Klimabewusste Inhalativa: DPI vs. Dosieraerosole
Hintergrund
Das Gesundheitswesen verursacht in Deutschland etwa 5,2 Prozent der CO2-Emissionen. Im primärärztlichen Bereich stellt die Verordnung von Medikamenten den größten Faktor für den CO2-Fußabdruck dar.
Bei der Therapie obstruktiver Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD kommen häufig treibgasbetriebene Dosieraerosole (DA) zum Einsatz. Die darin enthaltenen Treibmittel, wie Norfluran oder Apafluran, weisen ein extrem hohes Treibhauspotenzial (Global Warming Potential) auf und tragen signifikant zur Klimaerwärmung bei.
Pulverinhalatoren (DPI) kommen hingegen ohne klimaschädliche Treibgase aus. Die AWMF S2k-Leitlinie zur klimabewussten Verordnung von Inhalativa zielt darauf ab, den ökologischen Fußabdruck durch eine bewusste Therapieauswahl zu senken, ohne die Sicherheit oder die Symptomkontrolle der Behandelten zu gefährden.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Asthma bronchiale und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit und betreffen Millionen von Patienten. Die hohe Prävalenz führt zu einem massiven täglichen Einsatz von Inhalationssystemen, was den ökologischen Fußabdruck des Gesundheitssektors signifikant beeinflusst. Pathophysiologie und Umweltaspekte: Dosieraerosole (pMDI) verwenden häufig Hydrofluoralkane (HFA) als Treibgase, welche stark wirksame Treibhausgase sind. Pulverinhalatoren (DPI) und treibgasfreie Feuchtnebelinhalatoren (SMI) kommen hingegen ohne diese klimaschädlichen Gase aus und weisen ein deutlich geringeres Treibhauspotenzial auf. Klinische Bedeutung: Die Berücksichtigung ökologischer Aspekte bei der Verordnung von Inhalativa gewinnt in der hausärztlichen Praxis zunehmend an Relevanz. Es gilt, eine Balance zwischen optimaler Symptomkontrolle, individueller Patientenkompetenz und Umweltschutz zu finden. Diagnostische Grundlagen zur Device-Wahl: Die Auswahl des passenden Inhalators richtet sich nach dem inspiratorischen Atemfluss, den kognitiven Fähigkeiten und der manuellen Geschicklichkeit der Betroffenen. Eine sorgfältige klinische Evaluation sowie regelmäßige Überprüfungen der Inhalationstechnik sind essenziell, um den Therapieerfolg zu sichern und Fehlgebrauch zu vermeiden.
Wissenswertes
Dosieraerosole (pMDI) weisen aufgrund der enthaltenen Treibgase wie Hydrofluoralkane (HFA) den höchsten CO2-Fußabdruck auf. Diese Gase haben ein vielfach höheres Treibhauspotenzial als Kohlendioxid.
Pulverinhalatoren (DPI) und Feuchtnebelinhalatoren (SMI) gelten als umweltfreundlichere Alternativen. Sie funktionieren rein mechanisch oder atemzuggetrieben und benötigen keine klimaschädlichen Treibgase.
Nein, für die Nutzung von Pulverinhalatoren ist ein ausreichender inspiratorischer Atemfluss zwingend erforderlich. Bei schweren Exazerbationen, sehr alten Patienten oder Kleinkindern reicht die Einatemkraft oft nicht aus.
Eine Umstellung erfordert eine sorgfältige Aufklärung und ein praktisches Training der neuen Inhalationstechnik mit dem Patienten. Zudem muss vorab klinisch geprüft werden, ob der Patient physisch und kognitiv für das neue System geeignet ist.
Auch teilentleerte Dosieraerosole enthalten noch signifikante Mengen an Treibgasen, die bei unsachgemäßer Entsorgung in die Atmosphäre entweichen. Eine fachgerechte thermische Verwertung minimiert diese Umweltbelastung.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fallstrick in der Praxis ist die unkritische Weiterverordnung von treibgasbetriebenen Dosieraerosolen bei Personen, die motorisch und kognitiv problemlos einen Pulverinhalator bedienen könnten. Die Leitlinie betont, dass Pulverinhalatoren lediglich für Kinder unter 5 Jahren, geriatrische Personen sowie im akuten Asthmaanfall ungeeignet sind. In allen anderen Fällen wird eine Umstellung auf klimafreundliche Alternativen empfohlen, da dies die Treibhausgasemissionen signifikant senkt, ohne die Asthmakontrolle zu verschlechtern.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie werden Pulverinhalatoren für Kinder unter 5 Jahren, für geriatrische Personen sowie bei akuten Exazerbationen im Allgemeinen nicht empfohlen. Der Grund hierfür ist das erforderliche kräftige Inspirationsmanöver, das in diesen Situationen oft nicht erbracht werden kann.
Dosieraerosole enthalten Treibmittel wie Norfluran oder Apafluran, um den Wirkstoff in die tiefen Lungenabschnitte zu transportieren. Diese Gase haben ein extrem hohes Treibhauspotenzial (Global Warming Potential), das bis zu 3.600-mal höher ist als das von CO2.
Wenn die Verordnung eines Dosieraerosols medizinisch notwendig ist, empfiehlt die Leitlinie die Auswahl eines Präparats mit integriertem Zählwerk. Zudem sollte auf Dosieraerosole mit dem besonders klimaschädlichen Treibmittel Apafluran verzichtet werden.
Die Leitlinie definiert einen hohen SABA-Bedarf als Indikator für eine unzureichende Asthmakontrolle. Es wird eine kurzfristige Überprüfung der Therapie empfohlen, wenn im Kalenderjahr mehr als zwei N1-Packungen SABA verordnet werden.
Da Dosieraerosole technisch bedingt nie vollständig entleert sind, verbleiben Restmengen an Treibgas und Wirkstoff in der Dose. Sie gelten daher als gefährlicher Abfall und erfordern laut Leitlinie ein spezielles Entsorgungskonzept, das sich am etablierten 'Grünen Karton' orientieren sollte.
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Quelle: Klimabewußte Verordnung von Inhalativa (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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