtools eingesetzt werden.
  • Das Screening soll frühzeitig bei Diagnosestellung und wiederholt im Verlauf (z.B. bei jeder stationären Aufnahme oder wöchentlich) erfolgen.
  • Konsens: Bei einem auffälligen Screening soll ein ausführliches Ernährungsassessment durch eine entsprechend qualifizierte Person (z.B. Diätassistenten, Oecotrophologen, Ernährungsmediziner) durchgeführt werden.
Screening-ToolBehandlungssettingPatientengruppe
NRS-2002Ambulant und stationärVerschiedene
MUSTAmbulant onkologisch, RadiotherapieVerschiedene
MSTAmbulant onkologisch, RadiotherapieVerschiedene
MNA / MNA-SFAmbulant und stationärGeriatrisch

Ernährungstherapie

Die individuelle Ernährungstherapie umfasst alle multiprofessionellen Maßnahmen zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Ernährung.

  • Empfehlungsgrad A: Patienten mit auffälligem Screening sollen nach einem Ernährungsassessment individuelle ernährungstherapeutische Beratungen durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte erhalten. Dies dient der Steigerung der oralen Nahrungsaufnahme und inkludiert die Anreicherung von Speisen sowie das Angebot oraler Trinknahrungen (ONS).
  • Empfehlungsgrad A: Patienten mit Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich sollen eine individuelle Ernährungstherapie erhalten. Bei unzureichender Nahrungsaufnahme soll eine Eskalation nach dem Stufenschema erfolgen, um Therapieunterbrechungen zu verhindern.

Energie- und Nährstoffbedarf

Der Energiebedarf von Krebspatienten unterscheidet sich nicht systematisch von dem gesunder Menschen, muss jedoch an das Erkrankungsstadium und die individuelle Situation (z.B. körperliche Aktivität, systemische Entzündungen) angepasst werden.

NährstoffEmpfohlene ZufuhrEmpfehlungsgrad
Energie25 bis 30 kcal/kg Körpergewicht pro TagB
Protein1,0 bis 1,5 g/kg Körpergewicht pro TagB

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem onkologischen Patienten bereits bei Diagnosestellung ein standardisiertes Screening auf Mangelernährung (z.B. mit NRS-2002 oder MUST) durch und wiederholen Sie dieses regelmäßig im Behandlungsverlauf.

Häufig gestellte Fragen

Der Energiebedarf unterscheidet sich nicht systematisch von gesunden Menschen und sollte zwischen 25 und 30 kcal/kg Körpergewicht pro Tag liegen.
Die empfohlene Proteinaufnahme liegt bei 1,0 bis 1,5 g/kg Körpergewicht pro Tag.
Empfohlen werden validierte Tools wie NRS-2002, MUST, MST, SGA, PG-SGA oder MNA-SF, abhängig vom jeweiligen Setting und der Patientengruppe.
Ein ausführliches Ernährungsassessment sollte von qualifizierten Ernährungsfachkräften (z.B. Diätassistenten, Oecotrophologen, Ernährungsmediziner) durchgeführt werden.

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